Neues aus der Provinz - zu den Kuriositäten um das Bauprojekt Birkholzer Allee

Zur Erinnerung: Die Lindenberger hatten in Mehrheit das Bauprojekt Birkholzer Allee abgelehnt. Das wurde aber offiziell bestritten und es wurden Vorwürfe konstruiert, dass auch Bürger aus anderen Ortsteilen bei der Online-Umfrage mitgestimmt hätten. So wurde das Ergebnis kurzerhand so gerechnet, wie es die Verwaltung und der Investor wollten. Das Votum gegen weiteren Siedlungsbau lag nicht etwa daran, dass Investor Winter ein CDU-Parteifreund von Bürgermeister Gehrke ist. Nein, auch ich habe bei einem Gespräch mit Herrn Winter dem als Sachkundiger Einwohner des Bauausschusses gegen das Projekt eine Reihe Fakten aufgeführt, die auch die Lindenberger zu ihrer Entscheidung bewegten.

Da ist erstens das Argument zu nennen, dass dieser Siedlungsbau auf Ackerland erfolgen soll. Boden ist ein schützenswertes Gut, dient dem Klima, dem Wasserhaushalt und natürlich dem Anbau von Futter oder Lebensmitteln. Ist das allein schon Grund genug, liegt der Siedlungsbau zweitens in der Frischluftschneise nach Berlin, nimmt also den Hauptstädtern förmlich die frische Luft. Drittens wird das fertiggestellte Dorf weit weg vom Kerndorf den Verkehr für Ahrensfelde und Lindenberg noch weiter belasten. Es löst also nicht das angestrebte Verkehrsproblem, sondern verschärft es weiter. Viertens hat der Entwurf mit dörflichen Charakter so wenig zu tun, wie ich mit dem Melken von Bürgermeisters Zwergrinder. Diese Siedlung widerspricht fünftens den Vorgaben des Regionalplanes, den Regionalrat Gehrke mit beschlossen hat, nachdem nicht im Außenbereich gebaut werden soll und fußläufig ein Arzt oder ein Supermarkt in einer Viertelstunde erreicht werden muss. Davon ist das geplante Satellitendorf meilenweit entfernt.

Und das soll moderne dörfliche Bebauung sein? Und eine Architektin soll den Investor beraten haben?  

All diese unwiderlegbaren Argumente haben  die Gemeindevertretung nicht davon abgehalten, mehrheitlich für das "Winterdorf" zu stimmen. Unvorstellbar. Die Einwohnervertretung arbeitet also emsig daran, die Probleme, die sie so erfolgreich selbst verursacht hat, nun in ihrer Lösung weiter aussichtsreich zu verhindern. So schafft es unser Dorfparlament zweifellos, weiter Vertrauen zu verspielen. Übrigens, was die Rathaus-Allianz als wünschenswert anbietet, muss noch lange nicht  das Beste für uns Einwohner sein. Das hat eine Umfrage zur EKBO-Siedlung entlang der Lindenberger Straße bewiesen. Nur hat das Ergebnis unsere Gemeindevertreter einen Dreck interessiert. Ist nicht Ignoranz von Bürgerwillen die Vorstufe von Bürgerverachtung?

Lange ruhte nun das Verfahren um das Winterdorf und viele Lindenberger hofften, dass die hohen Bau- und Materialpreise den Investor bewogen hätten, von seinem Vorhaben abzusehen. Denn wie versprochen, sozial verträgliche Wohneinheiten in die grüne Landschaft zu stellen, davon wird wohl nicht mehr die Rede sein. Auch wollte Investor Winter die Gemeindevertreter geneigt stimmen, dass er eine Kita versprach. Nun, die braucht die Gemeinde kaum, denn sowohl in Lindenberg als auch in Ahrensfelde, steht die Hälfte der Kita-Räume leer. Die Geburten in der Gemeinde sind dramatisch, also um etwa ein Drittel zurückgegangen. 

Jetzt taucht das Projekt im Februar-Amtsblatt seltsamer Weise neben den Beschlüssen der Gemeindevertretung auf. Damit wird suggeriert, dass die Gemeindevertretung die Offenlegung schon beschlossen hätte. Das ist falsch, aber offensichtlich scheint die Irreführung gewollt. Oder? Dabei lag bisher nicht einmal ein versprochener, überarbeiteter Bauplan des Projektes vor und wurde weder im Ortsbeirat, im Bauausschuss noch in der Gemeindevertretung die Offenlegung und die Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen. Das fordert aber die Kommunalverfassung! Was läuft hier eigentlich?

Das ganze Projekt ist ein linkes Ding. Es tauchte als vordringliches Vorhaben in kräftigem Rot im Achsenentwicklungskonzept Ahrensfelde - Werneuchen auf. Fett Rot bedeutet nach der Legende, auf besonderem Wunsch der Gemeinde! Donnerwetter! Wer hatte nun den Wunsch? Die Gemeindevertretung hat auf Nachfrage glaubhaft bestritten, diesen Wunsch geäußert zu haben und von der Verwaltung, kaum zu glauben, will es auch niemand gewesen sein. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. 

Denn diese elf Hektar für das Winterdorf sind, so glaube nicht nur ich, nur der Schlüssel für die Bebauung der ganzen 31 Hektar bis zur Ahrensfelder Straße. Das ist durchaus im Sinne der zumeist Lindenberger Landbesitzer und Bauern. Denn ein Acker bringt bei aller Plackerei bei Wind und Wetter nicht einen Bruchteil wie Bauland ein, das durch seltsame Auffassung von Ortsentwicklung für Siedlungsbau freigegeben wird. Auch heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass einige gewählte Mitglieder in unseren Gremien daran nicht so schlecht verdienen sollen. Nun, ich gebe mich keiner Spekulation hin. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir das Winterdorf ebenso brauchen, wie die Berliner Windräder recht nah vor unseren Häusern, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Archiv Moreike, Skizze: Unterlagen der Gemeindevertretung Ahrensfelde, Cartoon HBS



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