Der geheim gehaltene Offene Brief aus den USA an Kanzler Merz und eine alte Rede Putins
Ja, schon wieder Politik, die mit Ahrensfelde nichts zu tun hat. Falsch, alles hat mit allem zu tun, denn es geht in diesem Brief um Krieg und Frieden. Und das geht uns doch hoffentlich alle an. Viele sind im Fußballfieber. Aber es gibt noch andere wichtige Ereignisse, die unsere gelenkten Medien regierungstreu und wissentlich verschweigen. Jeffrey Sachs hat an Friedrich Merz einen Brief geschrieben. Zunächst zum Absender des Briefes, denn den Adressaten, Bundeskanzler Merz kennen wir, oder glauben ihn zu kennen. Den Brief kommt von Jeffrey D. Sachs, einem honorigen Professor der Columbia University. Kein Nobody, der sich wichtig machen will, sondern Starökonom, einst als Sonderberater der UN, für den IWF, die Weltbank, die OECD sowie die WTO tätig. Dieser international anerkannte Diplomat fordert mit klugen Argumenten Bundeskanzler Merz auf, sofort eine diplomatische Initiative gegenüber Russland zu ergreifen, um eine weitere Eskalation des Ukrainekriegs bis hin zu einem direkten Krieg zwischen Europa und Russland zu verhindern.
Die Argumente leitet der weltbekannte jüdischer Wissenschaftler aus der Analyse mit Fakten an, die belegen, wie der Westen seit dm 2 Plus 4 Abkommen Russland immer wieder getäuscht, hintergangen und geschlossene Verträge missachtet hat. Der Brief wurde in einem Beitrag auf der Webseite von "anderweltonnline" in vollem Text veröffentlicht und teilweise in der "Berliner Zeitung". Nun wird den gebildeten Bürger klar, warum für die offiziellen und Mainstream-Medien dieser Brief keine Zeile wert war. Ich habe ihn auch auf der kritischen Webseite "NachDenkSeiten" gefunden und will auf einige Gedanken von Sachs eingehen, dessen Brief so beginnt:
"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
als ich Ihnen vor einem halben Jahr einen offenen Brief schrieb, habe ich an Deutschland appelliert, die Diplomatie gegenüber Russland zu suchen, anstatt den Krieg zu normalisieren. Sechs Monate später hat sich die Lage in Europa dramatisch verschlechtert. Europa und Russland schlittern in einen offenen Krieg. In dieser Situation tragen Sie, Herr Bundeskanzler, eine einzigartige Verantwortung. Kein anderer europäischer Staats- und Regierungschef – weder in Paris, noch in Warschau, noch in Rom – verfügt über das Gewicht Deutschlands oder hat die Macht, die Sie persönlich besitzen, diese Katastrophe zu verhindern. Werden Sie sich für den Frieden einsetzen?
Der Weg zur Verteidigung der Ukraine ist nicht die Fortsetzung des Gemetzels, sondern ein Frieden zu Bedingungen, die für alle Parteien akzeptabel sind. Stattdessen droht uns eine Eskalation mit noch mehr Toten, noch mehr Zerstörung und der realen Gefahr eines Krieges, der sich über die Ukraine hinaus ausweitet. Indem Sie immer mehr Waffen, immer größere Kriegskapazitäten und immer lautere Demonstrationen von „Entschlossenheit“ fordern und signalisieren, dass Deutschland sich auf einen Krieg vorbereitet, anstatt an dessen Beendigung zu arbeiten, haben Sie Berlin zum Beschleuniger statt zur Bremse eines europaweiten Krieges gemacht."
Sachs wirft dem Bundeskanzler vor, dass er nicht ein einziges Mal einen diplomatischen Kontakt zu Präsident Putin gesucht hat. Die Antwort kann man sich denken, wenn überhaupt geantwortet wird. Ich will nicht weiter auf den Inhalt eingehen, jeder kluge und halbwegs politisch gebildete Mensch macht sich dazu seine eigenen Gedanken. Nein, auch nicht, warum die "Leitmedien" den Brief nicht zur Kenntnis nehmen, das liegt auf der Hand. Aber, das ändert nichts an der Tatsache, dass der Brief existiert Er ist ein Zeitdokument, ein solches, das von einem besorgten Weltbilder geschrieben wurde und das die Mehrheit der Menschen unterschreiben würden aus Sorge um den Frieden in der Welt.
Ein Zeitdokument hat Jubiläum. Genau vor 25. Jahren hielt Präsident Putins 2001 im Bundestag eine Rede, die vielfachem Beifall, Heiterkeit und mit stehenden Ovationen am Ende aufgenommen wurde. 25 Jahre, das ist eine Generation und eine veränderte Welt. Es war das erste und bisher einzige Mal, dass ein russisches Staatsoberhaupt im Bundestag noch dazu in deutscher Sprache auftrat. Auch hier einige Sätze, die in den Archiven verschwunden sind: "Russland hegte gegenüber Deutschland immer besondere Gefühle. Wir haben Ihr Land immer als ein bedeutendes Zentrum der europäischen und der Weltkultur behandelt, für deren Entwicklung auch Russland viel geleistet hat. Kultur hat nie Grenzen gekannt. Kultur war immer unser gemeinsames Gut und hat die Völker verbunden...Was die europäische Integration betrifft, so unterstützen wir nicht einfach nur diese Prozesse, sondern sehen sie mit Hoffnung. Wir tun das als ein Volk, das gute Lehren aus dem Kalten Krieg und aus der verderblichen Okkupationsideologie gezogen hat. Aber hier - so vermute ich - wäre es angebracht, hinzuzufügen: Auch Europa hat keinen Gewinn aus dieser Spaltung gezogen...
In der heutigen sich schnell ändernden Welt, in der wahrhaft dramatische Wandlungen in Bezug auf die Demographie und ein ungewöhnlich großes Wirtschaftswachstum in einigen Weltregionen zu beobachten sind, ist auch Europa unmittelbar an der Weiterentwicklung des Verhältnisses zu Russland interessiert...ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig nur festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird... Jetzt ist es an der Zeit, daran zu denken, was zu tun ist, damit das einheitliche und sichere Europa zum Vorboten einer einheitlichen und sicheren Welt wird... Russland ist ein freundlich gesinntes europäisches Land. Für unser Land, das ein Jahrhundert der Kriegskatastrophen durchgemacht hat, ist der stabile Frieden auf dem Kontinent das Hauptziel...Wir sprechen von einer Partnerschaft. In Wirklichkeit haben wir aber immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen.
Nur eine umfangreiche und gleichberechtigte gesamteuropäische Zusammenarbeit kann einen qualitativen Fortschritt bei der Lösung solcher Probleme wie Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und vieler anderer bewirken...Die russisch-deutschen Beziehungen sind ebenso alt wie unsere Länder. Die ersten Germanen erschienen Ende des ersten Jahrhunderts in Russland. Am Ende des 19. Jahrhunderts lag die Zahl der Deutschen in Russland an neunter Stelle. Aber nicht nur die Zahl ist wichtig, sondern natürlich auch die Rolle, die diese Menschen in der Landesentwicklung und im deutsch-russischen Verhältnis gespielt haben: Das waren Bauern, Kaufleute, die Intelligenz, das Militär und die Politiker. Zwischen Russland und Amerika liegen Ozeane. Zwischen Russland und Deutschland liegt die große Geschichte.
Das schrieb der deutsche Historiker Michael Stürmer. - Ich möchte dazu feststellen, dass die Geschichte genauso wie die Ozeane nicht nur trennt, sondern auch verbindet...Heutzutage ist Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner Russlands, unser bedeutsamster Gläubiger, einer der Hauptinvestoren und maßgeblicher außenpolitischer Gesprächspartner...Es bleibt noch genug Spielraum für die deutsch-russische Zusammenarbeit. Ich bin überzeugt: Wir schlagen heute eine neue Seite in der Geschichte unserer bilateralen Beziehungen auf und wir leisten damit unseren gemeinsamen Beitrag zum Aufbau des europäischen Hauses."
Nun, die ausgestreckte Hand wurde nicht ergriffen. Heute ist das Verhältnis zwischen unseren beiden Staaten zerrüttet und so schlecht, wie nie in der Geschichte. Es ist an der Zeit, das zu ändern, wünschen sich sehr sehr viele Menschen in unserem Land. Ich natürlich auch, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Zeitgeschehen (4), Bundeswehr
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