Aus der Provinz nach New York geschaut - eine persönliche Nachbetrachtung
Lawrow, das Urgestein auf diplomatischer Bühne, reagierte wohl auch nicht auf den Vorwurf der Behinderung ukrainischer Getreideexporte durch Russland, wodurch Hunger in Entwicklungsländer ausgelöst werden kann. Er wusste ja, mit wem er am Tisch saß, dem Mann, der mit der entlarvenden Bemerkung von sich Reden machte: "Russland wird immer ein Feind für uns bleiben." Offensichtlich enttäuscht sagte der deutsche Außenminister in die Mikrofone des ZDF und der ARD, dass er Lawrow angeboten hätte, zu "deeskalieren, insbesondere auch mit Blick auf die Situation in der Ukraine, aber das hat noch keine offenen Ohren gefunden”. Nun, vielleicht lag es auch daran, dass der russische Partner weiß, wer eskaliert und der größte Waffenlieferant und Geldgeber der Ukraine ist, und hörte sich mit höflicher Geduld das Statement Wadephuls an. Seine Bemerkung: "Dafür hätten Sie mich einfach anrufen und mir es sagen können."
Ich denke, das Treffen in New York war eher eine Schaufensterveranstaltung von deutscher Seite, um Friedensbemühungen vorzutäuschen mit der Gewissheit, wie Russland reagieren würde. So hat Russland, jedenfalls nach Meinung des Westens, den Schwarzen Peter. Statt ausgestreckter Hand von unserer Seite wieder eine verschärfende Konfrontation, auch wenn das 20minütige Treffen mit einem Handschlag beider Politiker (siehe Foto) endete.
Es wird als gesichert angesehen, dass eine Mehrheit der Bürger in der Bundesrepublik gegen einen Krieg gegen Russland ist. Es gibt zwar keine sichere Angaben, aber auch in Russland ist meines Wissens die Mehrheit der Menschen absolut sicher gegen einen Krieg gegen die Bundesrepublik oder einen Nachbarn. Und ich wette, auch die Ukrainer wollen endlich Frieden. Ergo, bleibt die Frage, wenn die Bevölkerung in der Bundesrepublik und die Bevölkerung in Russland keinen Krieg will, warum sollte es dann einen Krieg geben? Wo ist da die Logik?
Nun ist es in "unserer Demokratie" für mich eine Tatsache, dass wir, das Volk wenig bis nichts zu sagen haben. Die Aufgabe der Politik der CDU/SPD-Regierung besteht darin, uns vor allem mit den ausgerichteten Medien davon zu überzeugen, dass wir Unrecht haben und Merz und Wadephul Recht haben, dass Russland, obwohl Lawrow das erneut widerlegte, uns 2029 angreifen wird. Ja auch Putin hat genau das Gleiche vor der Weltpresse gesagt. Mehr noch, sie würden es auch in völkerrechtlich verbindlichen Verträgen beurkunden. Nur Propaganda? Kann sein. Warum aber hat Wadephul die Russen darauf nicht festgenagelt. Ja, das war offensichtlich nicht sein Auftrag. Schade, wer weiß, wann wieder so ein Moment in den Beziehungen zu Russland kommt?
Am 3. Oktober findet am Brandenburger Tor in Berlin eine Friedensdemonstration statt. Hier hätten alle politischen Parteien, die ehrlich Frieden in Europa anstreben, die Chance, sich dazu zu bekennen. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Archiv Moreike, Museum Berlin Karlshorst, Zeitgeschehen
Nur nebenbei. Am 27. September abends hatte mein Blog insgesamt den 88.888ten Leser. Und weil ich so gern mit Zahlen zur Hand bin, theoretisch hätte jeder Ahrensfelder vom Neugeborenen bis zum Greis meinen Blog "Moreikes Ahrensfelde" mindestens 6mal hochgeladen. Das ist ein gutes Zeichen fürs Weitermachen.




