Der 21. März - Welttag der Poesie - Spache in ihrer schönsten Form

 

Erst las ich  mit oft angehaltenem Atem die Balladen von Goethe und Schiller. Später fesselte mich Heine, dessen "Buch der Lieder" neben Puschkins Gedichte meine Lieblingsliteratur bis heute ist. Immer, wenn ich vom Trübsal des Alltags und den unerwünschten Segnungen des Alters in den Rausch der Erinnerungen flüchte. Meine eigene Lyrik ist eine Sammelsurium von Wünschen, Träumen und Erlebnissen. Sie belegt, dass der unstillbare Wunsch nach Schönheit und Liebe zu Zeiten fast den Charakter von Wahnsinn annimmt. Die Erinnerung an ein aus vollen Zügen gelebtes, gestaltetes und natürlich geliebtes Leben gehört zu den schönsten Beschäftigungen eines Prosaisten. Und es ist eine unwiderlegbare Tatsache, dass sich die erste Liebe, der erste Kuss und die erste Nacht zu zweit so tief ins Herz der Erinnerung eingeprägt haben, wie ein Siegel ins Wachs.

Ein jeder Dichter, und sei sein Acker noch so klein und von Steinen übersät, versucht dort Rosen und Lorbeer zu züchten, wo Disteln wachsen. Ich schreibe Prosa, so an die zwanzig Bücher sind erschienen und das wird es wohl gewesen sein. Aber schon mit zwölf schrieb ich mein erstes Gedicht und als ich es in der Schule rezitierte, damals sagten wir noch aufsagte, verbesserten sich meine Deutschnoten und das Ansehen bei den Mädchen. Hier ist es:

Der Kastanienbaum in unserem Hof
steht in voller Blüte,
die Kerzen in dem grünen Laub
seh'n aus, wie Zuckerhüte.
Schon fünfzig Jahre ist er alt,
vielleicht sind es auch hundert,
doch wer an ihm vorübergeht,
der hat ihn stets bewundert.

Ich zeige vor dem Druck niemanden meine Manuskripte, denn ich bekomme mehr schädliche Urteile als vernünftige, helfende Ratschläge. Ich habe Puschkin ins Deutsche übersetzt, nicht wörtlich, sondern seinem Gefühl nach. Denn Poesie hat nichts mit Verstand zu tun, denn es ist Fühlen und Träumen. Und als ich Puschkins Liebesgedichte, von mir mehr gefühlt als übersetzt vortrug und Russen damit zum Weinen brachte, da wusste ich, dass es gut ist. Erst danach, mit einem stattlichen Alter überkam mich die Lust, auch zu dichten, ohne mich an Heine oder Puschkin auch nur im Entferntesten messen zu wollen. Und dabei merkte ich, das scheinbar leicht in Versen hingeschriebene ist eine elende Schufterei. Inzwischen sind es fünf Lyrikbände geworden  und "Amorelles" - erotische Lyrik mit eben solchen Zeichnungen von mir, ist unter allen mein Favorit. Aus dem Band zum Abschluss zwei Gedichte über die Liebe, denn wenn Gott die Frauen nicht erschaffen hätte, gäbe es auch keine Dichter und keine Lyrik. 

Fern und doch nah

Mit dem Wind
schicke ich Dir
einen Kuss.
Du wirst ihn fühlen,
wenn der Maiwind
deinen Körper
liebevoll schmeichelt.
Und die Strahlen
der Sonne,
die auf deinem Gesicht tanzen,
das sind meine Hände,
die dich liebkosen.

Es ist kein Traum, 
in den Wolken
erkennst du mich,
und in der Nacht
mit dem Mond
bin ich bei dir
in deinen Träumen.

Erinnerungen

Das Gras
in dem wir einst gelegen,
ist oft schon abgemäht.
Die Spur
auf uns'ren Liebeswegen
hat längst der Wind verweht.
Die Augen,
die ich so gern küsste,
sie strahlen nicht wie einst.
Die Briefe,
die ich lesen müsste,
sie zeigen mir, wie oft du weinst.
Das Foto,
auf dem du venusgleich,
trag ich in meinem Herzen.
Die Liebe,
einst ein Himmelreich,
ist Erinnerung nur und Schmerzen.

Die Gedichte, egal aus welcher Zeit und welchem Land spiegeln nicht nur das Leben wieder, sondern sind Länder übergreifend eine Welt für sich. Und jedes Gedicht verrät mehr über den Dichter, als jede Deutschstunde und eine ganze Biografie bei Wikipedia. Und ich bin überzeugt, was in der Geschichte mehr überlebt einer Nation und Generation, das sind nicht Kriege und Eroberungen, nicht Erfindungen und Rekorde, sondern im Gedächtnis der Menschen die Gedichte, die wie Schiffe die Welt und die Zeit durcheilen. Verse und Kinder machen unsere Welt einfach schöner, davon bin ich, ein leidlicher Verseschmied überzeugt. Aber Gedichte sind zumeist, Majakowskij und Heines "Weber" einmal ausgenommen, leise Töne und die sind nur zu vernehmen, liebe Leute, wenn die Waffen, wo auch immer schweigen, das meine, das fordere ich, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.  

Fotos, Zeichnungen* und Gedichte  aus dem Band "Amorelles": Cover "Amorelles" Autor (*Zeichnungen 2021 in Rötel und Kohle - Zeichnung und Gedichte haben Copyright - Vervielfältigung  und Nachdruck nur mit Genehmigung von Hartmut Moreike)


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