Neues aus der Provinz - Ahrensfelde im Leerlauf?

 

Gut, auch wenn der Hauptausschuss nicht tagt, wird Ahrensfelde nicht untergehen, rebelliert kein Einwohner, verwaltet die Verwaltung, was verwaltet werden muss. Und dennoch frage ich mich, warum der Hauptausschuss, das wichtigste Gremium nach der Gemeindevertretung, in sechs Monaten dreimal ausgefallen ist. Arbeitsverweigerung oder schon Amtsmüdigkeit der Vorsitzenden CDU-Politikerin Hübner? Vielleicht oder auch nicht. Der Finanzausschuss lässt auch alle Fünfe gerade sein. Und auch die Tagesordnungen der Gemeindevertretung zeigen bis auf Beschlüsse zum Siedlungsbau der evangelischen Kirche entlang der Lindenberger Straße und für die Sporthalle des künftigen Gymnasiums und für Grün-Weiß einen gewissen kommunalpolitischen Leerlauf. Es knirscht im Getriebe. Das Reservoir an großen und selbst kleinen Ideen für ein lebens- und liebenswertes Ahrensfelde scheint erschöpft. 

Wenn ich unsere Gemeinde mit einem Auto vergleiche, so läuft er Motor weder rund, noch liegt ein Gang drin und es knirscht im Getriebe. Nehmen wir nur das Beispiel Rathausplatz. Nun, da soll sich etwas bewegen. Ja, ja, das soll es schon seit Jahren und wohin? Die Tristesse scheitert an gewünschten hundert Parkplätzen für Seniorenveranstaltungen zwei Mal im Jahr, obwohl ein Rundkursbus genügen würde. Interessante Ideen und Pläne scheitern am AG Kultur-Weihnachtsmarkt des Herrn Joachim mit einem großen Karussell, mit Feuerwerk und schließlich an dem Leiterwagen der Feuerwehr. Nur ein, wenn auch kleines, aber bezeichnendes Symbol des Stillstands. 

Leerlauf auch beim Konzept des Hitzeschutzes für die Einwohner der Gemeinde, wobei es vor allem um die Aufheizung durch Siedlungsbau geht, der das Mikroklima negativ beeinflusst. Natürlich auch um ganz konkrete, finanziell erschwingliche Maßnahmen zum Schutz der jüngsten und reiferen Ahrensfelder. Meine Petition, mit konkreten Vorschlägen, sogar beschlossen, sollte einfließen in ein Konzept des Kreises Barnim, aber da können wir lange warten. Auch dort nur Leerlauf, was sonst?

Das größte, und da ist die Gemeinde nicht einmal ernsthaft gefragt, ist die Ortsumfahrung. Der immer länger werdende Tausendfüßler an PKW und LKW von und nach Berlin rollt wie eh und je durch die Dorfstraße und nicht einmal das Tempo 30, das auch kaum eingehalten wird, änderte etwas am Dauerstress, am gesundheitsschädlichen Feinstaub und Lärm. 

Hier aber nun eine Einstellung der Planung zu fordern und eine neue Variante, so jedenfalls die Gemeindevertretung, scheint kontraproduktiv. Denn erstens bestimmt der die Musik, der zahlt und zweitens hieße ein wünschenswertes neues Konzept eine Verschiebung auf den St. Nimmerleinstag.

Mit dem Verkehr, vor allem dem sportlichen und Sprit sparenden sowie umweltfreundlichen hat auch das Radwegekonzept zu tun. Da ist vielleicht schon ein erster Gang eingelegt, aber zwischen Blumberg und Bernau ist touristisch vielleicht ebenso interessant wie zwischen Blumberg und Krummensee. Für uns Einwohner aber viel wichtiger wären wenigstens Radwege von Ahrensfelde nach Eiche und Mehrow. Dass die schulwegsicheren Radwege Vorrang haben, ist jedem, der einen Funken Verstand hat, klar. Aber warum denkt denn kein Gemeindevertreter oder die oben im Rathaus an morgen? Leerlauf in den Köpfen?

Ich könnte die die Liste Fortsetzen, etwa mit modernen Formen der direkten Demokratie, wobei Bürgerräte selbst auf Bundesebene heute schon gängige Praxis für kompetente Handlungsinitiativen sind. Aber das wäre für unsere gewählten Vertreter im Gemeindeparlament sicher eine echte Überforderung. Die Kommunalpolitik hierzulande trägt für uns alle zu diesem Gefühl des Leerlaufs bei: Wenig Substanz. Schlagworte statt Lösungen. Fachkompetenz wird durch Schwadronieren ersetzt, Verantwortung durch Zuständigkeitsverwirrung. Manchmal wirkt es, als würde man im Auto sitzen und im sechsten Gang wird noch diskutiert, wer das Lenkrad nun halten soll. Das ergibt das Bild, das wir kennen, das Politikverdrossenheit auch bei uns fördert und auch hier zu Wahlspitzen der AfD beiträgt, was verstörend wirkt. Eine Gemeinde, die sich bewegt, ohne wirklich voranzukommen. 

Leerlauf bei der Ansiedlung umweltfreundlicher Unternehmen der Digitalisierung und KI, bei Plänen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung, eines Natur- und Umweltkonzeptes entsprechend des Achsenentwicklungskonzeptes Ahrensfelde-Werneuchen, Umsetzung des Gedankens lebendige Orte mit eigenem Gesicht und Stärkung der Ortskerne. Der Vertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Werneuchen. Alles Themen und Aufgaben, die interessant, herausfordernd und enorm wichtig sind, quasi auf der Hand liegen. Ja, sie erfordern Arbeit, Ideen, echtes Engagement und Einbeziehung der Bürger. Aber bei uns keine Chance, Leerlauf, geistiger Stillstand. Es ist einfach peinlich.

Ich lade ein, endlich zu beginnen, wirklich voranzukommen für eine liebenswerte, lebenswerte und auf die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft gerüstete Gemeinde, ich bin dabei, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Archiv H.M., Wochenpost, Stadtmagazinverlag



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