Endlich ein Gutachten zum Lärm bei Grün-Weiß - aber ist es sein Papier und Geld wert?

 

Wie nennen die böse Zungen ein Gutachten, das auf Wunsch nicht gut beachtet, was es begutachten soll? Richtig, Sie wissen es. Ja, auf Druck der Anwohner der Goethesiedlung, deren Lebensqualität in dem Maße beeinträchtigt wird, wie der Verein Grün-Weiß 1908 Ahrensfelde wächst, hat die Gemeindevertretung dieses Problem, das schon 20 und mehr Jahre besteht, endlich erkannt und wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Ein Bürgerdialog mit allen Beteiligten fand statt und wer da glaubt, der ist zu Ende, der hat nicht nur mit Zitronen gehandelt, sondern auch den Durchhaltewillen und die Intelligenz der Anwohner unterschätzt. Denn das schalltechnische Gutachten der Firma GENEST gibt viele verwirrende Daten und Dateien, Berechnungen vom grünen Tisch, die Anlass zu Überlegungen und Entscheidungen führen sollten. Aber grau ist alle Theorie. Sie lassen nicht nur die Bürger, bestimmt auch die Gemeindevertreter so schlau wie zuvor zurück. Das wirft jede Menge Fragen auf. Zu viel!

Zunächst eine grundsätzliche Frage! Das Gutachten lag lt. E-Mail von Herrn Meier (Fachdienstleiter), der seitens der Verwaltung gegenüber Genest verantwortlich für das Gutachten war, am 27. Juli des Jahres bereits vor. Wörtlich "...es ist zutreffend, dass das Gutachten der Gemeindeverwaltung seit einigen Tagen vorliegt und sich aktuell in Prüfung befindet." Was wurde da geprüft, durch wen und warum? Das ist bis heute unklar. Fiel das Gutachten nicht im Sinne der Verwaltung und des Bürgermeisters aus? Der Auftraggeber des Gutachtens, die Gemeindevertreter waren in die "Prüfung" nicht einbezogen. Es scheint einiges geprüft worden zu sein, denn das nun geprüfte Gutachten soll am 9. September in der Verwaltung eingegangen sein. Genest, so Recherchen, hatte wohl mehrere Varianten vorbereitet. Aber nur zwei waren von der Verwaltung erwünscht. Da ist nicht ganz koscher. Transparenz und Fairness im Umgang mit Bürgern sehen jedenfalls anders aus!

Skizze und Vorschlag aus dem schalltechnischen Gutachten mit einem  3 Meter hohen Schallschutz von der Gebrüder-Grimm-Str. bis zur Berthold-Brecht-Str. und einem 6 Meter hohen Schallschutz an den Kunstrasenplätzen 2 und 3. 

Nun zu inhaltlichen Fragen: Erstens, warum wird die Gaststätte Hangover nicht als das bewertet und begutachtet, was sie ist: Ein gastronomisches Gewerbe in einem Allgemeinen Wohngebiet. Danach ist zu bewerten, ob von ihr wohnunüblicher Lärm ausgeht oder nicht. Und wenn das der Fall ist, das hätte das Gutachten zweifelsfrei ergeben, wenn es denn überhaupt diesen Fakt eingeordnet hätte in dem Auftrag der Gemeindevertretung, dann wäre der Schluss, dass der Vertrag zwischen Gemeinde und Gaststätte ab sofort null und nichtig ist. Warum das im Gutachten überhaupt keine Rolle spielt, ist ein Mangel des Gutachtens, eins von vielen. Nun ist den Leuten von GENEST nicht zu unterstellen, sie hätten nicht redlich gearbeitet, aber hier liegt mehr als ein Missverständnis vor.
Ein weiterer Knackpunkt sind zweitens die Ausgangswerte des Lärms von den Sportplätzen. In großer Runde, auch Bürgermeister Gehrke war anwesend und erfreut über die letztendliche Einigung aller, wurde die tatsächliche Zahlen der Trainingszeiten und Spiele samt Zuschauer abgestimmt. So weit, so gut. Aber plötzlich wurde das im Juli schon vorliegende Gutachten offensichtlich auf Wunsch der Verwaltung noch einmal geändert. Und kurzerhand waren die gemeinsam festgeschriebenen Durchschnittswerte, die vor allem von uns sachlich agierenden Bürgern kamen, als Maximalwerte eingestuft und nach unten korrigiert worden. Wer diesen Wunsch an GENEST herangetragen hat, das Gutachten dahingehend zu ändern, in meinen Augen zu fälschen, ist klar wie Kloßbrühe. Hat die Verwaltung das Gutachten so entwertet?

Ein Gutachten muss drittens, ansonsten ist es das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht, die Realität und die wissenschaftlich prognostizierte Entwicklung wiedergeben. Hat es aber leider nicht. Alles sind nur errechnete Schätzwerte, nichts wurde gemessen. Die Zeit und die Realität korrigieren der Theorie der Sachverständigen. Inzwischen beginnt das Training nicht um 17 Uhr, sondern ab 16 Uhr ist auf den Plätzen schon Trainingsbetrieb. Zu den Spielen wird nicht nur beschallt, was im zeitlichen Rahmen noch hinzunehmen wäre. Aber das  vereinbarte Zeitfenster für Musik wird weit und  oft überschritten. Zudem wird bei Spielen auch getrommelt, was die Pauken hergeben. Da reicht ein Schildchen vorn Grün-Weiß nicht aus. Zudem weigert sich der Vereinsvorsitzende Lachmann mit seinen Ordnern, den Gästefans Vorschriften zu machen. Dabei ist die Rechtslage klar: Die Verordnung nimmt den Betreiber des Sportplatzes (Verein oder Kommune) in die Pflicht nach § 1 Abs. 2 der 18. BlmSch aktiv darauf einzuwirken, dass Zuschauer keine übermäßig lärmerzeugende Instrumente verwenden. Was ist da nicht zu verstehen, Herr Lachmann?

Das Gutachten geht davon aus, dass am Sonntag, so der Verein GWA, überhaupt kein Training stattfindet. Grau ist alle Theorie. Denn sowohl die Volleyballer als auch dutzende Freizeitkicker des Vereins nutzen das Wochenende, um ihrem Hobby nachzugehen. Auch auf dem Rasenplatz wird nicht nur gespielt, sondern auch trainiert. Hinzu kommt, dass die angesetzten Spiele entweder in den sonntäglichen Ruhezweiten stattfinden oder sich in dieser Zeit großzügig eingespielt wird.  Lärm technischer Geräte, wie stundenlanges Rasenmähen, spielen überhaupt keine Rolle. 

All das ist die Realität, um nur einige Mängel des Gutachtens anzuführen. Es gibt durchaus durchschaubare Bestrebungen von vereinsnahen Gemeindevertretern, wie schon seit Jahren, das so frisierte Gutachten zum Anlass zu nehmen und daraus abzuleiten, dass die Sache so ist wie sie ist und kein Handlungsbedarf bestünde. Das ist realitätsverweigernd, verantwortungslos, den Bürgerdialog als überflüssig und zeitverschwendend zu betrachten, das Gutachten wissentlich falsch zu interpretieren und bürgerfeindlich obendrein. Das ist beschämend und bezeichnend für die "Grün-Weiß-Fraktion". Das nach alle Seiten auslegbare und von der Verwaltung gewünschte Gutachten hilft der Gemeindevertretung kaum, das Problem Sportplatzlärm lösungsorientiert anzugehen. Wir brauchen eine Fortsetzung eines nun ehrlichen Bürgerdialogs. So nicht nur meine Meinung, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer. 

Fotos: Autor, Faksimile Genest, Archiv Hartmut Moreike

P.S. In eigener Sache.

Herzlichen Glückwunsch!

Moin Hartmut,

heute feiern wir bereits den 10. Geburtstag deines Buches „Die Farbe der russischen Seele“! Vielen Dank, dass wir deiner Geschichte schon so lange bei uns ein Zuhause geben dürfen.
Für uns ist es immer etwas Besonderes, wenn sich jemand mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt. Bei dir ist dieses Ereignis bereits 3650 Tage her.
Wir freuen uns sehr darauf, noch mehr Worte von dir zu lesen und werfen heute imaginäres Konfetti in die Luft!
Auf viele weitere Jahre voller Buchliebe!
Alles Liebe
Dein BoD-Team


Na, es gibt doch noch Erfreuliches im Schriftstellerleben. Der dritte Band der Repinbiografie und der Vorgänge am Zarenhof wird erfreulicher Weise wie die ersten beiden Bände "Russlands Palette" und "Das Russlandgemälde" immer wieder auch international nachgefragt und gekauft.



 
 
 

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