Erfolg für "Bürger für Ahrensfelde" - der Behindertenbeirat kommt
Aber zurück zum Behindertenbeirat. Nun, so ist der Sozial- und Kulturausschuss überein gekommen, sollen sich Bürger mit Handicap freiwillig bei den Ortsbeiräten melden, die dann eine Auswahl treffen und einen Kandidaten für den Beirat favorisieren. Die müssen sich dann dem Sozial- und Kulturausschuss vorstellen. Offen bleibt, das muss in der Hauptsatzung noch durch die Gemeindevertretung festgelegt werden, ob dann die Kandidaten, aus jedem Ortsteil ein Einwohner, bestätigt werden und welche Aufgaben und Rechte der Behindertenbeirat haben wird. Sinnvoll wäre, dass der Beirat auch im Sozial- und Kulturausschuss Sitz und Stimme hätte. Welches Alter die Kandidaten für den Beirat haben sollten, ob auch Kinder und Jugendliche vertreten sein könnten, das ist noch offen, wie so viele ganz praktische Fragen.
Findet der Beirat in der Seniorenbegegnungsstätte seinen Platz; wird er ein Budget bekommen und wie wird er in seiner Jahresplanung unterstützt, etwa von den Spezialisten aus Lobethal und der Agentur Ehrenamt? Bis das alles in trockenen Tüchern ist, wird noch eine Zeit vergehen, denn das alles will bedacht sein. Und wir sind erwiesener Maßen ein Ort der Bedenkenträger. Natürlich gibt es in der Region bestimmt schon Beispiele, aber externe Erfahrungen sind bisher in Ahrensfelde nicht so sehr gefragt, unsinniger Weise. In wie weit über den eigenen Schatten gesprungen und die Volkssolidarität mit ins Boot geholt wird, wage ich zu bezweifeln. Sie ist zwar mit ihren etwa 130 Mitgliedern aus mehreren Ortsteilen ein relativ kleiner Verein, aber sicher einer der aktivsten und vom Angebot beispiellosen, ehrenamtlich geführten Organisationen in der Gemeinde. Ja, die Ziemers!
Ein Behinderten- und Seniorenbeirat ist stets verhindert worden mit dem Scheinargument, dass die Senioren bei uns durch die AG Senioren schon gut betreut würden. Na ja, in Abwandlung von "panem et circenses" sind es bei uns Kaffee- und Spielnachmittage mit dem selben Gedanken wie im alten Rom.
Der Dichter Juvenal beschrieb mit "Brot und Spiele", wie das Volk im antiken Rom durch kostenlose Getreidespenden und Unterhaltung wie Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe von politischen Problemen abgelenkt und ruhiggestellt wurde. Die Initiatoren des Behinderten- und Seniorenbeirats, zu denen ich auch gehörte, strebten eine politische Teilhabe an, etwa wie in Altlandsberg, wo der Beirat all diese Begegnungen der älteren Generation wie bei uns auch organisiert, doch darüber hinaus die Interessen der älteren Generation politisch vertritt und die Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung, in der in der der Beirat Rederecht hat, berät.
Aber die Gretchenfrage bleibt. Was soll inhaltlich der Beirat leisten? Der Fahrstuhl im Rathaus funktioniert, an den Ampeln gibt es Riffelplatten für Sehbehinderte und Tonsignale, es gibt Tagespflege, Pflege vor Ort und nun auch bezahlte Haushaltshilfe und die Grundschule in Lindenberg war von vornherein auf Inklusion geplant. Gut, das schreibt das Gesetz vor. Es gibt Behindertenparkplätze und die Agentur Ehrenamt versucht Begleitservice zu organisieren. Vielleicht hat die eine oder andere Arzt-Praxis noch Nachholbedarf, aber dafür einen Beirat? Ja und dreimal ja!. Denn es geht um viel mehr und ich glaube nicht, dass diese Diskussion im Sozialausschuss, das Gelaber, wie ein Zuhörer erzählte, die Tiefe hatte, die das Thema eigentlich verdient. Das ist übrigens ausschussübergreifend.
Menschen mit Down-Syndrom arbeiten auf Initiative des Sternekochs Tim Mälzer im Restaurant "Zum Schwarzwäler Hirsch" - ein Beispiel für Inklusion
Inklusion, liebe Leute, ist ein Menschenrecht, nicht mehr und nicht weniger. Es ist die Anerkennung, dass die Vielfalt der Menschen mit welchem Handicap auch immer, zur Normalität gehört und dass sie gleichberechtigt sind. Und es ist verdammt noch einmal die Aufgabe der ganzen Gesellschaft und also auch unserer Verwaltung und der Gemeindevertretung zu sichern, dass alle diese Menschen bei uns unabhängig von ihrer Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das auch mit einem Behindertenbeirat zu sichern, ist eine schöne, eine schwere, eine menschliche und würdige Aufgabe.
Nun, ein halber Beirat, den Senioren wird diese Interessenvertretung nicht gerade klug versagt, ist dennoch ein schöner Erfolg, nicht nur für Simone Ulrich und ihre Mitstreiter der "Bürger für Ahrensfelde", sondern in erster Linie endlich auch für die Ahrensfelder mit Handicap, zu denen ich ja auch gehöre. Das meine ich ganz sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Foto: Autor, Gemälde und Cartoon Archiv, RTL/Niedermüller
Beauftragter für die Integration behinderter Menschen im Kreis Barnim: Am Markt 1, Paul-Wunderlich-Haus 16225 Eberswalde. Telefon 03334214-1335 oder Mail: behindertenbeauftragter@kvbarnim.de.
P.S. Am Sonntag würde die Marke von 66.000 User geknackt, die meinen Blog bisher angesehen haben.


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