Ich schreibe gegen Russophobie und bin doch kein Idiot Putins
Gut, bleiben wir bei der Literatur. Ich bin ein Kenner der russischen Kunst und Kultur und der Geschichte, seitdem die Waräger* im Schwarzen Meer mit ihren Booten in der heutigen Ukraine landeten, den Kiewer Rus gründeten, die Keimzelle Russlands und aus Helga durch Lautverschiebung Olga wurde, aus Johann Iwan und die Christianisierung begann.
Das ist die International beachtete Trilogie über den russischen realistischen Maler Ilja Repin und die Vorgänge am Zarenhof - 10 Jahre harte Arbeit.
Ich schreibe vor allem Taschenbücher, Geschichten und Erzählungen, Kurioses und Interessantes, Neues und absolut Unbekanntes aus drei Jahrhunderten Zarendynastie der Romanows. Über den Anteil deutscher Wissenschaft, Forschung und Militärtechnik oder deutscher Siedler an der Entwicklung Russlands und den guten Beziehungen zwischen dem Riesenreich Russland und den Zwergstaaten in Deutschland, seit Peter I. und Katharina II. Ja, auch ein paar Romane und ein Buch über Sitten und Bräuche in dem Standardwerk "Culinaria Russia".
Ich bin ein Erzähler, schreibe darüber, wie nützlich der Austausch auf allen Gebieten, vor allem der Kunst und Wissenschaft zwischen Europa und Russland war, dass Goethe Puschkin sehr schätzte und Dostojewski seinen Ehering in der Spielbank von Baden Baden verlor. Ludwig van Beethoven widmete Zarin Elisabeth seine Polonaise Op. 89, wofür ihm zum Dank eine großzügige Zuwendung gewährt wurde. Tolstoi besuchte Schulen in Deutschland, um sich Anregungen für eine Schule in seinem russischen Dorf Jasnaja Poljana zu holen. Auch viele Maler wechselten ihren Wohnsitz, so Chagall, Kandinsky und Jawlensky, die von Russland zeitweise nach Deutschland gingen.
Nabokow war in Spreeathen lange schriftstellerisch tätig. In Charlottenburg dass die Berliner wegen der vielen russischen Künstler und Emigranten Charlottengrad nannten. Ich habe geschrieben, wie Humboldt Diamantenvorkommen im Ural voraussagte, und die Wette gewann; dass Leipniz auf Wunsch Peter des Ersten die Russische Akademie der Wissenschaften gründete und dass Zedernholz aus Sibirien, mit dem Butter verpackt war, begehrtes Ausgangsmaterial der deutschen Geigenbauer war. Auch über den Krieg Hitlerdeutschlands, der 27 Millionen Sowjetbürgern, darunter 13 Millionen Zivilisten das Leben kostete und eine Deutschlehrerin in einem von der Deutschen Wehrmacht bis auf die Kamine niedergebrannten Dorf, die mir Heines Wintermärchen in deutsch zitierte. "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Das machte mir enorme Herzklopfen.
Und diese Geschichten habe ich in Kulturhäusern und Buchhandlungen gelesen, Werbung in eigener Sache also. Keine Lobpreisung Putins, keine Verherrlichung sowjetischer Potentaten, ja nicht einmal Gorbatschow kommt in meinen Büchern vor. Und ich bin kein Agent Putins, kein Sprachrohr russischer Propaganda oder Desinformation, sondern ein Freund des russischen Volkes, ein Bewunderer seiner Kunst, Kultur, seiner Bildung und Heimatliebe, seines Nationalstolzes und auch der Gastfreundschaft.
Wer noch nie an einem sich unter der Last von Speisen und Getränken biegendem Tisch mit Russen gesessen hat, weiß nicht, was Gastfreundschaft bedeutet. Selbst im fernen Sibirien in weltverlorenen Dörfern fand ich immer eine offene Tür und einen Platz am für mich als Gast extra reicher gedeckten Tisch.
Und dennoch habe ich hier so eine Art von Berufsverbot oder sagen wir, ich bin sanktioniert light, ein weit gereister Weltbürger und bekennender Europäer. Ja, kein Kulturhaus, kein Literaturverein und keine Bibliothek traut sich, mich heute zu Lesungen und Diskussionen einzuladen. So wirkt sich die in Medien und Politik praktizierte Russophobie aus. Dabei heißt es doch im ersten Satz von Artikel 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Grau ist alle Theorie. Und obwohl es die aktuelle Regierung weder Scham noch Dankbarkeit gegenüber Russland kennt, sollten wir nicht vergessen, Russland hat nicht nur Deutschland vom Faschismus befreit, sondern auch seine Wiedervereinigung ermöglicht. Und Russland ist nicht unser Feind, wie ein Ex-Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung formulierte, der übrigens fast die ganze CDU-Spitze ihr Studium verdankt. Nur was haben sie da gelernt?
Und deshalb schreibe ich gegen die Gehirnwäsche der regierungsbeflissenen Medien, die uns kriegsbereit machen wollen. Und ich schreibe weiter, in der festen Überzeugung, dass die nach uns kommenden Generationen so klug sein werden, Hass und Feindschaft gegen Russland und seine reiche Kultur zu überwinden. Otto von Bismarck hatte einst gesagt: "Wenn es Russland und Deutschland Freunde sind, geht es Europa gut." Dem schließe ich mich gern an, auch wenn ich sonst auf Bismarck, dem Monarchisten, Rassisten, Kriegsvorbereiter und Demokratiefeind nicht so gut zu sprechen bin, der übrigens einmal Preußens Botschafter in St. Petersburg war. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die ich schon geschrieben habe, eher amüsant und launisch, denn sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Bilder: Autor, Kosllatschkow
* Waräger - skandinavische Krieger und Kaufleute, die im 8. Jahrhundert in das Gebiet der heutigen Ukraine und Südrussland kamen, sich an Wolga und Don niederließen, sich mit der slawischen Bevölkerung vermischten und den Kiewer Rus bildeten, die Keimzelle Russlands. Rus leitet sich aus den slawischen Wort blond ab, weil die Neusiedler blonde Skandinavier waren..




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