Notizen aus der Provinz - LaCaire oder der Fall Christian Gräff
Nun ist es meine Angewohnheit und berufliche Neugier, Dingen auf den Grund zu gehen und hinter den Namen zu schauen. Einer der beiden Geschäftsführer dieser Firma ist ein Christian Gräff. Und da klingelte etwas bei mir. War es nicht dieser CDU-Geschäftsmann, damals noch mit Skandalvorwürfen konfrontierte Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, der uns mit Smart-Living in Klarahöh beglücken wollte? Absolut richtig!
Und auch jener Herr Gräff, für den sich Parteifreund Gehrke einsetzte? Ja, auch richtig! Allein schon die Parteizugehörigkeit in der CDU hätte von unserem Bürgermeister etwas Zurückhaltung verlangt. Aber nicht doch Wilfried Gehrke, auch wenn hier vielleicht der Eindruck entstehen könnte, mit einem Amt Parteifreunden gefällig zu sein. Aber um Moral oder mehr geht es mir nicht.
Ich hatte unseren Bürgermeister damals aus einem anderen Grund öffentlich kritisiert. Der Platz für dieses angepriesene seniorengerechte Bauvorhaben Smart-Living war denkbar ungeeignet. Es verstieß in jeder Hinsicht gegen die Vorgaben des Regionalplanes Barnim-Uckermark. Der fordert besonders für Senioren fußläufige Erreichbarkeit von Supermarkt und Arztpraxis in fünfzehn Minuten. Und als ich den Bürgermeister auf die fehlende Fußläufigkeit hinwies, sagte er doch, der ja als Regionalrat den Plan für die Entwicklung unserer Region mit beschlossen hatte, dass vor dem Objekt doch eine Bushaltestelle wäre. Ja, das war schon recht peinlich.
Und nun taucht dieser Herr Gräff im Ortsbeirat Ahrensfelde wieder auf mit einem Projekt, das ein Segen für alle unsere Senioren sein soll. Lassen wir das einmal dahingestellt. Aber es wird ja darüber eine Diskussion gefordert, an der ich mich hiermit gern beteiligen will.
Los geht es: Es ist genau der Herr Gräff, dem damaligen Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, dem der TAGESSPIEGEL und Abgeordnetenwatch vorwarfen, ein Ehrenamt für private geschäftliche Interessen genutzt zu haben. Für eine ganze Reihe von Verdachtsfällen fordert die Linke in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf Aufklärung. Unklarheiten auch in Gräffs Firmengeflecht und seine Kontakte zu Baufirmen, die Projekte unter anderem am Helene-Weigel-Platz verfolgen und bei Aufträgen des Bezirksamtes ohne Ausschreibung an CDU-nahe Unternehmen. Eine saubere Weste sieht wohl anders aus?
Bestens vernetzt und nicht minder geschäftstüchtig, Christian Gräff
Gut, das sollen die politischen Gremien klären, in denen Gräff tätig war und ist. Aber er scheint ein knallharter Geschäftsmann und alles andere als sozial geprägt zu sein mit einem Herz auch für die Schwachen, was er mit seinem Projekt vorgibt. Denn einen Mietendeckel in Berlin soll der Mann strickt ablehnen und fordern, obwohl das gegen die Verfassung verstößt, das Arbeitslosengeld II für alle Arbeitsfähigen unter 50 Jahren rigoros zu streichen, wenn sie Stellenangebote ablehnen.
Das wäre nicht vorteilhaft für eine im Projekt vorgegebene soziale Einstellung. Brauchen wir einen ist solchen Mann und sein Vorhaben? lch meine: Nein. Der Umgang färbt ab und im Volksmund bildhaft: Wer mit den Hunden schläft, braucht sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht. Natürlich weiß ich, dass unter Investoren Leute mit moralischen und ethischen Grundeinstellungen so selten sind, wie autofreie Nächte in der Dorfstraße oder lärmfreie sonntägliche Ruhezeiten für die Anwohner am Grün-Weiß-Sportplatz.
Wir brauchen keine altersgerechten Wohnungen mehr, denn die Senioren mit und ohne Handicap sind bei der evangelische Kirche mit dem Projekt Ulmenallee sicher in den besseren Händen. Wir brauchen keine Unterbringung von Senioren in elektronisch ausgeklügelten Wohnungen im Smart-Living-2.0-Format, die bei mir der Eindruck erwecken, dass hier ältere Menschen abgezockt werden können. Wir brauchen aber betreutes Wohnen in all seinen Formen vom selbstständig betreuten Wohnen bis zur Intensivpflege. Wir brauchen dringend vielleicht an dieser Stelle eher ein Medizinisches Versorgungszentrum, um die unzureichende ärztliche Betreuung unserer Einwohner endlich auf das Niveau zu bringen, das für eine Gemeinde mit bald 16.000 Einwohnern Standard sein sollte.
Fazit: Deshalb ist jede Diskussion über das Projekt des Herrn Gräff in der Dorfstraße und mit ihm reine Zeitverschwendung. Zeit, die uns nur davon abhält, unsere anstehenden Probleme zu lösen. Und dafür stehe ich, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Zeitgeschehen, LaCaire Unterlagen für die Gremien in Ahrensfelde
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