Ein Glück - die Gemeindevertretung hat so gut wie nichts Problematisches beschlossen
Denn in den vergangenen Beratungen wurden Beschlüsse gefasst, die das Leben in der Gemeinde nicht gerade besser machen. Es wurde im Mai der Startschuss zum Bauvorhaben der evangelischen Kirche EKBO entlang der Lindenberger Straße gegeben. Für die Glaubensgemeinschaft vielleicht ein Grund zum Feiern, für uns Selters statt Sekt. Land- und Forstwirtschaft protestierten gegen die Versiegelung von Ackerland, gegen Abholzung eines Wäldchens und Umweltverbände gegen die Vernichtung eines Habitats von geschützten Pflanzen und Tieren. Nun, wird dagegen gehalten, dass mit Ausgleichmaßnahmen den Gesetzen Genüge getan wurde. Na, ja. Bisher gingen diese Umsiedlungen und Ausgleichangebote oft in die Hosen, wie Monitorings, also die Nachkontrollen, ergaben.
Aber damit nicht genug. Scheindemokratisch wurde auf Drängen der einzigen Oppositionsfraktion in der Gemeindevertretung eine Umfrage durchgeführt. Es wurde die Errichtung eines Gymnasiums mit dem Bau dieser Wohnsiedlung verknüpft. Kein Ahrensfelder war und ist bei uns gegen ein Gymnasium. Aber viele gegen weiteren Zuzug und Siedlungsbau, die kein Problem der schon arg strapazierten Infrastruktur lösen, aber alle verschärfen. Obwohl sich Bürgermeister Gehrke für die EKBO-Siedlung mächtig im Amtsblatt ins Zeug legte, stimmte die Mehrheit der Ahrensfelder und Blumberger gegen das Bauprojekt, auch wenn es dafür kein Gymnasium gäbe, weil die Kirche den Verkauf einer Fläche davon abhängig gemacht hatte. Und die Gemeindevertreter ignorierten das Votum der Bürger. Nun, es hatte zwar keinen Einfluss auf die Entscheidung nach dem Buchstaben des Gesetzes, aber auf das Vertrauen in unsere Volksvertreter sehr wohl.
48 Prozent der Ahrensfelder, und damit eine knappe Mehrheit, stimmten gegen die EKBO-Siedlung, auch wenn sie dafür auf das Gymnasium verzichten müsstenUnd seit dem verfolgen viele Ahrensfelder, zum Teil über meinen Blog, mit Hoffen und Bangen die Beratungen der Gemeindevertretung und empfinden es als Glücksfall, wenn keine weiteren Projekte beschlossen werden, die das gesellschaftliche wie Umweltklima schädigen. Ist das nicht verrückt? Das sagt viel über den Zustand in der Gemeinde und die Bürgerbeteiligung aus. Denn wie ich betrachten nicht wenige Einwohner die Entwicklung bei uns mit Sorge, weil neben den Belastungen der Berliner Politik, steigende Preise und Beiträge überall, Abbau der Sozialleistungen auch im heimatlichen Umfeld die Lebensqualität durch falsche und nicht oder zu kurz durchdachte Beschlüsse unseres Dorfparlaments schlechter wird. So wächst auch im Kleinen Politikverdrossenheit, Skepsis, gegenüber Verwaltung und Gemeindevertretung, erwächst tiefgehender Vertrauensverlust.
Genau deshalb wirkt das Ergebnis der jüngsten Beratung der Gemeindevertreter auf manchen Ahrensfelder fast wie eine Erleichterung. Nicht weil die Probleme Verkehrschaos, Lärm und Feinstaub, medizinische Unterversorgung, mangelnde anspruchsvolle Arbeitsplätze, fehlende Gastronomie und Freizeiteinrichtungen und unzureichender öffentlicher Nahverkehr durch kluge Ideen verschwunden wären, sondern weil zumindest keine neuen Belastungen beschlossen wurden. Das klingt paradox und ist es auch.
Aber genau darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Abends in der Gemeindevertretung. Nicht die fehlenden Beschlüsse sind bemerkenswert. Bemerkenswert ist, dass viele Bürger darüber nicht enttäuscht, sondern erleichtert sind. Wie auch die oft sehr mager besetzten Stuhlreihen des Publikums sind sie kein Ausdruck von Zufriedenheit, eher ist es vielleicht ein Zeichen von Misstrauen, aber zumindest von Gleichgültigkeit. Und das sollte allen, vor allem den Fraktionen zu denken geben, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Grafik Gemeinde Ahrensfelde
P.S. Dieser kritische Beitrag bedeutet nicht, dass der Beschluss „LebensNetz" nicht sehr wichtig und gut für ein selbstbestimmtes Leben im Alter bei zunehmender Digitalisierung ist. Arzttermine werden zunehmend online vereinbart, Rezepte können digital bestellt werden und auch die Kommunikation mit Verwaltungen, Krankenkassen oder Pflegekassen findet immer häufiger über Apps oder Online-Formulare statt und v.a.m. Auch nicht, dass hier nicht über eine erhebliche und lebensbedrohliche Straftat gegenüber Ahrensfelder Bürgern berichtet wird, über die ausführlich in der Einwohnerfragestunde informiert wurde und in der die Polizei jetzt hoffentlich ergebnisvoll ermittelt.
75.000 Aufrufe erreicht, Dank mit der Bitte, meinem Blog treu zu bleiben und ihn weiter bekannt zu machen.
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