Neues aus der Provinz - Ahrensfelde endlich in den Schlagzeilen, aber sicher ungewollt

Ich gebe ja zu, es war ein Fehler, diese ominöse Wahl der AfD-Ortsvorsteherin Länger mit den Stimmen der SPD-Mitglieder Berger und des CDU-Freundes Salzmann versäumt zu haben, wo nach Medienberichten wieder einmal die "Brandmauer" zumindest auf kommunaler Ebene gefallen ist, Nicht ganz so spektakulär wie anno dazumal die Berliner Mauer. Dass es dieser ungeheure Vorgang bei uns dennoch in die überregionalen Medien und bis ins Brandenburger Parlament geschafft hat, ist auch aktiven Demokraten von Bürger für Ahrensfelde aus Lindenberg zu verdanken. Diese geballte Medienpräsenz wird Bürgermeister Gehrke, zudem CDU-Mitglied, der ansonsten gern in der Presse abgelichtet erscheint, nicht schmecken. Denn neben DIE ZEIT, dem Stern, dem TAGESSPIEGEL, der BZ, der Ostdeutschen Allgemeinden und natürlich unserer Märkischen Oderzeitung haben diesen Fall der Brandmauer auch die führende deutsche Nachrichtenagentur dpa und der TV-Nachrichtensender ntv aufgegriffen. Mein  Blog wurde auszugsweise zitiert. Da schlägt das alte Journalistenherz schneller! 

Brandenburgs Parteivorstände, nicht nur im Landkreis Barnim sind entsetzt und bekräftigen noch einmal, dass die "Brandmauer" unerschütterlich steht. SPD-Generalsekretär Kurt Fischer: "Eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen AfD kann und wird es mit der Sozialdemokratie nicht geben. Wer gegen diesen Grundsatz verstößt, wird Konsequenzen in der SPD erfahren." Da kann sich der Kassierer vom SPD-Ortsverein Ahrensfelde-Werneuchen Siegfried Berger trotz der sommerlichen Temperaturen warm anziehen. 

CDU-Generalsekretär Julian Brüning wird das lauwarme Statement von Sven Salzmann gegenüber dpa auch nicht gefallen, weil "Nach wie vor gilt die Beschlusslage der CDU Deutschlands und der CDU Brandenburg, die klar festlegt: Koalitionen sowie anderweitige auf politische Zusammenarbeit ausgerichtete institutionalisierte Kooperationen lehnen wir ab." Na, schauen wir einmal.

Ja, vielleicht ist die als Ortsvorsteher der AfD gewählte Frau Länger parteilos. Die einen sagen so, die anderen so. Selbst KI ist sich da nicht ganz einig. Aber ich erinnere mich noch gut daran, dass sie und ihr Mann Marco Länger auf irgendeinem Partei-Event der AfD im Bild mit Björn Höcke zeigen. Kein Schnappschuss eines Paparazzi, sondern alle drei schauen einträchtig in die Kamera. Es wird wohl ein Ehrenplatz im Familienalbum der Längers  haben. Da ich nicht annehme, dass dieser öffentlich und gerichtlich ungerügt als Faschist und Nazi bezeichnete rechtsextreme Politiker Höcke nicht gebettelt haben wird, mit den Längers fotografiert zu werden, scheint die Initiative doch von den beiden Lindenbergern ausgegangen zu sein. Diese Nähe spricht für sich.

Ja, wer mit den Hunden schläft, heißt ein Sprichwort, braucht sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen erwacht. Übrigens, im Mai 2019, als Ilka Länger für die Gemeindevertretung kandidierte, wurde sie noch voller Vertrauen zur Schriftführerin im AfD Kreisverband gewählt. Auch im AfD-Landesverband, der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet wird,  erinnert man sich noch heute an ihre aktive Zeit.

Und da erinnere ich mich noch an einen Vorgang. Als im Ortbeirat Lindenberg das Bauprojekt Birkholzer Allee zum ersten Mal auch in Anwesenheit von Bürgermeister Gehrke vorgestellt wurde, gab es heftigen Widerstand der etwa 40 anwesenden Lindenberger. Auch von Familie Länger. Haupttenor: Erst sollten sich einmal die Neu-Lindenberger von Lindenberg Süd eingewöhnen und bevor die Umgehungsstraße nicht kommt, sollten keine neuen Bauprojekte angefasst werden. Ich war Augen- und Ohrenzeuge. Als nun später eine Umfrage zur Birkholzer Allee gestartet wurde und eine Anwohnerversammlung in der Aula der neuen Grundschule stattfand, verteidigte Marco Länger das Projekt, das ich immer als Winterdorf bezeichnete, auch mit ganz persönlichen Gründen. Einer seiner Söhne würde bei der Bundespolizei in Blumberg anfangen und er bräuchte, wie viele junge Leute in der Gemeinde, eine Wohnung. Nun ist anzunehmen, dass auch Frau Inka Länger etwas gegen weiteres Hotel Mama ihrer Söhne hat und nach Bekanntschaft mit dem CDU-Investor Winter sein Projekt freudig ihre Zustimmung im Ortsbeirat und später in den Gemeindevertretung gibt.

Dass Ahrensfelde ein besonderes Pflaster für die AfD ist, beweisen nicht nur die Wahlergebnisse, sondern auch die vielen Bürgerdialoge der AfD. Alles war schon hier gewesen, was im Kreis Barnim sowieso, im Landtag Brandenburg, ja selbst im Bundestag Rang und Namen hat. Nur Björn Höcke war noch nicht da. 

Diese Dialoge hatten absolut nichts mit Ahrensfelde noch Barnim zu tun und mit einem Dialog noch weniger. Die billigen AfD-Propagandaveranstaltungen wie auch das Erste im Fernsehen machen mir klar: Wir befinden uns im Krieg, im Krieg um die Vernebelung der Gehirne, im Kampf gegen selbständiges und kritisches Denken. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema. 

Es geht hier nicht nur um die Person Ilka Länger. Wir dürfen uns, ob Berger oder Salzmann wie in diesem Fall oder Otto Mustermann nicht damit abfinden und sogar indirekt begünstigen, dass Rechtsextremisten und ihr Gedankengut unseren Alltag bestimmen, auch nicht in Lindenberg. Jedenfalls hat Lindenberg  nun eine neue Ortsvorsteherin mit AfD-Hintergrund und ihr wurde sogar die Ehre zuteil, sich ganz vorn auf der offiziellen Webseite der Gemeinde Ahrensfelde vorzustellen. Ist doch nett vom CDU-Bürgermeister oder nicht? Und da wundern sich meine Nachbarn, warum ich oft den Wunsch verspüre, aus Ahrensfelde wegzuziehen. Doch gerade die hunderte Leser zu diesen Thema AfD-Ortsbeirat bestätigen, ich werde hier als Stimme der Einwohner gebraucht, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Zeitgeschehen, Höcke-Bild; eingestellter Blog "Die Unabhängigen", AfD-Flyer

Beliebte Posts aus diesem Blog

Neues aus der Provinz -was sonst noch passiert - diesmal in Lindenberg

Nur Ungereimtheiten um den geplanten Anbau für den SV 1908 "Grün-Weiß Ahrensfelde?

Ahrensfelde, die Gemeinde der Pendler