Ist die Politik gegenüber Russland kurzsichtig? Das frage ich naiv zum Tag der Befreiung
Und drittens könnten ein paar dutzend Slawisten und realistische Außenpolitiker besser als ich, wenn sie wollten und sich trauten, wesentlich faktenreicher darlegen, warum es geopolitisch sinnvoller wäre, zu Willy Brandt zurückzukehren.

Nun aber zu den realen Fakten, die auf der Hand liegen und keinen Check der Wahrheit benötigen, ja, die jedem klar denkendem Menschen, unabhängig von dem recht durchsichtigem Propaganda-Gequatsche unserer Politiker, einleuchten müssten:
1. Hat die Sowjetunion, also das heutige Russland uns nicht nur vom Faschismus befreit, sondern auch die deutsche Einheit ermöglicht. Deshalb wundere ich mich über solche Äußerungen von Außenminister Wadephul, dem Träger des Verdienstordens II. Klasse der Ukraine, dass Russland für immer unser Feind sei. Wen meinst er mit uns? Die CDU? Die Regierung? Für mich ich und einen großen Teil der noch nicht durch Propaganda vernebelten Deutschen spricht er nicht.
2. Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Russland ist das rohstoffreichste Land der Erde, nicht nur reich an Gas und Erdöl, sondern auch an seltenen Erden, an Erzen, Kohle, Holz der unermesslich großen Taiga, auch Gold und Diamanten. Die Bodenschätze Sibiriens sind längst nicht alle erforscht und schon gar nicht ausgebeutet. Hier könnte Deutschland sinnvoll und profitträchtig im Abbau und Import investieren.
Übrigens müssen Experten, sachlich feststellen, dass die Sowjetunion und auch ihr Nachfolger Russland alle Verträge hinsichtlich der Lieferung von Öl und Gas strikt eingehalten haben. Die Sanktionen und der Verzicht auf russisches Gas und Öl haben unsere Energie für die Chemie- und metallurgische Industrie verteuert und ihre Wettbewerbsfähigkeit erschwert. Durch den Nahost-Konflikt wird die Situation verschärft. Wo bleiben da unsere Wirtschaftsweisen?
3. Deutschland ist Exportland und Russland ist ein riesiger und ungesättigter Markt. Besonders was unseren Maschinen- und Anlagenbau betrifft. Natürlich auch Autos und Haushaltsgeräte, die wegen des hohen qualitativen Standards von der russischen Bevölkerung geschätzt werden. China ist nun in diese Lücke gestoßen, die sich seit der russischen Militäroperation in der Ukraine aufgetan hat.
4. Die wirtschaftliche Verflechtung, das hat Brandt im Gegenteil zu Adenauer erkannt, der die Politik der Stärke und Abgrenzung verfolgte, wirkt auch stabilisierend auf die politischen Beziehungen. Durch Handel, wissenschaftlichen und kulturellen Austausch könnten auch in Russland demokratische Wandlungen erreicht werden, Schritt für Schritt.
5. Schließlich bringt die Sanktionspolitik, mit der die EU Völkerrecht bricht und die Russland gezwungen hat, eine eigene Leicht- und Lebensmittelindustrie mit Erfolg aufzubauen, sanktionierte Erzeugnisse selbst herzustellen, die zu einem wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt haben, weitere Nachteile für Deutschland. Naivlinge glauben noch, dass in unserer Regierung die besten Köpfe versammelt wären. Anlässlich des Wirtschaftskrieges frage ich mich bei so manchen ihrer Entscheidungen auch der EU-Spitze, ob der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung sei.
6. Als Exportland spielt für uns der Transport eine wichtige Rolle. Die Schiffahrtsroute* nach Asien durch das nördliche Eismeer ist bedeutend kürzer und kostengünstiger als die Fahrt durch den Suezkanal. Russlands Atomeisbrecher können Schiffskonvois nach Asien geleiten.
Der Atomeisbrecher "Sibir" ist 2017 vom Stapel gelaufen und gehört zu den modernsten seiner Klasse. Er wird von 2 Reaktoren mit je 170 MW angetrieben und kann bis zu drei Meter starkes Eis durchbrechen
Mein Fazit: Deshalb sollten unsere Politiker alles unternehmen, dass der Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich beendet wird, und zwar durch Diplomatie, weil der Konflikt, so scheint es, militärisch nicht zu lösen ist. Bundeskanzler Merz betonte vor der IHK in Dessau: "Russland ist ein europäisches Land –, wenn Frieden herrscht, wenn Freiheit gewährleistet ist, wenn uns das alles gelingt...dann hat diese Europäische Union, dann haben wir auch in der Bundesrepublik Deutschland eine weitere Bewährungsprobe bestanden, und dann können wir auch über das Jahr 2026 hinaus mit großer Zuversicht nach vorn blicken." Da ist er anderer Meinung als SPD-Bundespräsident Steinmeier, der meinte, sagen zu müssen: "Kurz gesagt, Europa muss heute seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren."
Warum also sollten unsere Politiker nicht zur Einsicht kommen und ihren Einfluss in der Ukraine und in Partnerschaft mit den USA, in Verhandlungen auch mit Russland diplomatisch dem Krieg in der Ukraine schon allein aus egoistischen Vernunftgründen ein Ende zu setzen? Um dann, wie Bundeskanzler Merz in Aussicht stellte, mit Russland wieder normale Beziehungen aufzubauen, auch wenn das schwer fällt. Und nein, Russland ist nicht unser Feind, das sage ich wissend und überzeugt, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Archiv Hartmut Moreike, Zeitgeschehen, TASS
P.S. *Schiffahrt - Das sieht der Duden zwar anders mit 3 fff, aber die Verhunzung und Verballhornung der deutschen Sprache, jeden Unsinn, muss man ja nicht mitmachen wie auch das Gendern oder das Schreiben wie Hören.
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