Neues aus der Provinz - Was der Bahnhofsvorplatz in Blumberg noch so offenbart
Nun wurde am Bahnhof Blumberg viel Geld in die Haltestellen des Busverkehrs und in Park + Right gesteckt. 600 Meter neue Straße, 49 Parkplätze, zwei Bus-Wartehäuschen, 7 LED-Straßenleuchten und Fahrradständer. Das war nötig. Die Fertigstellung wurde feierlich und in Anwesenheit der Presse gewürdigt. Selbstverständlich war unser Bürgermeister dabei. Solche Termine, sich ins rechte Fotolicht zu stellen, lässt Wilfried Gehrke nicht vergehen. Ja, ist eben Repräsentation und Eigenwerbung, falls er 2027 wieder zur Wahl als Erster Bürger antritt.
Nun ist anzunehmen, dass das Gelände rings um den Bahnhof Blumberg in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr angefasst wird. Was den Schluss zulässt, dass er modern und den Ansprüchen der nächsten Jahre genügt. Da wäre natürlich oder besser selbstverständlich, dass Ladestationen für E-Autos und Elektrofahrräder vorhanden sind. Aber dem ist leider nicht so. Und ein einladenden und auffälligen Hinweis auf den Lennépark häte ja auch nicht geschadet. Da fragt sich wundernd der Bürger, wieso wird ein Sportplatz der Zukunft mit reichlich Geld aus dem Gemeindesäckel für einen Verein mit allen Schikanen gebaut und ein öffentliches Bahnhofsumfeld für die Blumberger und Touristen zum Beispiel in den Lenné-Park gerade man so lala verbessert wird. Ist der Ortsbeirat Blumberg so leicht zufrieden zu stellen? Warum winken die ach so klugen Gemeindevertreter so ein Projekt einfach durch? Reichten das Geld oder der Geist nicht? Wir Bürger erwarten ja keine Weltsicht, aber ein wenig Zukunftsdenken kann doch nicht schaden.
Und hier zeigt sich fast eine gewisse Gesetzmäßigkeit. Es wird in unserer Gemeindevertretung zu oft nur von heute auf morgen gedacht, oder wie es heißt, zu kurz genäht. Aber es ist wirklich kein Wunder. Es kann nur das an Qualität der Entscheidungen aus der Gemeindevertretung herauskommen, was drin ist. Ich lade jeden Bürger ein, an einem dritten Montag im Monat die Beratung unseres Gemeindeparlaments zu besuchen. Und dann nehmen sie sich einen Moment Zeit, schauen sie in die Runde, in die entspannten, eher abwesenden Gesichter und erleben sie ihre gewählten Gemeindevertreter in Aktion, wie ihre Interessen vertreten werden.
Ich bin sehr oft Zuschauer in dieser illustren Runde. Und ich warte schon seit Jahren leider umsonst auf ein Klima in unserem Dorfparlament, dass eine lebhafte Diskussion um Vorlagen und Anträge stattfindet, dass das bessere Argument das gute schlägt. Bei dem Bauprojekt in der Dorfstraße 6/7 von La Caire, in dem es ja immerhin um das Wohlfühlen von Senioren geht, also von Menschen, die dieses Land aufgebaut haben und für die das Beste gerade gut genug ist, vor allem in der Betreuung und nicht um elektronischen Schnickschnack, da hatte der Ahrensfelder Ortsbeirat nur die Geschosshöhe zu bemängeln, also die Fassade. Und in der Gemeindevertretung gab es überhaupt keine Diskussion. Ein aufsässiger Versuch war eine Stimmenthaltung der Fraktion Bürger für Ahrensfelde. Aber sonst das übliche kollektive Händehoch, fast wie in einer CDU-Fraktionssitzung des Bundestages oder früher in der SED-Parteiversammlung. Na, das haben wir uns zur Wende anders vorgestellt.
Mit dem angebotenen Horizont in der Debatte ist ja nicht einmal eine blank geputzte Fensterscheibe zu durchschauen. Ja, ja, das ist eine deftige Kritik an die gewählten Vertreter in Ahrensfelde, doch nicht nur ich bin der Meinung, sie nehmen ihre Wahlfunktion und die Verantwortung vor den Bürgern und vor den kommenden Generationen zu leicht. Bis zum nächsten Mal sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Archiv Moreike, Gemeinde Ahrensfelde, Cartoon Autor nach Stock



