Die Ahrensfelder Kirche lässt weiße Tauben fliegen - nicht nur zum Weltfriedenstag am 20. September
Na, ja, nun weiß jeder, der nicht auf den Kopf gefallen ist, dass die Geschichte und Gegenwart reich ist an Beispielen, dass im Namen der Religion, im Namen Gottes, im Namen des christlichen Glaubens Kriege geführt, Gewalt verherrlicht, der Einsatz militärischer Mittel gerechtfertigt wurde und wird. Kirche an sich ist nicht Frieden, sondern erst der Glaube und der kann, wie wir alle wissen, Berge versetzen. Aber das ist heute nicht mein Thema. Ich bin im Krieg geboren und alle, die ihn erlebt haben, wissen, dass sich entschieden werden muss: Gott und die Friedensliebe oder Bomben und Krieg. Und es gibt auch für die Kirche unserer Tage nur das Entweder - Oder, Brandstifter sein oder aktiver Friedensstifter.
Das Kirchenparlament der Bremischen Evangelischen Kirche hat in diesem Sommer unsere Regierung aufgerufen, dem – schon 2017 auch vom Vatikan unterzeichneten – UN-Abkommen zum weltweiten Verbot von Atomwaffen beizutreten. Da der Wortlaut natürlich nicht von den Qualitätsmedien veröffentlicht wird, hier einige Auszüge:
„Wir fordern die Bundesregierung Deutschlands auf, dem UN-Atomwaffen-Verbots-Vertrag durch ihre Unterschrift beizutreten und ihn dem Bundesrat zur Ratifizierung zuzuleiten. Gleichzeitig fordern wir die Bundesregierung auf, die Stationierung der neuen amerikanischen weitreichenden Waffensysteme in der Bundesrepublik nicht zu gestatten.
Am 7. Juli 2017 haben von den 193 UN-Staaten 122 Staaten für die Verabschiedung des Atomwaffen-Verbots-Vertrags (AVV) gestimmt. Seitdem haben ihn 94 Staaten unterzeichnet und 73 haben ihn ratifiziert. Seither sind Atomwaffen, ihre Herstellung, ihr Besitz, ihre Verbreitung, die Androhung ihres Einsatzes und ihr Einsatz international verboten und völkerrechtlich geächtet...Die bisher einzigen beiden im Krieg eingesetzten Atomwaffen, in Hiroshima und Nagasaki, sollten durch ihre verheerenden Zerstörungen und Auswirkungen auf menschliches und zivilisatorisches Leben über Generationen Mahnung und Verpflichtung sein, niemals wieder auch nur mit dem Einsatz solcher Waffen zu drohen...
Deutschland besitzt selbst keine Atomwaffen, aber auf deutschem Territorium sind amerikanische Atomwaffen stationiert. Die Bundesregierung setzt trotz der die Menschheit vernichtenden Folgen des Einsatzes von Atomwaffen weiterhin auf das Prinzip der atomaren Abschreckung. Dieses Prinzip bedeutet ja die Androhung, Atomwaffen auch tatsächlich einzusetzen...Gerade in der gegenwärtigen angespannten Weltlage darf von deutschem Boden keinerlei Bedrohung ausgehen. Nach zwei verheerenden Weltkriegen, den Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft und der damaligen Wehrmacht ist es nicht nur ein Gebot der Vernunft, sondern auch der geschichtlichen Verantwortung, keinerlei Bedrohung von deutschem Boden mehr zu zulassen. Nie wieder ist jetzt!
Daher fordern wir die Bundesregierung auf, dem Atomwaffen-Verbots-Vertrag beizutreten, ihn dem Bundesrat zur Ratifizierung zuzuleiten und der Stationierung von neuen strategischen weitreichenden amerikanischen Waffensystemen in Deutschland nicht zuzustimmen.“
Ich habe die Bremer Erklärung veröffentlicht, weil sich in unserer Zeit entscheidet, ob nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder und Enkel, also die Menschheit überleben wird. Es ist eine Schicksalsfrage. Aber ich fürchte, diese Regierung mit Merz, Wadephul und Pistorius wird einen Teufel tun, diesem Vertrag beizutreten und entsprechend dem Grundgesetz zu handeln: Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen..." Ja, wir haben eine bessere, friedliebende und den Menschen wirklich dienende Regierung verdient, meine ich, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Hartmut Moreike
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