Neues aus der Provinz - ein Symposium wie ein schlechter Urania-Vortrag

 

Also meine Geduld und Disziplin wurde auf eine harte Probe gestellt. Ja, weil ich mit großen Erwartungen, wie viele Ahrensfelder auch, zu einem Symposium über 50 Jahre Gartendenkmäler, zu denen der Lenné-Park ohne Zweifel gehört, gekommen war. Aber zuerst das absolut Positive, eine Fotoausstellung von Jochen Wünsche, ein leidenschaftlicher Naturfotograf, der vielen auch als Vater des Schlossparks bekannt ist. Denn es sind fast genau auch 50 Jahre her, dass der diplomierte Gartenbauer den von Lenné einst entworfenen Landschaftspark mit vielen ehrenamtlichen Helfern, zu denen seit 15 Jahren auch die für Umwelt Verantwortliche in der Verwaltung tätige Frau Erbe gehört, in seine Obhut nahm. 

Auch sein  Überblick über das Werden und Wachsen des Parks wäre ein guter Auftakt für ein Symposium gewesen, doch es fehlte einfach an Fachkennern der Materie. Aus Potsdam angereist war zwar die Diplom-Ingenieurin Sarah Wiesner, die in der Landesregierung für Gartendenkmalpflege, Technik- und Industriedenkmalpflege  verantwortlich zeichnet und mit einem Vortrag der Veranstaltung mehr Glanz gegeben hätte, statt nur vorbereitete Fragen zu beantworten. 

Dazu wurde das Podium abgefragt und neben persönlichen Meinungen wurde dargelegt, wie in Bernau oder Hirschfelde mit den vorhandenen Parks umgegangen wird oder was geplant ist. Und zwar in einer Art und Weise, das die wohlwollenen Zuschauer aus der Gemeinde unruhig wurden. Das focht jedoch den Moderator, für das Ehrenamt in Ahrensfelde mehr oder weniger verantwortlich, nicht an, weiter Fragen zu stellen, die in ihrer Komplexität dazu angetan waren, dass das Podium sie nur mit Binsenwahrheiten und Allgemeinplätzen brav reihum beantworten konnten, wie etwa das Thema "Gartendenkmale- parks und Klimawandel." 

Das Kleinod der Gemeinde,  der von Lenné entworfenen Landschaftspark in seiner heutigen Schönheit

Ich kam mir vor, wie in einer misslungenen URANIA-Veranstaltung oder beinahe wie ein Zuschauer in der Talkshow bei Caren Miosga, die schon so konzipiert und durchgestaltet ist, angefangen von den eingeladenen "Experten", dass kein Streitgespräch und kein interessanter, neuer oder gar kritischer Gedanke aufkommen kann. Frau Baumgart, die den Park seit ihrer Diplomarbeit auch schöpferisch begleitet, konnte auch einbringen, dass ein Park vorsichtig so verändert werden kann, dass der Denkmalcharakter das Entscheidende ist. Das sich ein Park durch seine Pflanzen und Tiere verändert, dass er lebt und eine fürsorgliche, verständige Hand braucht, beweist Jochen Wünsche unermüdlich. 

Frau Wiesner, der Lichtblick in der Runde, (Foto links) verwies unter anderem darauf, dass Gartendenkmale erlebbar sein müssen aber auch der Erklärung bedürfen. Darüber habe ich mit Herrn Wünsche gesprochen, dessen Führungen allein sicher dafür nicht ausreichten. Vielleicht, so kamen wir überein, sollte ein Lehrpfad angelegt werden und eine Online-Führung auf der Web-Seite der Gemeinde aufgenommen werden. Ich habe darüber hinaus vorgeschlagen, die Broschüre von Jochen Wünsche "Der lachende Park" von der Gemeinde wieder aufzulegen zu lassen. 

Ich ertrug die Veranstaltung tapfer bis zum Ende, auch wenn mir die schnoddrige Art der Moderation auf die Nerven ging. Die Selbstdarstellung von Bürgermeister Gehrke hatte ich erwartet, der auch für sich damit punkten wollte, dass die Gemeinde bereits in all den Jahren eine Million Euro oder Mark in den Park gesteckt habe. Nun, da erinnere ich mich, dass allein für die Sportplätze von SV Grün-Weiß Ahrensfelde etwa drei Millionen in den letzten Jahren aus dem Gemeindesäckel geflossen sind. Und weitere 4,3 Millionen stehen schon wieder auf dem Wunschzettel des Vereins. 

Der Stein des Abstoßes, des Parkbesuchers erster Blick auf Ahrensfeldes Gartendenkmal in Blumberg

Dass seit Jahrzehnten versprochen wird, die hässliche Baracken an der Dorfseite des Parks abzureißen und dass das immer wieder mit Ausreden verschoben wird, war wieder ein Thema. Und Bürgermeister Gehrke versuchte mit schwachen Argumenten des Katastrophenschutzes zu belegen, warum das immer noch nicht geschehen ist.

Und eine letzte Bemerkung. Der Park böte sich an, dass die Jugend des am Park liegenden Gymnasiums sich im Erhalt und der Pflege engagiert. So jedenfalls die Gäste. Denkste. Es wurde von ihnen mit Befremden aufgenommen, dass Jochen Wünsche, der vielfach ausgezeichnete "Parkvater" bei dem Docemus-Gymnasium auf den Fundamentes des einstigen Schlosses am Park, Hausverbot hat. Das sei, so Wünsche, keine persönliche Angelegenheit. Und da hat er Recht. Denn wie kann es sein, dass ein aktiver und verdienstvoller Blumberger in einer Bildungseinrichtung, die Pächter von Gemeindeland ist, ungerügt einer solchen Maßnahme unterliegen kann. Hier ist der Verpächter, also die Gemeinde und damit die Person des Bürgermeisters gefragt, endlich diesen Zustand zu ändern.

Blick aus dem Park auf das DOCEMUS-Gymnasium

Ja, auch all das spielte eine Rolle auf dem Symposium, und so hatte es am Ende noch einen gewissen  praktischen Sinn. Jochen Wünsche, mit dem ich freundschaftlich verbunden bin, wird vor allem zufrieden sein, dass der Park wenigstens für einige Stunden mehr in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt wurde, sogar bis nach Potsdam. Aber ich glaube, er und der Park hätten Besseres verdient. So sicher mein recht kritischer und einseitiger Eindruck, aber sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor

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