Neues aus der Provinz - was sonst noch passiert - heute aus Blumberg
Peter Joseph Lenné - Goethe schrieb in einem Brief über ihn: "Ich möchte wohl mit einem solchen Mann das Feld durchwandern."
Das ist eine Ehre und Verpflichtung für unsere Gemeinde. Schlecht geht sie mit unserem Kleinod um. Denn mit finanziellen Mitteln allein ist es nicht getan. Noch immer verschandeln barackenähnliche Garagen den Blick auf den Park. Das Versprechen, sie abzureißen, wenn der Bauhof steht, war eine von vielen, die nicht eingehaltenen wurden. Und der Ortsvorsteher, findet sich damit ab. Die Betonfläche davor, ein Brauchtumsfeuerplatz mit Flammen, die schon einmal die Baumkronen ansengen, ist neuerdings zur Deponie verkommen, auf der Erde oder was auch immer zu Bergen abgekippt wurde. So wird das Jubiläum vom Rathaus begangen. Das ist Banausentum von wem auch immer an einem unter Schutz stehenden Gartendenkmal.
Unsere Fachoberschule Docemus Blumberg ist nun in einem internationalen Bildungskonzern aufgegangen, der in Deutschland die AcadeMedia Education GmbH gegründet hat. Der Konzern betreibt außerdem Einrichtungen der Kindertagespflege, algemeinbildende Schulen, Berufsschulen und Einrichtungen der Erwachsenenausbildung in Schweden, Norwegen, Großbritannien, Polen und den Niederlanden. Geschäftsführer des deutschen Ablegers ist der Wirtschaftsjurist Daniel Frech. Ob das eine "feindliche Übernahme" war, werden wir sehen. Für Schüler und Lehrkörper von Docemus Blumberg soll es keine Veränderungen geben. Vielleicht aber für die Eltern, denn billiger wird der Schulbesuch bestimmt nicht.
Der Verein Regionalpark Barnimer Feldmark e.V., der im Blumberg am Bahnhof seinen Sitz hat, wurde in Stralsund jüngst zum 30. Jubiläum des Bestehens der Euroregion Pomerania ausgezeichnet. Glückwunsch. Für mich Anlass, auf ein touristisches Programm aufmerksam zu machen, das dieser Verein bei uns mit aus der Taufe gehoben hat, den Fünf Kirchenweg. Eine 23 Kilometer lange Route, ob auf Schusters Rappen oder per Pedes durch die fünf Ahrensfelder Dorfteile, deren Mittelpunkt die Kirchen sind. Eine Möglichkeit, auch für alle Einwohner unserer Gemeinde, ihre engere Heimat in Geschichte und Gegenwart etwas besser kennenzulernen. Traurig nur, dass Tourismus sonst ein Stiefkind in unserer Gemeinde ist. Keine Ideen, keine weiteren Angebote.
Ich habe einmal geschrieben, dass Dörfer ohne Kirchen ein Ort ohne Seele, vor allem ohne Geschichte wären. Kirchen waren der Mittelpunkt des Lebens. Hier begann es mit der Taufe und hier schloss sich der Lebenskreis mit der Aussegnung. Vor den Kirchen fanden Gerichtstage und Märkte statt, wurden nach dem Gottesdienst Verträge mit Handschlag geschlossen und Ehen arrangiert. Kirchen bestimmten mit ihrem Glockengeläut den Rhythmus des Tages und der Arbeit. Sie boten in ihren starken Mauern Schutz, wenn es nötig war. Für mich als "gottloser" Schriftsteller sind Kirchen vor allem wegen ihrer überlieferten Chroniken und Kirchenbücher ein unermesslicher Schatz. Und so trete ich, wo ich auch bin, voller Ehrfurcht in Kirchen ein.
In Blumberg habe ich mit dem Kulturverein ein wenig dazu beigetragen, dass unschätzbare Porträts in der Blumberger Dorfkirche restauriert und so erhalten wurden (li. Restauratorin Undine Köhler bei der Arbeit) und mit meinen "Blumberger Heften" (re. das 1. Heft einer Reihe von 6 Broschüren) auch die Geschichte des Dorfes in Erinnerung gerufen. Leider gibt es dafür heute kein Interesse und keine Ideen mehr, obwohl die Pflege der Geschichte einst ein Gründungsgrund des Vereins war. Aber ich werde nicht müde, meine Heimatgemeinde auch mit diesem Blog über unsere Grenzen hinaus kulturell und geschichtlich interessant zu beschreiben, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Moreike (5) Archiv

