Ein rabenschwarzer Tag für die Achtung vor den Bürgern - die Gemeindevertretung Ahrensfelde im April

Nein, das ist nicht übertrieben, denn das war die Beratung der Gemeindevertretung im April auf jeden Fall. Und es war auch für das Ansehen des Bürgermeisters und von Gemeindevertretern keine Glanznummer. Aber zuerst das einzige Positive und zwar für mich. Den Zentner Bratkartoffeln und den Kasten Bier habe ich gewonnen, denn die Gemeindevertreter oder die sich dafür halten, haben, wie ich gewettet hatte, das Bauprojekt der evangelischen Kirche (EKBO) mit großer Mehrheit in namentlicher Abstimmung auf den Weg gebracht. Und das ist zugleich die schlechte Nachricht. Daran konnten auch die begründeten Argumente und Bedenken besorgter Bürger in der Fragestunde der Einwohner nichts ändern. Wie denn auch, denn die Mehrheit der Gemeindevertreter hörten den Bürgern, wie ich beobachten konnte, nicht einmal zu. So viel zur Achtung vor dem Souverän in unserer Gemeinde. Ich frage mich jedes Mal von neuem, für wen halten sich viele Gemeindevertreter?

Also beschlossen! Und das, obwohl den Gemeindevertretern Unterlagen eines Vertrages zum Baugebiet der evangelischen Kirche entlang der Lindenberger Straße vorlagen, die sie beschließen sollten, die aber in Teilen geschwärzte Passage enthielten. Mit anderen Worten, die Vertreter der Bürger sollten für etwas stimmen oder auch nicht, was sie nicht kannten. Unglaublich, aber wahr. Oder wie mein Enkel sagen würde, voll krass, Alter. Auch wurden Passagen der Abwägung der Unteren Naturschutzbehörde willkürlich von der Verwaltung einfach nicht angeführt, willkürlich oder gezielt aus der Stellungnahme entfernt. Ein Glanzpunkt der Demokratie. 

Dass das nur Frau Ulrich (BfA) und Frau Nitsch (AfD) auffiel, ist das nicht bezeichnend für das Niveau der Gemeindevertreter und der Bearbeitung ihrer Unterlagen vor der Beratung? Nicht so für Frau Tietz vom Bürgerverein Eiche, die doch tatsächlich mit schlafenden Synapsen zum Besten gab, dass jeder ja in die Verwaltung gehen könnte, um den Klartext zu lesen. In ihren zwölf Jahren, die sie schon in der Gemeindevertretung mal mehr mal weniger aktiv sitzt, hat sie vielleicht oder ganz sicher noch nicht begriffen, was der Verwaltung und was der Gemeindevertretung zukommt.


Einen Vogel schoss Frau Hübner (CDU) in der Beratung ab. Die Vorsitzende des Hauptausschusses verstieg sich doch glatt zu der Eloge, dass die EKBO-Siedlung ein "Juwel" der Planung für Ahrensfelde sei. Ich fiel beinahe vom Stuhl. Dass erstens ein Biotop mit seltenen, europaweit geschützten Pflanzen und Tieren vernichtet wird, nimmt sie also billigend in Kauf. Dass es zweitens keinesfalls eine architektonische Glanzleistung unserer Tage sein dürfte, im dörflichen Umfeld vierstöckige Gebäude zu errichten, hätte ihr Frau Formazin, Architektin und Gemeindevertreterin flüstern können. Auch dass die Fenster der künftigen Anwohner nachts bitte geschlossen zu halten sind, um die Werte des Lärmschutzgutachtens zu erreichen, scheint drittens dem Juwel nicht zu schaden. Und auch wenn viertens landwirtschaftliche Fläche betoniert und Wald vernichtet wird. Gegen dieses Bauprojekt gibt es zudem Proteste von Land- und Forstwirtschaft und von Einwohnern. Und dass fünftens die Infrastruktur der Gemeinde schon jetzt ohne zusätzlichen zu erwartenden Verkehr von täglich etwa 1.000 Fahrzeugen an  ihre Grenzen stößt, Lärm und Feinstaub die Lebensqualität vieler Ahrensfelder beeinträchtigt, ist ihr offensichtlich egal.

Und ein weiterer Höhepunkt war die Einlassung des Bürgermeisters, der in diesen Tagen gerade 65 Jahre alt geworden ist. Herr Gehrke sagte doch dem Sinn nach tatsächlich, dass man den Anwohnern im neuen Wohngebiet eine Sporthalle neben dem Gymnasium wegen der Lärmbelästigung nicht zumuten könne. Aber den tumben Anwohnern des Wohnparks Goethestraße und der Fichtestraße schon, was uns faktisch zu Einwohnern zweiter Klasse degradiert. Ich dachte, Sprache sei vorrangig nicht zum Schreiben, sondern vor allem zum Denken da. Wohl nicht immer und überall. Aber da gehen die Meinungen meilenweit auseinander, wie auch Herr Gehrke zu sagen pflegt, wenn ihm mir gegenüber die Argumente ausgehen: "Sie haben ihre Meinung und ich meine!"

Warum die Sporthalle nicht neben dem Gymnasium gebaut wird, obwohl dort Platz wäre, habe etwas mit Synergieeffekten zu tun. Anders gesagt, sie ist ein Geschenk für den ohnehin großzügig gepäppelten Verein Grün-Weiß Ahrensfelde. Diesen Sportlern ist nicht zuzumuten, rechts statt links in die Ulmenallee einzubiegen. Den Gymnasiasten aber einen Fußmarsch von rund 850 Metern, wodurch der Sportunterricht, wenn er nicht ausfallen muss, nicht nur sinnlos verkürzt wird und Pausenzeiten entfallen, sondern zugleich die Schulwegsicherung über eine der meist befahrenen Straßen, der Verkehr verschärft sich durch die geplante EKBO-Siedlung weiter, problematisch ist. Aber auch der wohl künftige Schulleiter des Gymnasiums, Herr Saremba, für die CDU in der Gemeindevertretung, stimmte diesem Wahnwitz zu. Bekundet man so die besondere Eignung für den Beruf des Pädagogen? 

Bürgermeister Gehrke, der Mann, der vorgibt eigentlich der Vertreter aller und jedes einzelnen Bürgers zu sein, übernahm dann als gehorsamer Christ auch noch den großzügigen Hinweis des evangelischen Kirchenpräsidiums, dass uns Ahrensfeldern ja der Ostkirchhof kostenfrei als Naherholungsgebiet offen stünde. Ist das nicht Störung der Totenruhe, Picknick zwischen den Gräbern? Halleluja!

Im Beschlussantrag wird darauf verwiesen, dass das Gymnasium zwingend erforderlich ist. Da gibt es gehörige Zweifel bei dem Geburten- und Bevölkerungsrückgang in Brandenburg. Noch einmal, nichts ist alternativlos! Die Ahrensfelder und auch die Blumberger haben demokratisch mit kleiner aber feiner Mehrheit gegen die EKBO-Siedlung gestimmt, auch wenn sie in den sauren Apfel beißen müssten, dass die evangelische Kirche kein Gelände für ein Gymnasium verkauft. Nun hat der Kuhhandel ja stattgefunden. Und die Gemeindevertretung hat der Siedlung von 1.800 Neu-Ahrensfeldern, die unserer Infrastruktur vor allem im Verkehr den Gnadenschuss gibt, jetzt mit großer Mehrheit zugestimmt. Das ist, das kann gedreht werden wie man will, ein Tiefpunkt der Achtung vor dem Bürgerwillen und ihrer Beteiligung an demokratischen Prozessen in Ahrensfelde, und diese Tatsache ist nicht zu widerlegen. 

Werte Gemeindevertreter, wir Bürger wollen ja nicht die erste Geige spielen, aber wenigstens nicht im Zuschauerraum auf den schlechten Plätzen platziert sein, sondern mit im Orchester sitzen und wenn es nur mit der Triangel ist. Das, liebe Leute, ist nicht nur meine Meinung, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.  

Fotos: Autor, Badische Zeitung, Unterlagen der Gemeindevertretung Ahrensfelde

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P.S

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