Warum die fast korrekte Wahl des Ortsvorstehers Lindenberg doch wieder ein Skandal sein kann

 

Sauregurkenzeit. Von wegen! Die gibt es nicht in Ahrensfelde und erst recht nicht in Lindenberg. Ja, zu großen Teilen ist es wieder ein Déja-vu-Erlebnis. CDU und SPD haben, was kümmern sie die Beschlüsse ihrer Parteien, weder mit der AfD zusammen zu arbeiten, noch ihnen, wo auch immer, in den Sattel zu verhelfen, im Ortsteil Lindenberg AfD gewählt. Herr Salzmann (CDU) und Herr Berger (SPD) müssen, nach Adam Riese, Frau Freitag und Herr Richter unterstüzen AfD nicht, Frau Inka Länger (AfD) als neue Ortsvorsteherin von Lindenberg gewählt haben. Sie sich natürlich auch, versteht sich.
Das hatten wir schon einmal, nur hieß der AfD-Mann Jürgen Heinicke, der bei seiner Wahl versprach, voller Freude das Vertrauen für das Amt mit Engagement für die Lindenberger und mit frischem Wind auszuüben. Ich war dabei und mir kamen vor Rührung fast die Tränen. Nun hat er jetzt kurz vor der Wahl das mit so viel Freude und Enthusiasmus erhaltene Amt hingeschmissen und ist zudem aus der AfD ausgetreten, in der er nie gewesen sein will. Nicht ohne Grund, doch dazu später mehr.

Dorfanger mit Kirche aus dem 13. Jahrhundert  in Lindenberg

Die Wahl in Lindenberg ist schon ein besonderes Ereignis. Das kam auch darin zum Ausdruck, dass der Bürgermeister, ebenfalls Lindenberger, zwei seiner Stellvertreter in den Ortsteil geschickt hatte, die auch aus Tradition und Erfahrung die Wahlkommission bildeten. Schon die erste Denkwürdigkeit passierte, dass es keinen Wahlvorschlag gab, sondern der amtierende Ortsvorsteher Salzmann lapidar fragte, wer sich denn bereit für das Amt erklären würde, Das taten Frau Inka Länger und Frau Freitag (BVB/Freie Wähler). Die Letztere engagiert und bekannt mit ihrer ehrenamtlichen aktiven Arbeit, vor allem im Lindenberger Turn- und Sportverein, die andere mehr ein Nobody, zumindest in Lindenberg. Das drückte sich auch bei den Kommunalwahlen 2024 aus. Inka Länger (AfD) 591 Stimmen trotz AfD-Bonus und  Evelyn Freitag  (BVB/Freie Wähler) 750 Stimmen trotz Kampagne in der Gemeindevertretung gegen ihre Fraktion.

Schon damals hätte also Frau Freitag, wenn es normal zugegangen wäre und es ernst gemeint sein sollte mit der Demokratie mit der absolut größten Stimmzahl die Ortsvorsteherin werden müssen. Aber was läuft in Ahrensfelde schon normal. Und ehe das Geschrei der "Demokratieverteidiger" losbricht, eine weitere Denkwürdigkeit der aktuellen Wahlen. Die Wählausschussmänner Knop und Schwarz hätten nun, da zwei Kandidatinnen zur Wahl antraten, die Stimmzettel drucken müssen, fünf an der Zahl mit je zwei Namen. Aber doch nicht so förmlich! Weil sich die Leute der Verwaltung ja auskennen mit der politischen Landschaft, hatten sie, man höre und staune, die Stimmzettel mit den Namen Länger und Freitag schon immer mal im Voraus gedruckt, ja ohne Glaskugel. Um diesen Fauxpas auszubügeln, schoben die Gemeindebedientesten höheren Ranges nach, dass sie auch andere Varianten vorbereitet hätten. Wie bitte? Als ich das hörte, bin ich vom Glauben an die Demokratie abgefallen. 

Da wo eins Raps blühte und Mais wuchs, soll das Winterdorf, eine Satellitensiedlung entstehen, ja wird sie auch, dafür sind die "demokratischen Weichen" bereits gestellt

Aber nun zu einem noch interessanteren Thema, das die Hintergründe der Wahl verdeutlicht. In Lindenberg, genauer an der Birkholzer Allee, will der Investor Winter (CDU) eine Wohnsiedlung bauen. Ja, außerhalb des Ortes, was eigentlich nach dem Regionalplan Barnim-Uckermark nicht geht. Aber wer wird denn so förmlich sein? Nun gehört ein Stück Land, der Acker wurde kurzer Hand zu Bauland erklärt, dem Landwirt Heinecke. Soll die Bauplanung durch die Gemeindevertretung gehen, muss erst der Ortsbeirat laut Kommunalverfassung zustimmen. Wäre also Herr Jürgen Heinecke noch Ortsvorsteher, müsste er sich, da er einen Vorteil mit dem Verkauf seines Ackers hätte, enthalten. Dann würden, sagen wir einmal SPD und CDU wären sowieso dafür und Bürger für Ahrensfelde und BVB/Freie Wähler würden dagegen stimmen, wie bereits öffentlich bekundet. Bei einem Patt aber, wäre das Projekt des Herrn Winter also gescheitert. Und so erscheint der Rücktritt des Herr Heinecke, der doch mit so viel Freude und Tatenkraft das Amt als Ortsvorsteher vor gut einem Jahr übernommen hatte, wenn es so sein sollte, in einem anderen Licht mit viel, ja sehr viel Schatten. 

Der erste Entwurf der Wintersiedlung, na ja, dörflicher Charakter sieht anders aus.

Übrigens war geplant, die Verwaltung hatte ja in ihrer Kenntnis die (Macht)Verhältnisse vorhergesehen, dass schon im August, wo alle Gremien ansonsten Sommerferien machen,  der nun so gewählte Ortsbeirat über das Projekt Birkholzer Allee, meine Leser kennen es als Winterdorf, abstimmen sollten. So wäre es mit drei zu zwei Stimmen auf den Weg und in die Gemeindevertretung gebracht worden. Da natürlich kein Einwohner von Lindenberg ahnen könnte, dass für den Ortsbeirat die sonst übliche Sommerpause ausfallen soll, so wäre das Winterdorf ohne gesetzlich verankerte Öffentlichkeit beschlossen worden. Hurra, es lebe die direkte Ahrensfelder Demokratie. 

Und wenn das alles wirklich so sein sollte, und befürchte Schlimmes, dann wird doch klar, warum Bürgermeister Wilfried Gehrke einst Zeter und Mordio in seinen Informationen im Amtsblatt schrie und den Bürgern von Transparentes Ahrensfelde öffentlich unterstellte, die Demokratie in Ahrensfelde untergraben und die Einwohnerschaft spalten zu wollen. Ja, ja, wer im Glashaus sitzt...Ich habe diese Vorgänge der ansonsten, bis auf kleine Formalitäten erfolgten Wahlen, erfahren und mache sie wegen des öffentlichen Interesses und der Hintergründe publik, natürlich sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.  

Fotos: Autor, Karte öffentliche Unterlagen der Gemeinde Ahrensfelde 


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