Jenseits von Kahnfahrten und sauren Gurken - Bürgerprotest im Spreewald

Die Spreewälder sind zurückhaltende, aber freundliche und naturverbundene Leute. Sie leben nicht nur von sauren Gurken und Meerrettich, sondern viele von ihnen vom Tourismus. Und der wiederum von der einzigartigen Landschaft, dem UNESCO-Biosphärenreservat. Diese geschützte Auenlandschaft hat ein Netz von ungezählten Fließen um die Spree und erstreckt sich über 970 Kilometer. Entstanden aus eiszeitlichen Schmelzwasserrinnen, bietet dieses Binnendelta eine naturnahe Idylle für Kahnfahrten, Paddeltouren und Radwegen zu kleinen Siedlungen oder nur mit Kähnen erreichbaren, verstreuten Gehöften  auf Sandinseln, Leipe, Lehde oder Kaupen in sorbischer Tradition.

Und nun gibt es Aufruhr zwischen Lübben und Lübbenau. Die Ausflügler auf den Kähnen lesen unterwegs mitten im Wald immer wieder für sie unverständliche Losungen wie "SpreeWald statt Wildnis!"  Der Grund, die Landesregierung von Brandenburg will 450 Hektar, immerhin 10 Prozent des 350 Jahre alten Kulturwaldes des Ober- und Unterspreewaldes zur Wildnis machen, also jede Bewirtschaftung, auch aus Kostengründen einstellen. Die Politik in Potsdam beruft sich auf die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" der Bundesregierung, wonach zwei (2) Prozent der Landesfläche zur Wildnis erklärt werden müssen. Warum ausgerechnet im Spreewald, wo es dort schon um die 500 Hektar Wildniswald gibt, erschließt sich den Bewohnern und mir nicht.

Bereits jetzt gäbe es in den vorhandenen Schutzgebieten im Spreewald keinen intakten Hochwald mehr. Die Verbuschung nimmt überhand durch ein massives Erlensterben und den Rest erledigt der Biber. Durch vernachlässigte Gewässerpflege in den Schutzgebieten des Bio-Reservates und den Verbot der Wiederaufforstung ist der Hochwald stark vom Aussterben bedroht. Hinzu kommt, dass durch natürliche Aussaat dieser Prozess nicht gestoppt werden kann. Nachweislich sei, dass ein intakter und bewirtschafteter Wald im Klimawandel mehr verträgt und nützt für das Mikroklima, als Wildnisflächen, so eine Bürgerinitiative. "Der Hochwald braucht unsere Hand, um zu überleben".

Ja, auch der Hochwald gehört zu zum Spreewald und ich bin überzeugt, es gibt genug Waldflächen in der märkischen Streusandbüchse Brandenburg, die sich selbst überlassen werden können, wo dann die Natur ihren Lauf nimmt. Ganz abgesehen davon, glaube ich, dass es bestimmt schon über zwei Prozent Wildnis gibt, wenn ich nur an das Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin mit seinen 590 Hektar Urwald denke. Ich befürchte, da wollen die Politiker um Herrn Woidke (SPD) wieder Klassenbeste der Bundesrepublik sein, so wie bei den Windkraftanlagen. In Brandenburg stehen zur Zeit 4.163 Windräder.  Im viel größeren Bayern nur 1.170, im grünen  Baden-Württemberg lediglich 800, 1.197 in Hessen und in Rheinland-Pfalz auch nur 1.783 Windkraftanlagen. Niemand verspargelt seine idyllischen Landschaften so wie wir.

Ich bin kein Forstexperte, obwohl ich in ganz jungen Jahren einmal Förster und nicht Lokomotivführer werden wollte. Fakt aber ist: Der Hochwald im Spreewald ist durch die Kombination aus klimabedingter Trockenheit, dem Ende der bergbaubedingten Wasserzufuhr und der Einstellung der forstwirtschaftlichen Nutzung in seiner Einzigartigkeit als alte Erlenwald-Kulturlandschaft bedroht. Ich hoffe doch sehr, dass über die Spreewälder Bürgerinitiative "SpreeWald statt Wildnis!" durch die Fährleute informiert wird und so auch Verständnis und Unterstützung von den tausenden und abertausenden Touristen erfährt, ich bin jedenfalls mit diesem Beitrag dabei, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor (3) Dörte Ziemer

P.S. Und was hat das mit Ahrensfelde zu tun? Ich bin eben gern im Spreewald so wie er ist. Und ich wette, ich bin nicht der einzige Ahrensfelder.  

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