Neues aus Ahrensfelde - Skandal? Eine verdiente Watschen für die Gemeindevertreter


Ich hätte sie herzen können, die junge Frau aus Eiche, die den Gemeindevertretern die Leviten las. Sie hat sich empört in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet, weil sich die Gemeindevertreter offensichtlich überhaupt nicht für die Fragen, Anregungen und Bedenken der Bürger interessierten. Sie plauderte miteinander, schrieben Mails, kramten in Unterlagen und zeigten größtenteils ein fast demonstratives Desinteresse an den Anliegen der Bürger. Ich hatte das in meinem Blog schon einige Male gerügt. Wieder die Frage: Ich das das Niveau unser Gemeindevertretung?

Dieses Verhalten, liebe Leute, ist weder eine Zufälligkeit noch Kleinigkeit. Wie weit will die Vertretung unserer Bürger, denen wir unser Vertrauen entgegen gebracht und die Verantwortung für unser Wohl und Wehe anvertraut haben, in der Missachtung ihrer Einwohner und der gesetzlich geschützten Bürgerbeteiligung noch sinken? Nein, ich übertreibe nicht. Dazu bin ich zu oft Zeuge dieser Unsitte. Einige scheren sich einen Dreck um unsere Belange, bei anderen reicht es nicht, uns zu verstehen. Aber wir Wähler haben einen Anspruch darauf, dass Abgeordnete ihre Tätigkeit gewissenhaft ausüben und nicht nur so tun.

Bei unseren Gemeindevertretern scheint es über die parlamentarische sprich repräsentative Demokratie einige Missverständnisse zu geben. Natürlich gibt es die verfassungsrechtliche Seite und die tatsächliche, reale. Und da liegt auch bei uns der Hase im Pfeffer. Theoretisch sind gewählte Abgeordnete auch Diener. Sie dienen dem Volk, also unserem Völkchen von fast 15.000 Ahrensfeldern und damit wieder auch dem einzelnen Einwohner. Ich habe es schon so oft gesagt und geschrieben: Die Zukunft Ahrensfeldes und damit seiner Menschen wird nicht durch Worte, die Erfüllung von Investorenwünschen oder Ausgrenzung der Bürger bei Entscheidungen gestaltet, sondern durch die tagtägliche Sorge um jeden einzelnen Bürger, ohne Ausnahme. Demokratie spielen, geht nicht.

Aber damit sind wir wieder einmal beim Thema, das vielen sehr unangenehm ist. Viele Beschlüsse werden an den Ahrensfeldern vorbei gefasst. Politische Entscheidungen, liebe Leute,  müssen sich an ihren Ergebnissen messen lassen. Wenn schon gebaut werden sollte, und das ist meistens nicht begründet, dann brauchen wir sozial verträgliche Mieten für junge Familien oder Alleistehende, Wohnungen in zentraler Lage, also Lückenbebauung, Häuser im dörflichen Charakter und schon gar nicht auf Ackerland. Eckpunktlisten beruhigen zwar das Gewissen, aber an die muss sich kein Investor halten, sie sind juristisch Makulatur.

In den Obstwiesen von Bonava hat der Ortsbeirat von Ahrensfelde großspurig gefordert, dass kein Grundstück, wegen des dörflichen Charakters unter 600 Quadratmeter sein sollte. Gerade zwei von 230 erfüllen diesen frommen Wunsch, der Durchschnitt liegt so um die 220 m2 und sie kosten so um eine halbe Million. Pardon, 2-Raum-Wohnungen sind schon für eine viertel Million zu haben

Großzügig wird der Verein Grün-Weiß 1908 Ahrensfelde mit seinen 700 Sportlern aus der Gemeinde gefördert. Rund mit 20 Prozent der Mittel, die für alle sportlich wie kulturell tätigen Vereine werde dem einen Verein zugebilligt. Das ist eine Schieflage und nicht gerechtfertigt, auch bei den ernsten Problemen, die seine Mitglieder den Einwohnern der Goethesiedlung bereiten. Förderung ja, pampern nein. Die Millionen und Abermillionen für den Verein und die Plätze wären besser in der Daseinsfürsorge für alle Ahrensfelder angelegt, für ein Medizinisches Versorgungszentrum zum Beispiel, die Förderung von Ansiedlungen von umweltschonenden und zukunftsgerechten Gründern der Digitalisierung und der KI oder in eine kleine aber feine Seniorenresidenz. 

Gerechtigkeit heißt nicht nur die Einnahmen gerecht zu gestalten., sondern auch die Ausgaben. Wenn schon wegen der Kassenlage jeder Euro dreimal umgedreht werden muss, sind falsche Prioritäten von Gemeindevertretung und Verwaltung absolut das Letzte, was uns nützt. Es steht doch immer die entscheidende Frage, was dient der Allgemeinheit mehr? Was ist notwendig, also um eine Not abzuwenden, zum Beispiel das Mikroklima durch ernsthafte Baumpflanzungen, Aufbruch von betonierten Flächen sowie einem Baustopp auf Äcker, Wiesen und Hainen und damit die Lebensqualität aller Einwohner zu verbessern? Oder die Frage zu stellen, was nützt oder schadet uns ein Rechenzentrum in Eiche?

Unsere Beratung der Gemeindevertreter, konkret die Einwohnerfragestunde ist doch ein Skandal. Bei dieser direkten Begegnung der Bürger mit ihrer Verwaltung und den Abgeordneten sind zwei Dinge, die absolut vom Kopf auf die Füße gestellt werden müssen. Die Gemeindevertreter interessiert in großer Mehrzahl nicht, was die Bürger fragen oder anmerken. Fast demonstrativ beschäftigen sie sich mit ihren Tabletts oder irgendwelchen Papieren. Das ist schon eine Frechheit gegenüber dem Souverän, den Einwohnern. Und das kognitive Niveau der Zuhörer auf den billigen Plätzen wird dann auf eine harte Probe gestellt, wenn erst einmal die üblichen geschwätzigen Nichtssager der Gemeindevertretung das Wort ergreifen.

Auch absurd ist oft das Auftreten der Verwaltungsbeamten.  Längst nicht als Diener der Ahrensfelder, die doch ihre Dienstherren sind, sondern behandeln die fragenden Bürger oft, sehr oft, wie ihre Untertanen. Verunsichern und belehren sie dank ihrer Informationsvorteile und manchmal verunsichern und beleidigen sie damit die Einwohner. Und der Bürgermeister lässt das alles geschehen. Ja, es geht ihm um Ahrensfelde,, auch, aber vor allem um Wilfried Gehrke, um das Bild der Gemeinde nach außen und damit um sein Ansehen. Natürlich ist Respekt vor einem Amt geboten, denn wenn es dienend ausgefüllt wird. Nicht das Amt schmückt Bürgermeister oder Gemeindeangestellte, sondern die Personen, ihre Achtung vor den Menschen und ihre Arbeit für sie. Und die Mehrheit der Mitarbeiter der Verwaltung haben das verinnerlicht.

Doch wie heißt es auch, zum Walzertanzen gehören immer zwei. Wer gegenüber Gemeindebedienteste und Abgeordnete als Diener und Untertan auftritt, darf sich nicht wundern, wenn er genau so behandelt wird. Und deshalb ist Kritik, selbstbewusstes Auftreten in den Beratungen der Gemeindevertretung und  Augenhöhe gegenüber jedermann in einer repräsentativen Demokratie Bürgerpflicht, die ich mit Vergnügen und nach besten Wissen ausübe, auch wenn ich hin und wieder beabsichtigt jene nerve, die nicht gewillt sind, ihren Wählerauftrag ernst zu nehmen, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer. 

Fotos: Autor (4), Cartoon  Pool X, Zeitgeschehen Y, Gemeinde Ahrensfelde











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