Neues aus der Provinz - ahnungslos, aber entscheidungsfreudig - diesmal aus Eiche

Es ist wie immer. Bar jeder Ahnung und Recherche haben unsere Gemeindevertreter dem Projekt Rechenzentrum Eiche zugestimmt. Trotz Widerstand zahlreicher Bürger aus Eiche. Auch ich habe die Risiken und die Unvernunft solcher Objekte nach gründlicher Recherche - schließlich war ich einmal Wirtschaftsjournalist -  mit unwiderlegbaren Fakten und Argumenten im Blog dargelegt und in der Gemeindevertretung öffentlich gemacht. Reaktion, keine. Ja es wurde sogar die Milchmädchenrechnung von der Wärmeversorgung aller öffentlichen Gebäude und von tausenden Häusern geglaubt. Dass das allein schon an der geringen Temperatur der Abwärme scheitert und der technischen Unrentabilität, ficht unsere Gemeindevertreter nicht an, diese allwissenden Eichner Experten wie die Frauen Tietz und Emmrich. Ach Leute, Nichtwissen ist keine Entschuldigung. Begreifen unsere Gemeindevertreter nicht, dass die Vorstellung des Projektes eine pure Werbeveranstaltung war. Ich kam mir vor wie bei einer Kaffeefahrt für die besten Inkontinent-Matratzen zu Mondpreisen.

Leute, selbst in den USA wächst laut Financial Times der Widerstand gegen Datencenter. Teils wegen Wasserknappheit, wegen der ungeheuren Verteuerung des Strompreises, denn die Nachfrage bestimmt den Preis, teilweise wegen der Umweltbelastung durch benötigte Gas- oder Kohlekraftwerke. Um den Energiehunger ihrer Rechenzentren zu stillen, müssen in den USA nun zwei neue Kernkraftwerke gebaut werde. Na und, was geht uns Amerika an. Nun, wenn in Amerika die Börse nur hustet, dann bekommt Europa eine Grippe.

Das Rechenzentrum "Prometheus" in der Stadt New Alabany mit 11.000 Einwohnern im Staat Ohio 

Die Rechenzentren benötigen nicht nur kontinuierlich Strom in Mengen, auch Wasser zur Kühlung, denn die Temperatur für tausende Computer muss immer konstant bleiben, sonst droht ein Black out. Dafür müssen Aggregate sofort anspringen, wenn Stromschwankungen auftreten und die fressen Diesel oder dreckiges Fracking Öl. Und um die Datenströme zu transportieren, werden Leitungsnetze gebraucht, Landflächen beansprucht. Der extrem hohe Energieverbrauch macht sie zum Spekulationsobjekt und bedroht die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern Analyse von US-Wirtschaftswissenschaftlern und Börsenfachleuten.

Deshalb wächst auch in Europa der Widerstand gegen Datencenter. In Spanien, bisher vor allem in Aragonien, mit Kampagnen wegen des dort ohnehin schon extrem knappen Wassers in der ausgetrockneten Region. Die Stadt Amsterdam hat sogar einen Stopp für alle neuen Rechenzentren beschlossen. Diese Initiative "Save the Wieringermeer" wird von Landwirten getragen: Zum Schutz der Landwirtschaft und der regionalen Lebensgrundlagen soll ein Center von Microsoft verhindert werden.

Proteste 2025 in Dublin gegen neue Datencenter

In Marseille setzt sich "La Quadrature du Net" dafür ein, dass die Stadt keine Gebäude und Grundflächen für Daten-Center freigibt, stattdessen die Energie für den öffentlichen Verkehr und grüne Infrastruktur einsetzt. Und schließlich ein letztes Beispiel: In Irland, wo die US-Digitalkonzerne schon ihre Europa-Zentralen betreiben kämpften Bürgerinitiativen gegen weitere Daten-Center rund um die Hauptstadt Dublin, weil das bisherige Leitungsnetz sowieso schon überlastet ist.

Und im Deutschland des BlackRock-Managers, der zum Kanzler wurde, Fehlanzeige. Genau wie bei uns in Ahrensfelde, weil die Investoren das Blaue vom Himmel wie auch zahllose neue Arbeitsplätze versprochen haben, was nirgendwo passiert ist. Es ist nur leider wieder ein Zeichen, wie leichtfertig und desinformiert, um nicht zu sagen verantwortungsfrei unsere Gemeindevertretung Entscheidungen trifft und so zum Spielball von ausschließlich profitinteressierten Unternehmen wird, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Ein Bärendienst für uns Einwohner. Damit werde ich mich auch weiter nicht abfinden, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Zeitgeschehen, IMAGO/ James

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