Die Alten sind nicht zu unterschätzen, warum aber ist das bei uns so?

Warum wehren sich die Mehrzahl der Gemeindevertreter gegen einen Behinderten- und Seniorenbeirat? Und warum unterstützt sie Bürgermeister Gehrke so vehement dabei? Wissen sie nicht, was ein Beirat kann und bedeutet? Es ist unbestritten, ein Seniorenbeirat ist in kommunaler Selbstverwaltung ein wichtiges Gremium, das die Interessen älterer Menschen in der Gemeinde vertritt und sich für deren Belange einsetzt. Er bietet zudem eine Plattform für Senioren, um Anliegen direkt an die Verwaltung oder Gemeindevertretung heranzutragen und so die Lebensqualität im Alter selbst aktiv mitzugestalten. Das eher seltsame Argument, um unsere Seniorenarbeit beneiden uns unsere Nachbarn hat absolut nichts mit dem Seniorenbeirat, so wie ihn die Regierung in Brandenburg versteht und er mir und vielen Anderen inzwischen vorschwebt. Denn er ist weit mehr als Kaffeenachmittage und Bingo, als Tanzangebote oder Modenschauen für Ältere. Der Beirat ist ein politisches und soziales Gremium und keine Konkurrenz für Kaffeenachmittage oder Bingo. Ihn zu verhindern zeugt von einem Anflug von Ignoranz und Missachtung gegenüber der älteren Generation.

Denn heute sind Menschen in den letzten Jahrzehnten ihres Lebens gesünder, aktiver, selbstbewusster und anspruchsvoller. Wer das in der Kommunalpolitik nicht versteht, verschenkt wertvolles Potential unserer Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft und diskriminiert uns Grau- und Kahlköpfe.

Was also kann ein Behinderten- und Seniorenbeirat, was die AG Senioren nicht oder nur in Ansätzen können, ohne, ich höre schon wieder Frau Tietz gedanklich aufschreien, die Arbeit der ehrenamtlich Frauen und Männer in den AG Senioren nicht angemessen zu würdigen? Weil ich selbst bei den Gemeindevertretern auf diesem Gebiet einige Missverständnisse und Gedankenlücken erlebt habe, hier einige Hauptfelder eines Behinderten- und Seniorenbeirates, den ich kurz Seniorenbeirat nenne:

1. Die Interessenvertretung:

Der Seniorenbeirat ist die Stimme der älteren Generation gegenüber der Politik und Verwaltung. Er bringt deren spezifische Bedürfnisse und Wünsche in Entscheidungsprozesse ein und sorgt dafür, dass diese bei kommunalen Planungen und Projekten berücksichtigt werden

2. Verbesserung der Lebensqualität:

Durch die Arbeit des Beirats können gezielte Maßnahmen und Angebote für Seniorinnen und Senioren initiiert werden, die deren Lebensqualität verbessern. Dies können Angebote zur Freizeitgestaltung, zur Mobilität, zur  Förderung der Gesundheit oder Unterstützung im Alltag sein:

3. Aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben:

Der Seniorenbeirat ermöglicht Seniorinnen und Senioren, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen und ihre Erfahrungen und Kompetenzen einzubringen.

4. Beratung und Unterstützung:

Der Beirat kann älteren Menschen Beratung und Unterstützung in verschiedenen Bereichen anbieten, wie zum Beispiel bei Fragen zur Pflege, zur Wohnsituation oder zur Altersvorsorge. Pflege vor Ort kann sinnvoll mit dem Beirat erweitert werden.

5. Vernetzung und Kooperation:

Der Seniorenbeirat kann als Netzwerk für Seniorinnen und Senioren dienen und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Organisationen, AG und Vereinen fördern. 

6. Demokratische Teilhabe:

Die Existenz eines Seniorenbeirats stärkt die demokratische Teilhabe älterer Menschen und trägt dazu bei, dass ihre Stimme, ihre Vorschläge aber auch ihre Einwände gehört werden. 

7. Prävention von Einsamkeit und Isolation:

Durch Angebote und Aktivitäten des Beirats können soziale Kontakte gefördert und die Isolation älterer Menschen verringert werden. Einsamkeit ist ein unterschätztes Problem in der Gesellschaft. 

8. Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens:

Der Seniorenbeirat kann durch die Organisation von Gesundheitskursen, Sportangeboten und anderen Aktivitäten dazu beitragen, dass Seniorinnen und Senioren gesund und aktiv bleiben.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben und gesagt, auch öffentlich in der Gemeindevertretung: Ich lebe seit 25 Jahren in Ahrensfelde, bin in den Achtzigern und habe in all den Jahren wirklich nicht ein einziges nicht Veranstaltungsangebot gefunden, das mich gereizt hätte, es anzunehmen, was meine kognitiven Fähigkeiten nicht beleidigt und mir Teilhabe am politischen Leben in der Gemeinde eröffnet hätte.

Deshalb hoffe ich sehr stark, dass sich endlich die Einsicht durchsetzt, dass ein Beirat von und für Behinderte und Senioren eine Bereicherung des vielseitigen Lebens in der Gemeinde ist, eine kluge und zukunftsgerechte Reaktion auf eine immer älter werdende Bevölkerung in unseren Ortsteilen und schließlich eine verlässliche Unterstützung der Gemeindevertretung für ihre Entscheidungen. Denn die Lebenserfahrung und die Kenntnisse der älteren Bürger unserer Gemeinde für die Gestaltung eines liebens- wie lebenswerten Ahrensfelde nicht zu nutzen und brach liegen zu lassen ist kurzsichtig, verschwenderisch, ja geradezu beschränkt. Das ist eine gesicherte soziologisch wissenschaftliche Erkenntnis und auch meine bescheidene Meinung, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Archiv Hartmut Moreike

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