Ahrensfelde feiert den Tag seiner Befreiung, oder auch nicht?
Und sie hatten offensichtlich ein Herz für uns Kinder und sangen schwermütige Lieder über ihre Heimat, die sie seit Jahren nicht gesehen und für die sie in den Krieg ziehen mussten. Ja mussten. Und das kam mir in den Sinn an diesem denkwürdigen Tag, da unsere Politiker, fast aller Colour, uns wieder gegen die Enkel dieser Soldaten, von denen einige in den letzten Tagen des Krieges hier in der Umgebung ihr Leben für unsere Freiheit und Zukunft gelassen haben, zum Krieg rüsten wollen. Der Feind steht im Osten, auf immer und ewig ist es Russland meint CDU-Außenminister Wadephul, für den an Diplomatie offensichtlich nicht viel gelegen scheint. Kriegstüchtigkeit heißt das Wort der Stunde, so SPD-Verteidigungsminister Pistorius. Von Strack-Zimmermann, Hofreiter und Röttgen ganz zu schweigen.
Und was hat das mit Ahrensfelde zu tun? Vielleicht alles. Schließlich hat die AfD bei der Kommunalwahl bei uns die meisten Stimmen bekommen. Wer also wird am 21. April Blumen am Obelisk mit dem roten Stern in der Lindenberger Straße niederlegen? Ja wer?
Ich habe selbst die Uniform getragen, allerdings in Sanitätsdienst, um im Ernstfall nicht töten zu müssen, sondern heilen zu können, soweit das überhaupt noch möglich ist. Und angesichts der neuen Wehrgesetze, dem Ruf nach Pflicht für Reserveübungen und der Verpflichtung der Abmeldung bei längeren Auslandsreisen (vorerst zurückgestellt), da frage ich mich, darf ein humanistischer Staat das Recht haben, einen Menschen dazu zu zwingen, einen anderen Menschen zu töten? Meine humanistische Erziehung und Weltanschauung ist klar: Kein Staat darf einen anderen Menschen in eine Situation bringen, in der er gezwungen ist, zu töten und sich selbst töten zu lassen. Beides passiert in einem Krieg. Beides ist barbarisch. Beides ist unmenschlich. Und genau das kann in letzter Konsequenz passieren, wenn ein Staat Bürger gegen ihren Willen mit der Waffe in der Hand in den Krieg schickt.
Russland versichert, keinen Staat der EU und auch nicht Deutschland anzugreifen, selbst mit völkerrechtlich verbindlichen Verträgen. Wenn das kein Propagandatrick ist und so sein sollte, wozu rüsten wir zur stärksten Militärmacht Europas auf Kosten unseres Sozialsystems? Ich kenne viele Russen aus meinen Reisen quer durch dieses unermessliche Russland. Kein Russe, jedenfalls die ich kennenlernte, trägt uns nach, dass Deutsche 27 Millionen ihren Landsleute zum Teil auf grausamste Weise im II. Weltkrieg getötet haben, in dem sie viele Angehörige ihrer Familien verloren. Und in Russland gibt es keine Germanophobie, obwohl Russophobie bei uns zum schlechten und schrillen Ton im Alltag von Politik und Medien gehört.
Von Scham und Schuld weit entfernt, werden Menschen mit klarem Verstand und Leute, die das Grundgesetz als Lebensmaxime ernst nehmen, bei uns verspottet, verächtlich gemacht, in die rechte Ecke gestellt und sogar verfolgt, weil sie nicht in die Schublade öffentlicher Propaganda passen. Aber heißt es nicht: "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen..." Und wer zum Krieg rüstet, trifft den nicht die volle Härte des Gesetzes, wie es im Grundgesetz festgehalten ist? "Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen."
Was nützt es, das Grundgesetz in seinen Jubiläen mit Glanz und Glorie zu feiern, wenn sonst im Alltag darauf gepfiffen wird? Übrigens, warum gibt es denn noch keine neue Verfassung, die unser wiedervereinigtes Volk frei entscheidet, wie es der Artikel 146 des Grundgesetze fordert?
Ich gehöre wohl zu den gutgläubigen wie naiven Leuten, die inbrünstig hoffen, dass irgendwann, ich werde es nicht mehr erleben, Politiker unser Land führen werden, die an das glauben und sich so verhalten, wie sie auf das Grundgesetz ihren Amtseid schwören, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor 2, Archiv Wochenpost, Archiv ZfpB
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