Neues aus der Provinz - Goetheviertel im Dauerlärmstress


Es geht weiter, immer weiter. Jubel, Trubel, Feuerwerk bei Grün-Weiß - was gehen uns die Anwohner an? Es vergehen kaum Tage, da ist, egal ob Ruhezeiten oder sogar Nachtruhe, auf den Grün-Weiß Sportplätzen Remmidemmi. Sonntags sind angeblich keine Trainingszeiten, aber wer bolzt da früh um acht und nach achtzehn Uhr? Und wer feiert bis fast zum Sonnenaufgang und raubt den Anwohnern den Schlaf? Was Sportchef Lachmann versprochen, wird immer wieder gebrochen. Von dem Bestreben, wie die mit dem Verein verbundene und dennoch im Dialog versucht objektive Ortsvorsteherin Frau Karger schreibt, keine Spur: "Der Verein und seine Fußballabteilungen setzen bereits zahlreiche Maßnahmen um und sind an einem guten und respektvollen Miteinander mit den Anwohnern ausdrücklich interessiert." Da möchte ich mit Goethes Faust sagen: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."

Am Wochenende sei das Ordnungsamt nicht besetzt und die Polizei für Anzeigen zuständig. Das wissen doch die Anwohner, keine Frage. Aber sie wissen auch, dass die recht karg besetzten Ordnungshüter in Bernau an den Wochenende Wichtigeres zu tun haben, als etwa einen Gastronomen zum xten Male auf Gesetze und deren Einhaltung hinzuweisen und feucht fröhlich feiernde Fußballenthusiasten nach Hause zu schicken. Wollen wir wieder so weit kommen, dass die Polizisten sagen: Sportplatz Ahrensfelde, da finden unsere Funkwagen schon ohne autonomes Fahren selbst hin? Wir haben doch schon das Prädikat einer der Gemeinden mit den meisten Wohnungseinbrüchen und Ladendiebstählen. Wollen wir noch die Gemeinde der ungeahndeten Ordnungswidrigkeiten werden? Kein schöner Titel!

Aber das ficht den Bürgermeister nicht an. Er wartet auf das Schallgutachten, das nun doch nicht im Juni kommt. Und ich vermute einmal, weil er dieses Problem der Lärmbelästigung bis jetzt zum Dialog immer ignoriert hatte, dass er vielleicht hofft, dass es so ausfällt, dass alles beim Alten bleiben kann. Zwar hatte er genickt, als der beinahe Halbmillionen-Scheck für den Sportplatz der Zukunft mit Auflagen für den Lärmschutz für die Anwohner durch Ministerin Ernst überreicht wurde, doch Alibimaßnahmen, wie eine Pflanzung von Baumsetzlinge, die infolge mangelnder Pflege schon eingegangen sind, ist dieses Versprechen nicht, absolut nicht erfüllt worden. Pardon, ein kleiner Wall wurde aufgeschüttet, als zumindest zeitweilige Bedürfnisanstalt für trainierende Fußballer, denen der Weg in das Vereinsgebäude zu weit ist. Wir Anwohner sind aber auch kleinlich.

Natürlich könnte der Bürgermeister, kraft seiner Wassersuppe, sprich Amtsgewalt, die Öffnungszeiten des Restaurants Hangover einschränken oder auch den Sportbetrieb aus der illegalen Ordnungswidrigkeitszone verbannen. Macht er aber nicht. Warum nicht? Na weil er Gehrke ist. Ein Mann, der mit dem Sportplatz der Zukunft prahlt, sich unterstützt weiß von der Fraktion Ahrensfelder Wählergemeinschaft mit Vereinsmitgliedern bis zum 1. Vorsitzenden und Sponsoren, die in Ahrensfelde recht erklecklich Gewerbesteuer hinblättern. Schließlich ist der Mann 23 Jahre im Amt und die Netzwerke, die sich aufgebaut haben, um nicht den Stasi-Begriff Seilschaften zu gebrauchen, scheinen zu funktionieren. Oder gibt es sie doch nicht?

Wie dem auch sei, die Inaktivität der Verwaltung stößt bei uns Anwohnern auf Unverständnis. Es muss doch nicht abgewartet werden, bis das Gutachten vorliegt, um wenigstens die Einhaltung von Gesetzen durchzusetzen. Das jedenfalls gehört zu den Kernaufgaben einer Verwaltung in einer Gemeinde in Selbstverwaltung. Vielleicht noch mehr, als das Verteilen von Knöllchen in Parkverboten. Auch das findet nicht statt auf den Rasenflächen vor den Grün-Weiss-Sportplätzen, die außerhalb jeglicher Rechtsordnung zu liegen scheinen.
Ständiger Lärm, ist nicht nur ein technisches und Umweltproblem. Lärm, der die Nachtruhe raubt, das ist doch eine Binsenweisheit, beeinträchtig das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Lärm ist gesundheitsschädlich, wirkt auf die Psyche, die Herzfrequenz und den Blutdruck. Er ist, so nicht alles Machbare unternommen wird, den unzumutbaren Lärm, nicht das Sportgeschehen, zu unterbinden, gelinde gesagt, ein Körperverletzung. Und dem ist schon jetzt ohne Schallschutzwand vorzubeugen, jedoch nur mit gutem Willen und sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Foto: Autor, Zeichnungskopien LTG, Architekt Jürgen von Hörsten




Beliebte Posts aus diesem Blog

Neues aus der Provinz -was sonst noch passiert - diesmal in Lindenberg

Nur Ungereimtheiten um den geplanten Anbau für den SV 1908 "Grün-Weiß Ahrensfelde?

Ahrensfelde, die Gemeinde der Pendler