Wann beantragt Ahrensfelde das Stadtrecht oder die Hochzeit mit Berlin?

Das ist ironisch gemeint? Na ja, ein Körnchen Wahrheit befindet sich auch darin. Modelle gehen davon aus, dass Ahrensfelde, wegen seiner Lage im Speckgürtel von Berlin, ein interessanter Zuzugsort wäre. Auf jeden Fall zur Nähe der Hauptstadt, aber damit hätte es sich auch schon. Denn was geben die Berliner auf, wenn sie nach Ahrensfelde ziehen? Das wiegt schwer und ich weiß nicht, ob jeder Umzug einen gründlichen Faktencheck unterzogen wurde. Heute hat Ahrensfelde nach meiner letzten Nachfrage an Bürgermeister Gehrke in der Dezemberberatung der Gemeindevertretung 14.600 Einwohner. KI-Modelle gehen von bis zu 18.000 und 20.000 aus.

Gut, aber dieses Modell setzt voraus, dass dafür die Infrastruktur ausreicht und hier die Umwelt noch sauber und intakt ist. Und da irrt sich die PC-Intelligenz. Durch die Besiedelung, die längst noch nicht abgeschlossen ist, steigt die private Mobilität, denn zukunftsgerechte und anspruchsvolle Arbeitsplätze sind rar. Also auf nach Berlin, dem versucht wurde, zu entfliehen. Über Theater und Konzerte brauchen wir nicht reden, Freizeitstätten für Jugendliche und erst recht für Erwachsene sind Fehlanzeige. Die medizinischer Versorgung ist im Vergleich zu Berlin ein Desaster und die Preise für Immobilien sind kaum von Normalverdienern und schon gar nicht von jungen Familien zu stemmen. Und dennoch wird gebaut und damit zerstören wir, also dank unserer Gemeindevertretung das letzte bisschen Dorf, ländlichen Charakter und dörfliche Tradition in unseren Ortsteilen. Na das ist doch was, oder?

Die Infrastruktur, also Kita, Schulen auch weiterführende ist ein Plus. Hier wurde viel Geld investiert. Auch Vereine gibt es, ob als Schütze, Hundeliebhaber oder Fußballtalent. Das spricht für Ahrensfelde. Aber reicht das? Was hätte Ahrensfelde davon, Stadt vor den Toren Berlins zu werden oder sogar ein Stadtteil von Berlin? Leute, ich weiß es nicht. Aber eins ist klar, für die Einwohner von Ahrensfelde ist das völlig egal. Das eine wie das andere bedeutet nicht die Verbesserung der Lebensqualität, geschweige denn eine bessere  Mitsprache der Bürger bei Entscheidungen über die Zukunft ihres Ortes. 
Berlin ist Bankrott, finanziell auf Bayernspenden angewiesen im Länderausgleich. Berlin ist der Hotspot der Drogenszenerie und der Geschlechtskrankheiten, dreckig und mit clanregierten Gegenden, in denen sich die Polizei nur am Tage in Zehnerstärk traut. Das Straßensystem ist marode und der Regierende Bürgermeister spielt Tennis, wenn die Energieversorgung in die Luft gejagt wird. Da scheint doch Ahrensfelde das Paradies zu sein. 

Eine angenommene Eingliederung in die Hauptstadt erinnert mich, ich weiß nicht warum, an das Gemälde von Wassili Pukirew "Die ungleiche Ehe", dass er 1862 malte. Auf dem ein alter vertrottelter, offensichtlich reicher Mann eine blutjunge Braut aus sehr armen Verhältnissen ehelicht. Nun vorerst ist ja von einem Bund fürs Leben mit der Hauptstadt und seine Politikerschwemme keine Rede. Aber warum schwafelt Bürgermeister Gehrke immer vom Wohnraumbedarf für Ahrensfelder und vor allem vom Zuzugsdruck aus Berlin? Will er etwa seinen Parteifreunden der CDU, die seit Jahrzehnten eine desaströse Wohnungspolitik mit Schiebereien und Korruption betrieben und heute Sozialwohnungen abbauen, aber Luxusquartiere errichten lassen, hilfreich unter die Arme greifen? Und wenn ja, warum?

Neubeuten in Berlin mit Lift und Stellplatz für die Luxuslimousine

Es liegt doch auf der Hand, mit Jedem, der hier her zieht, verschlechtert sich die Umweltbilanz für alle Ahrensfelder, wird Ackerland vernichtet, müssen Bäume sterben, werden Habitate von geschützten Pflanzen und Tieren vernichtet, also diese Umwelt, die ja ein Hauptgrund für die Überlegung war, nach Ahrensfelde zu ziehen. Wer den Schritt wagt, beraubt sich selbst der Gründe, die für seinen Umzug entscheidend waren. Ist das nicht verrückt? Nein, es ist folgerichtig. Und was gewänne Ahrensfelde, wenn es von Berlin verschluckt wird? Na Flair unserer Hauptstadt: Schulden, Dreck, Kriminalität, Drogen- und Migrationsprobleme, Bandenclans, extreme Linke Terroristen, die schon einmal ganze Bezirke durch Anschläge auf Tage im Dunkeln sitzen lassen sowie noch Wohnungsnot. 

Ja, was kann der Teufel alles anrichten, wenn Gott schläft. Also hoffen wir, dass Ahrensfelde nicht nur bleibt wie es ist, die erste Gemeinde vor Berlin, fünf Dörfer in der Barnimer Provinz im Land Brandenburg, sondern in der Zukunft mit einer klugen Politik der Gemeindevertretung vitaler, bürgerfreundlicher, lebens- und liebenswerter wird. Das wünsche bestimmt nicht nur ich mir, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Archiv Hartmut Moreike,  Zeitgeschehen

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