Offene Worte zu offenen Worten der Linken in Barnim

Obwohl klar und deutlich über meinem Postkasten zu lesen steht: Bitte keine Werbung, landet hin und wieder politische Werbung bei mir. So auch das Blättchen der Linken in Barnim "Offene Worte". Und als Journalist werfe ich ein gedrucktes Papierchen nicht gleich in die blaue Tonne, sondern schaue nach, was da so geschrieben steht. Und das war aufschlussreich. Da machen die Linken für einen SPD-Landrat Wahlreklame, putzen ihm die Klinken. Schlimm genug, dass sie keinen eigenen Kandidaten haben, aber noch böser, was sie unter Wahl verstehen. Wahl heißt doch Auswahl, aber da haben die Genossen die DDR-Zeit noch nicht ganz verarbeitet. Das steht doch tatsächlich:
"Sie haben die Wahl: Daniel Kurth"

Hat mich das noch zum Schmunzeln gebracht, lief mir beim Artikelchen unserer Gemeindevertreterin Emmrich, die schon wegoperierte Galle über. Nach den Kommunalwahlen schrumpfte die Fraktion der Linken bei uns auf sie allein und der Grund kann auch in so einem Machwerk liegen. "Endlich ein Gymnasium für Ahrensfelde", heißt es und wer könnte schon dagegen sein? Kein normaler Mensch! Es sei denn, es wird hinterfragt, wie dieses Gymnasium zustande kommen wird? Das verschweigt Frau Emmrich wissentlich. 
Die Fläche für das Gymnasium verkaufte die evangelische Kirche dem Kreis nur, wenn sie dafür eine Siedlung für 1.800 Einwohner entlang der Lindenberger Straße bauen kann und die Gemeinde dem zustimmt. Es war wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, als von Kuhhandel gesprochen wurde. Und so ganz christlich war es wohl auch nicht. Den Friedhof den Ahrensfeldern als Naherholungsort zu empfehlen, darauf können wohl nur Geistliche kommen. Übrigens ist dort Joggen verboten. Und ein Argument für den EKBO-Siedlungsbau war, mit den Einnahmen die ausgefallenen Kirchensteuern zu kompensieren. Es wurde so suggeriert, als wäre die evangelische Kirche arm wie eine Kirchenmaus. Wer das glaubt, wird selig. 

Was lässt Goethe im "Faust" Mephisto nebenstehend sagen? Die evangelische Kirche ist mit einem Grundbesitz von sage und schreibe geschätzten 300.000 Hektar einer der größten Grundbesitzer der Bundesrepublik. Geschätzt, weil natürlich das Immobilienportal der Kirche nicht öffentlich ist. Auch bei uns sind es etliche Hektar und Immobilien. Ja, nichts ist so fein gesponnen, alles kommt ans Licht der Sonnen. 
Frau Emmrich hat natürlich auch nicht vergessen, dass rund ein Drittel der Ahrensfelder, genau 1.725, gegen diesen Siedlungsbau in einer demokratischen Umfrage gestimmt hatten. Ja und das, trotz zwei Seiten Werbung des Bürgermeisters im Amtsblatt für den Siedlungsbau. Nun, jeder hat seine Gründe, doch dann sollten auch die der Anwohner für ihr Abstimmungsverhalten ernst genommen werden. 

Und  wir Anwohner hatten gute Gründe, die bis heute nicht widerlegt, ja nicht einmal angehört oder diskutiert wurden. Erstens,  es müssen landwirtschaftlich genutzte Flächen betoniert und der Erzeugung von Nahrungsmitteln oder Futter entzogen werden. Es gibt zwar das Schutzgut Boden, doch grau ist alle Theorie. Zweitens müssen Bäume gefällt werden, wodurch sich die Klimabilanz in der Gemeinde noch weiter verschlechtert. Drittens wird das Verkehrschaos weiter verschärft, wenn rund 1.000 Fahrzeuge täglich oft zweimal die Lindenberger Straße benutzen, die heute die Anwohner mit Lärm und Feinstaub schon ebenso belastet, wie die Anlieger der Dorfstraße. Ich erinnere mich noch gut daran, wie auch Gemeindevertreterin Emmrich in Eiche, ihrem Wohnort, eine verkehrsberuhigte Gartenstadt abgelehnt hatte, weil dadurch die dörfliche Idylle gestört würde. 

Viertens war das künftige Baugelände lange Zeit eine Brache, auf der sich geschützte Pflanzen und Tiere angesiedelt hatten. Sie werden nun größtenteils vernichtet, ihre Umsiedlung ist von Fachleuten umstritten. Bei den Zauneidechsen am Sportplatz und den Feldlerchen bei Bonava an der Kirschenallee war das Ergebnis jedenfalls bisher negativ. Und fünftens ist fraglich, ob Zuzug überhaupt notwendig wäre, der Genossin Emmrich frisch, fröhlich, frei das Wort redet. 

Da schreibt die Autorin doch, ohne dass ihr der Stift aus der Hand fällt, dass besonders junge Familien so eine Chance auf Wohnraum bekämen. Die aber können sich die Ahrensfelder Mieten und schon gar nicht Eigentum bei den Bodenrichtwerten im Speckgürtel leisten. Und die angeführten älteren Bürger, denen die großen Häuser und Gärten allein zur Last wurden?
Ich hatte ja einmal den Vorschlag unterbreitet, dass die Gemeinde diese Häuser kauft, sie durch die Wohnungsbaugesellschaft Werneuchen renovieren lässt und sie an junge Familien zu sozial verträglichen Preisen vermietet oder verkauft. Vom Erlös könnten sich die alleinstehenden Senioren locker eine altersgerechte, moderne Eigentumswohnung entweder im betreuten Wohnen oder aber in neu zu errichtende Lückenbauten in den Ortsteilen leisten. Dort, wo sie soziale Kontakte haben. Nicht ein Baum müsste gefällt, nicht ein Quadratmeter müsste zubetoniert werden. Aber dieser Vorschlag stieß auf taube Ohren. Ja, die Mutter der Dummheit ist eben immer schwanger.

Am Montag hat der Ortsbeirat Ahrensfelde die EKBO-Siedlung, wie nicht anders zu erwarten und vom anwesenden Bürgermeister sicher zufrieden registriert, jedenfalls hat er fleißig irgend etwas geschrieben, auf den Weg gebracht. Ja, auch wenn oft nur mit einer Stimme Mehrheit, so dass die EKBO-Siedlung trotz heftigem Widerstand der Anwohner in der Gemeindevertretung beschlossen wird. Darauf wette ich einen Kasten Bier und einen Zentner Bratkartoffeln. Bleibt die Frage offen, warum die Mitglieder des Ortsbeirates Ahrensfelde weiter daran unverständlicher Weise arbeiten, selbst den Nimbus als Vertreter der Ahrensfelder Einwohnerschaft weiter zu beschädigen? Mit ihrer Abstimmung, das kreidete ich ihnen in der Beratung unter anderem auch an, haben sie der Bürgerbeteiligung und dem Respekt vor dem Bürgerwillen den Gnadenschuss gegeben. Das ist nicht nur meine Meinung, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos. Autor, Cartoon, HBS