Neues aus der Provinz: Sind wir die Kaputtmacher der Umwelt? - Es scheint so!

 

Na ja, der evangelische Kirche, die die EKBO-Siedlung entlang der Lindenberger Straße bauen wird, können wir es nicht in die Schuhe schieben. Unsere Gemeindevertretung hat letztendlich den Bauplan beschlossen, das "Juwel" der Planung. Ich hätte mich totlachen können über den Vergleich mit einem Edelstein, wenn es nicht so traurig wäre. Natürlich müssen Kompromisse und Abwägungen geschlossen werden. Keine leichte Aufgabe. Aber deshalb muss doch nicht mit dem Bulldozer in ein einzigartiges Habitat gerammelt und Sägekommandos in das Wäldchen losgeschickt werden. Was da an geschützten Pflanzen und Tieren kaputt und plattgemacht wird, lässt doch die Frage zu, nein erzwingt sie geradezu, ob dieses Bauprojekt der Mühe wert ist oder überhaupt beschlossen werden durfte.
Apropos durfte, die naturrechtlichen Ausgleichmaßnahmen erscheinen mir dürftig wenn nicht unsinnig, wenn ich allein an die Umsiedlung der Feldlerchen bei der Bonanva-Siedlung denke und die bedauernswerten Zauneidechsen, die vom Sportplatz der Zukunft weggefangen wurden. Beim Monitoring, also der Kontrolle, wie denn die Zwangsumgesiedelten ihr neues, zugeteiltes Reservat angenommen haben, gab es ein sehr trauriges Bild. Keine einzige Zauneidechse wurde von Fachleuten dort entdeckt, wo sie hingefangen wurden. Herpetologen zweifeln ohnehin seit Jahren die Sinnhaftigkeit der Umsiedlung von diesen so streng geschützten Reptilien an.

Eine Zauneidechse, die durch einen Fangversuch ihren Schwanz abgeworfen hat. Das macht Umsiedlungsversuche fraglich. Tötungen und Verletzungen der stark geschützten sind Tiere strafbar
Aber bei den Feldlerchen? Ja da sieht es auch nicht viel besser aus. Von den sieben Brutpaaren war nur noch ein einziges nahe der zugewiesenen Brache zu entdecken. Ja fragt denn irgendein Gemeindevertreter danach, was aus ihren Beschlüssen in der Frage der Ausgleichmaßnahmen geworden ist? Richtig, das interessiert sie bisher jedenfalls einen feuchten Kehricht. Ja, das sind harte Worte, aber es geht ja hier auch nicht um lästige Stubenfliegen, die ja auch Geschöpfe Gottes sind. Dieses nur, weil es sich um eine Ansiedlung der Kirche handelt. Deshalb gestattet sich ein sanfter Atheist die Frage aus der Genesis 37-38, dürfen Pflanzen und die Tiere der Welt ohne Rücksicht auf sittliche Forderungen genutzt werden? Die Herrschaft über die belebte und die unbelebte Natur, die der Schöpfer dem Menschen übertragen hat, ist nicht absolut; sie wird gemessen an der Sorge um die Lebensqualität des Nächsten, wozu auch die künftigen Generationen zählen; sie verlangt Ehrfurcht vor der Unversehrtheit der Schöpfung.

Und jeder, auch jeder Gemeindevertreter der wollte, konnte im Umweltbericht nun lesen, was in dem lange stillen und von Menschen unberührten Habitat fleucht und kreucht. Auf der Roten Liste stehen die Vögel Sperber, Kernbeißer, Grünspecht, Star, Grauschnäpper, Girlitz und Dorngrasmücke. Genauso geschützt sind europaweit die Fledermäuse, die Abendsegler und die  Zwergfledermaus. 

Wenn sie dort auch nicht direkt nisten, so ist das ihre Einflugschneise, die leider bald im Lichterglanz wie eine Landebahn für Flugzeuge erstrahlen wird. Nur Fledermäuse orientieren sich mit Echoortung und Ultraschall und meiden Licht. 

Übrigens ist der Große Abendsegler nicht nur ein Insektenvertilger, sondern im Herbst auch ein ausgezeichneter Sänger. Sein Balzruf, den wir bald nicht mehr hören werden, ähnelt, auch wenn sie nicht so aussehen,  dem Gesang der Nachtigall.

Wer aufmerksam durch unsere märkischen Wälder geht, bemerkt, dass die Ameisenhügel der großen geschützten Roten Waldameisen kaum noch vorhanden sind. Im Baugebiet gibt es drei dieser Ameisenbauten. Die Waldameisen stehen schon seit 200 Jahren aus gutem Grund unter Naturschutz. Weil unsere Vorfahren um den Nutzen dieser Tiere im Ökosystem des Waldes wussten. Sie verbessern den Boden durch ihre Bauten und sind nimmersatte Schädlingsbekämpfer.

Wer meinen Blog liest, weiß, wie ich es bedaure, dass die Umsiedlung der strengstens geschützten Zauneidechsen, so, wie ich vorhergesagt habe, beim Grün-Weiß-Sportplatz nicht gelungen ist. Diese Echsen sind sehr ortstreue Tiere, die sich kaum 20 Meter von ihrem Geburtsort entfernen. Und dann sollen sie kilometerweit umgesetzt werden? Zum Wegfangen bedarf es Ausnahmegenehmigungen, die nur erteilt werden, wenn die Tiere ein für sie annehmbares Habitat vorfinden. Dazu reicht es nicht, ein wenig Sand hinzustreuen, ein paar Steine hinzulegen und Totholz aufeinander zu schichten. Es lässt sich auch kaum vorhersagen, dass sie dort genug Nahrung, Spinnen und Insekten vorfinden. 

Beim letzten Ausweg, dem Abfangen, können die Tiere getötet werden oder sie werfen den Schwanz ab. Laut Naturschutzgesetz dürfen sie aber weder getötet noch verletzt werden. Das ist strafbar. Und deshalb halten nicht nur viele namhafte Herpetologen, sondern auch Naturschützer die Umsiedlung von Zauneidechsen als problematisch, ja zweifeln den Erfolg sogar an. 

Allein der Umgang mit den Zauneidechsen ist exemplarisch für die offensichtliche  Gleichgültigkeit, so empfinde ich es, gegenüber Natur und Umwelt sowohl in dem zuständigen Ausschuss als auch in der Gemeindevertretung. Auch wenn alles, wie der Naturschutzbund bestätigt, gerade noch gesetzeskonform ist, heißt das nicht, dass es ausreicht in Verantwortung für die Zukunft. Die Sorge um eine intakte Umwelt und die geringst möglichen Eingriffe in ihr sollte nun mindestens die gleiche Achtung verdienen, wie private Vorhaben von  Investoren. Das zu ändern, wäre auch Achtung vor der Schöpfung, meine ich sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos; Autor (2), NABU Arciv

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