Neues aus der Provinz - die 15 Minuten Gemeinde eine Lösung?

Immer wieder höre ich Klagen, dass Ahrensfelde so unpersönlich ist. Man sei nicht aus der Marzahner Platte weggezogen, um hier das Gleiche zu erleben, absolute Anonymität, von den Nachbarn ausgenommen. Wenig Freizeitmöglichkeiten, genau so eine verschmutzte Luft und sogar mehr Lärm. Aber das ist der Fluch der eigenen Tat, der Fluch aller Dörfer im Speckgürtel von Berlin. Die Idylle, die die Stadtflüchter suchen, machen sie mit ihrem Zuzug kaputt. Sie belasten die schon ächzende Infrastruktur und weil es keine Möglichkeit gibt, das Haus durch angemessene Arbeit abzuzahlen, wird der Neu-Ahrensfelder zum Pendler, verschärft das Verkehrschaos, produziert Lärm und Feinstaub.

Auch sind sind längst die Zeiten vorbei, dass in jedem Dorf eine Gaststätte florierte, in der die Vereinssitzungen und Familienfeste stattfanden und jeden Sonnabend Tanz. Natürlich gab es auch einen Dorfladen, der alles führte, was für den Alltag so gebraucht wurde, vom eingelegten Hering bis zu Nägeln, von frischen Eiern bis zur Mistforke. Eine Gemeindeschwester gab es und einen kleinen Kindergarten, so, wie es noch Flecken in der Uckermark geben soll. Nein, das ist vorbei und niemand weint dem eine Träne nach. Aber der sogenannte Fortschritt betoniert nicht nur landwirtschaftliche Flächen zu, kommt mit Kahlschlag in den Wäldern daher und mit Windkraftwerken, die Natur und Mensch mehr schaden als nutzen. Er bringt auch die Entfremdung der Menschen mit sich.

In Ahrensfelde mit seinen zugehörigen Dörfern ist die Zeit seit den Siedlern in den 30ern und der Weltwirtschaftskrise  vorbei. Vielleicht nicht ganz, denn neue Siedlungsmodelle versuchen, das Leben wieder auf die Alltagsbedürfnisse im wahrsten Sinne zu konzentrieren. Ist der ständig von unserem Gemeindeparlament missachtete Regionalplan Uckermark - Barnim der ernsthafte Versuch, das Leben bequemer, sozialer und bedarfsgerechter zu gestalten.? Durch eine behutsame und umweltverträgliche Siedlungsentwicklung für eine hohe Lebensqualität. Vielleicht, aber davon ist Ahrensfelde mit seiner überbelasteten Infrastruktur und der an Bauwut grenzenden Vernichtung von Ackerland und Umweltzerstörung weit entfernt. Wir sind eben besonders. 

Die 15-Minutenregel des Regionalplanes soll dazu beitragen, alles, was für den Alltag wichtig ist, soll in 15 Minuten mit Zufuß-Gehen erreichbar sein. Supermarkt, Arzt, Schule, Kita, Verwaltung und Verkehrsmittel. Am meisten profitieren Familien mit Kindern, Menschen mit  eingeschränkter Mobilität und Senioren von diesem Konzept. Aber nicht nur, denn so eine Konzentration verhindert Zersiedelung der Gemeinden, wie sie gerade und seit Jahrzehnten in Ahrensfelde Gang und Gäbe ist. Ist der Versuch, Heimat erlebbar zu machen, Individualverkehr mit seinen umweltschädlichen Begleiterscheinungen zu minimieren, Umwelt zu schonen, auf den Klimawandel zu reagieren. So werden lebendige, gemischt genutzte Ortszentren mit kurzen Wegen die Wohnqualität erhöhen. Bei jedem neuen Beschluss der Gemeindevertretung, wenn sie klug wäre, sollten die voraussichtlichen Auswirkungen auf die Einwohner und ihre Gesundheit, auf Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt, auf das Schutzgut Boden, das Wasser, das Klima und die Luft bedacht werden.

In Eiche lag ein Projekt einer kleinen autofreien Gartenstadt auf dem Tisch. Die vielfach ausgezeichneten Architekten von plus 4930 hatten etwas Interessantes vorgelegt. Von der Peripherie bis ins Zentrum 10 Minuten zu Fuß, dort, wo alles konzentriert war. Kita, Arzt, Bushaltestelle und Supermarkt und viel Grün. 

Modelbeispiel der Gartenstadt Eiche om Architektenbüro plus 4930.

Der Ortsbeirat hat diesen Plan abgelehnt. Ausgerechnet die autofreie Gartenstadt würde die Verkehrsbelastung im Dorf erhöhen. Ja wie ticken die da? Aber es wurde einem Rechenzentrum die Stimme gegeben, das kaum Arbeitsplätze schafft, ein einstiges Gartengelände mit Treibhäusern zubetoniert und täglich mehr Wasser und Energie verbraucht, als alle Eichener Einwohner zusammen. Ja, Denken und Wissen sind hohe Güter. Noch nie gab es in der Gemeindevertretung ernsthafte Debatten darüber, was die Siedlungspolitik bewirkt, auf den Menschen, ihre Gesundheit, Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt, die Fläche, den Boden, das Wasser, das Klima und die Luft, die Landschaft, Kultur- und sonstige Sachgüter sowie deren Wechselwirkung. Auch das fordert der Regionalplan. 

So soll das Winterdorf aussehen. Übrigens hat beim dem Eckpunkteplan eine Ahrensfelder Architektin Pate gestanden, was auch den seltsamen dörflichen Charakter entsprechen soll.

Natürlich spielt bei der geplanten Ortsentwicklung dieser Plan, den der Regionalrat Gehrke mit beschlossen hat, auch die Siedlungspolitik eine wichtige Rolle. Die 15-Minuten-Regel hatte ich ja schon erwähnt. Diese Vorgaben sind für unsere Verwaltung und die Gemeindevertreter aber Schall und Rauch. Denn sonst würden sie nicht dem Winterdorf an der Birkholzer Allee zugestimmt haben, einer Satellitensiedlung ohne Bindung zu Lindenberg, fern jeder Kita, jedes Supermarktes und Arztes. Nur der Bus kommt hin und wieder vorbei, besonders zu den Zeiten des Schulbeginns und nach dem Unterrichtsende. Dafür muss Acker geopfert werden, die Luftschneise für Berlin, der Eingriff in den Grundwasserhaushalt und das Mikroklima. Was denken sich unsere Gemeindevertreter, wenn sie überhaupt denken? Ich werde nicht müde, sie dazu anzuregen, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, plus 4930, Gemeinde Ahrensfelde, Bauplanungsunterlagen des Investors

Achtung: "Bürger für Ahrensfelde" und "BVB/Freie Wähler" laden am 20. September um 13.00 Uhr zu einem Bürgerdialog über das Bauprojekt Birkholzer Allee (Winterdorf)  in Lindenberg Gudrunstraße 46 ein.

Übrigens. Nach Google Statistics haben alle Ahrensfelder, vom Baby bis zum Greis meinen Blog 6 Mal angeschaut. Danke und weiter so! Darüber hinaus wird er in 78 Ländern hochgeladen, erstaunlich. 




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