Wenn die Russen keine Lust haben, Krieg gegen uns zu führen, was dann?

Genau das fragte mich ein Freund, weil er mich als sogenannter Russlandkenner schätzt, der schon etliche Bücher über das Land veröffentlicht hat. Dass ich so Einiges über die Russen weiß, ihre Art zu leben und zu lieben und vor allem ihre Kunst, Kultur, Sitten und sonst noch was. Ja, eine gute Frage und ich weiß nicht, ob ich der Richtige für eine Antwort bin. Natürlich geht es nicht um Lust oder Unlust, sondern um die militärische Absicht. Ich versuche es auf meine, einfache Art, die jeder versteht. Und der 85. Jahrestag des Überfalls des faschistischen deutschen Staates auf die Sowjetunion scheint dafür kein schlechtes Datum. 
Nun hat der russische Außenminister Lawrow, ein Diplomat alter Schule,  schon ein paar Mal öffentlich verkündet, dass die Russen nicht vorhaben, irgend ein Staat in Europa und auch nicht Deutschland anzugreifen. Sie wollen es völkerrechtlich unterschreiben. Nun, das kann, so westliche Militärstrategen, ein Trick sein, eine Lüge vielleicht, um uns in Sicherheit zu wiegen und uns anzugreifen, sobald sie die Ukraine besiegt haben. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München hatte sich ja schon einmal festgelegt, es soll im April 2028 geschehen oder doch erst 2029? Er ist ein sogenannter Militärstratege. Na nicht so berühmt wie Sun Tzu, der vor rund 500 Jahre v.Chr. sagte: "Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss." 

Auch Bundesminister Pistorius ist davon überzeugt und Bundeskanzler Merz, der doch noch mehr geheime Quellen hat, weiß es auch. Böse Zungen sagen, es gibt kein Indiz dafür, dass uns die Russen angreifen wollen, warum auch? Ich glaube, das ist eben geheimer als geheim. Nur, warum sollten die Russen dann warten, bis wir uns zur stärksten konventionellen Armee Europas, wie Kanzler Merz verkündete, hochgerüstet haben?

Das hat Deutschland übrigens schon zweimal versucht, europäische militärische Führungsmacht zu werden und wie das ausging, wissen wir. Millionen und Abermillionen Tote und ein zerstörtes Europa. Soll das ein drittes Mal versucht werden? Haben denn Die Herren Kiesewetter und Wadephul, Hofreiter und Pistorius aus zwei Weltkriegen nichts gelernt?

Wie es aussieht, nach der Militarisierung der Köpfe und der Wirtschaft durch Politik und Medien und der Aussage, dass Russland auf ewig unser Feind ist, sei doch diese Frage erlaubt, oder? Und so wird mit an Wahnsinn grenzendem Eifer aufgerüstet, für den Kriegsfall. Dabei verfügen die europäischen NATO-Staaten schon doppelt so viel Panzer und Flugzeuge wie Russland. Und allein der Rüstungshaushalt Deutschlands übersteigt den Russlands. Das macht doch nachdenklich, oder?

Wer profitiert also von der neuen Aufrüstung? Sicher nicht du und ich, die Bevölkerung, sondern eine Rüstungslobby aus Politik, Industrie und Militär. Für sie ist die ständige Verbreitung der Angst, dass bald der Russe seine Fahne auf dem Brandenburger Tor hisst, ein prima Geschäftsmodell. Die Folgen spüren wir jeden Tag, sie sind überall sichtbar. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Im Sozialhaushalt wird gekürzt, die Infrastruktur verfällt, in der mittelständischen Wirtschaft brechen die Aufträge weg und die hohen Energiekosten treiben sie in den Ruin. Große Konzerne entlassen massenhaft Arbeiter und verlagern ihre Produktion ins Ausland. Geld für Bildung und Wissenschaft fehlt, für neue Technik bei der Bahn und so weiter und so fort. Enthemmte Politiker treiben Kriegspropaganda mit vernebelndem Verteidigungsvokabular. 

Und meine Kollegen Journalisten? Sie treiben enormen Aufwand, nicht etwa um ernsthaft zu recherchieren und um Fakten zu prüfen, sondern um die Kriegshysterie der Regierung mit medialer Gehirnwäsche zu unterstützen. Das Versagen der Regierung auf all diesen Gebieten ist für sie tabu. Frei nach dem Motto: Ich beiße doch nicht die Hand, die mich füttert und sing weiter deren Lied. Diese journalistische Unverantwortlichkeit ist eine Schande für unseren Beruf. Sie töten zwar keine Menschen, sie töten Gehirnzellen. Denn sie haben eben den Auftrag, zur Verdummung alle Register zu ziehen, um so mit total entseelten und geistlosen Showbombardements und Talkrunden, mit Heuchlern, Lügnern und Propagandisten Kriegstüchtigkeit zu erreichen, denn offensichtlich kennen sie den Satz von Sun Tzu: "Nur mit Dummen sind Kriege möglich!" 

Aber wenn nun der Russe nicht kommt? Dann sind Milliarden, die für Krankenhäuser, medizinische Forschung, für Bildung, Pflegeheime, Autobahnbrücken und Schulen hätten verwendet werden können, umsonst verpulvert. Sann sind nämlich all die schönen Panzer, die weittragenden  Geschütze, die modernen Raketen, Super-Drohnen, Kriegsschiffe und Flugzeuge Schrott. Denn wenn sie nicht gebraucht werden, müssen sie entweder verkauft werden in eine Region, wo Krieg herrscht oder sie rosten vor sich hin. Waffen sind ohnehin Produkte, die keinen Wert schaffen, die nur produziert werden, um zerstört zu werden, was eigentlich volkswirtschaftlicher Unsinn ist. Das ist die eine Seite. 

Wenn aber der Angriff Russlands nicht kommt, und davon gehen viele kluge Leute aus, fällt das Lügengebäude der Angstmacherei und Kriegshysterie  in sich zusammen. Das ist die zweite Seite der gleichen Medaille. Deshalb wird viel getan, einen Angriff Russlands zu provozieren. Mit Russophobie, Lügen, Hetze, mit Waffen für den Krieg der Nato gegen Russland in der Ukraine, mit Sanktionen, mit Beschlagnahme von Schiffen, Provokationen in der Luft und riesigen Krediten, jetzt wieder 90 Milliarden Euro für die Ukraine, die Pleite ist, und von denen jeder, der noch bei Verstand ist, weiß, dass sie nie zurück gezahlt werden können.

Das mühsam und mit viel Geld und Propaganda aufgebaute Lügengebäude der Politiker des Westens fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Ja, wenn der Krieg gegen Russland nicht stattfindet bin ich gespannt, was dann Masala, Merz, Pistorius, Kiesewetter, Wadephul, Hofreiter und Strack-Zimmermann sagen, welche Rechtfertigung für die Milliarden, der Wirtschaft und dem Wohlstand entzogenen Mittel haben? Treten sie zurück, denn das wäre das Mindeste, wenn sie Scham und Gewissen haben? Kaum. Der dumme Putin hat einfach nicht mitgespielt. Der erklärte doch kürzlich auf einer Pressekonferenz vor internationalen Journalisten, dass er darauf vertraut, dass die Deutschen in Zukunft eine Regierung wählen werden, die die nationalen Interessen im Blick hat. Mehr nicht. Die Deutschen müssen nicht russlandfreundlich sein, sondern endlich verstehen, was ihren Interessen dient. Wie kann der bloß!  

Denn wie ich die Russen, den russischen Bären kenne, werden sie nicht auf Nadelstiche oder Provokationen im Geist verwirrter Politiker hereinfallen. Putin hat im Gegensatz zu Merz in Deutschland mit seiner besonnenen Politik in Russland so um die 80 Prozent Zustimmung. Denn für die Russen geht es wie schon vor 85 Jahren um die Existenz ihrer Heimat, ihres Staates, ihrer Nation, ihrer Familien und Kultur. Und wie haben sie 1941 gesungen? Stawei, Stranda ogromnaja. Steh auf gewaltiges Land, steh auf zum letzten tödlichen Kampf! Das sollte uns zu denken geben. Der Militärstratege Sun Tzu hat auch gesagt, dass der beste Krieg kein Krieg sei. Kluger Mann im Gegensatz zu vielen unserer Marktschreier des Krieges und ihre Medienmeute. Denn die Kriege  finden heute nicht nur auf den Schauplätzen statt, sondern auch in den Medien und immer für die Seite der Guten, so oft sie auch Völkermord betreiben oder stolz SS-Runen auf den Uniformärmeln tragen.

Und die deutsche Bevölkerung? Na, ja, im Osten gibt es Demonstrationen mit der  Losung: Russland ist nicht unser Feind! Davon bin ich überzeugt. Und ansonsten zieht sich  Michel größtenteils die Schlafmütze über Augen und Ohren, um wieder sagen zu können: Ich habe ja davon nichts gewusst! Bis auf die rebellische Jugend. sie hat mehr Mumm, als ihre Eltern. Seit März gibt es Schulstreik gegen die Wehrpflicht. "Wir sind kein Kanonenfutter! "Merz an die Front!" war auf ihren Transparenten in Berlin zu lesen. Bravo!

Soweit meine Antwort auf eine sehr interessante und aktuelle Frage, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

P.S. Jetzt widersprach US-General und Nato-Kommandeur (SACEUR) Alexus Grynkewich auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA dem in Europa herrschenden Narrativ des Angriff Russlands auf Europa und Deutschland. Grynkevich versicherte auch gegen die 2029-Panik vom obersten Bundeswehrgeneral Breuer, dass Russland nicht auf einen Konflikt mit Europa oder der Nato aus ist, auch wenn die USA Kapazitäten abziehen würde.  Grynkevich: „Ich verfolge die Geheimdienstberichte sehr aufmerksam […] Russland ist nicht auf einen Konflikt aus. Man ist sich dort bewusst, dass wir ein Verteidigungsbündnis sind, und man weiß, dass wir über eine Reihe asymmetrischer Vorteile verfügen, mit denen man dort einfach nicht mithalten kann.“

Fotos: Autor, Zeitgeschehen, Cartoons Ham Berger, sächsische cartoonisten

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