Neues aus der Provinz - zu teures wichtiges und weniger wichtiges Ehrenamt in Ahrensfelde?

Weil weder im Hauptausschuss noch im Bauausschuss (außer H für Berlin) irgend etwas Interessantes auf der Tagesordnung steht, will ich ein angekündigtes Thema abarbeiten. Jedes Jahr im September stehen die Fördermittel der Gemeinde für Kultur, Sport und sonstige Vereine auf der Tagesordnung. Das sind freiwillige Ausgaben der Gemeinde, die sich dennoch das gesellschaftliche und ehrenamtliche Engagement seiner Einwohner etwas kosten lässt. Aus gutem Grund, denn das vitale Leben in den fünf Dörfern, ich scheue mich immer noch zu sagen Ortsteilen, denn das hat zu viel mit Teilung zu tun, wird durch dieses Engagement tausender Bewohner unserer Gemeinde bestimmt. Ja, und hier muss ich eine Lanze für Bürgermeister Gehrke brechen, er weiß das und betont das, so oft es angebracht ist oder auch nicht. 

In diesem Jahr gibt es für 2027 Anträge für rund 515.000 Euro, weit mehr als 2026. Da waren es gerade so etwa 323.000 Euro. Gut, das kann aber nicht nur mit dem Jubiläum in Lindenberg zu tun haben. Deshalb habe ich mir einmal die Liste vorgenommen und kritisch betrachtet. Es geht um unser aller Geld, nicht mehr und nicht weniger. Der größte Kostentreiber ist, wie nicht anders zu erwarten, der Sportverein Grün-Weiß 1908 Ahrensfelde (GWA). Die 1,2 Mio. Euro Zuwendungen der Gemeinde für den Anbau an das Sozialgebäude sind hier in dem Antrag nicht eingeschlossen. Der Sportverein hat zur Zeit 1080 Mitglieder, davon sind drei Viertel Einwohner unserer Gemeinde. Schauen wir uns die einzelnen Posten von GWA genauer und sachlich an:

  • Als Grundförderung werden 29.402 Euro beantragt. Der Betrag hat sich erhöht, weil er von der Mitgliederzahl abhängt, die steigt und steigt, was die Anwohner der Goethesiedlung schmerzlich laut erfahren. Dennoch, fast nichts dagegen zu sagen.  Dann wird ein Betriebskostenzuschuss von 17.500 Euro als selbstverständlich beantragt. Und hier habe ich schon meine Zweifel. Das Gelände der Sportplätze gehört der evangelischen Kirche. Sie hat es an die Gemeinde Ahrensfelde verpachtet und die wiederum an den Sportverein. So weit, so gut. Nun steht im Pachtvertrag zwischen der Gemeinde und dem SV Grün-Weiß 1908 Ahrensfelde unter § 5 Kosten, Lasten und Abgaben (Siehe Faksimile): (1) Der Sportverein übernimmt mit dem Betrieb und der Unterhaltung des Pachtobjektes verbundene Kosten. Es sind die Kosten für Strom-, Gas- und Wasserverbrauch, Telefon, Heizung und Reinigung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Kanalanschluss- und Kanalgebühren sowie Schornsteinfegergebühren. Erschließungsbeiträge werden von der Gemeinde getragen." 

Dafür verzichtet die Gemeinde nach § 4 auf die Erhebung eines Pachtzins. Also von Beteiligung an Betriebskosten kein Wort. Und es gibt auch keine Änderung des Pachtvertrages, der, soweit mir bisher bekannt ist, von der Gemeindevertretung beschlossen wurde. Wenn ja, würde ich das Dokument gern sehen.
Und dennoch ergibt sich die Frage, ob die volle Grundförderung bewilligt werden muss, wenn der Verein durch ständige Ordnungswidrigkeiten in der Gemeinde auffällt? Eine sachliche Frage und kein Grund, gleich in die Luft zu gehen.

  • 10.000 Euro werden für die Erneuerung eines Zaunes mit Sichtschutz beantragt. 
Gut, sie sind im Pachtvertrag nicht extra angeführt, aber gehört das nicht auch zur normalen Unterhaltung eines Pachtobjektes? 

  • Auf jeden Fall die folgenden beiden Anträge für eine Entkalkungsanlage und einen Saugroboter, für zusammen 5.600 Euro.
  • Dann werden, und das ist wohl sanktioniert durch die Gemeindevertretung, 36.000 Euro Mietkostenzuschuss für Container beantragt. Da gibt es jedoch noch einen Sperrvermerk der Gemeindevertretung.
Ich erinnere mich noch genau, dass unser Kämmerer damals in die Debatte geworfen hatte, dass es vielleicht rentabler, also billiger für die Gemeinde sein könnte, wenn sie gleich die Container kaufen würde. Seine Stimme ist aber offensichtlich nicht gehört worden. 

Das sind für 2027 also insgesamt allein für Grün-Weiß 1908 Ahrensfelde stolze 97.350 Euro. Mit anderen Worten fast 20 Prozent der Mittel, die die Gemeinde für die ehrenamtliche Arbeit aufwendet. Für 1.080 Mitglieder eines Sportvereins, von denen ein Viertel nicht in unserer Gemeinde wohnt. Also rechnen wir einmal großzügig 775 Einwohner betreiben bei Grün-Weiß Sport. 97.350 geteilt durch 775 ergibt rund 125 Euro je GWA-Mitglied. Das sind sachliche Zahlen ohne jede Wertung. Wie einige Leser wissen, hatte ich einst als verantwortlicher Redakteur bei Radio DDR meine Sendung "Gedanken um Zahlen und Begriffe". Sie kam "Oben", wie man sich denken kann, nicht immer gut an. Und so scheint es auch jetzt zu sein, wenn ich ganz kühl hinter Zahlen und Begriffe schaue. Ich kann und will es mir aber nicht abgewöhnen und glaube, und darin bestärken mich viele Leser des Blogs, das ist gut so. 

Nein, Grün-Weiß 1908 schwimmt nicht im Geld, lebt aber vielleicht doch über seine Verhältnisse?

Also gestatte ich mir, gegen die GWA-Anträge eine andere Zahl zu stellen, auch, weil ich in einem gewissen Alter bin und zu den Senioren zähle. Für 3.833 Senioren stellt die Gemeinde 26.665 Euro  zur Verfügung. Das ergibt sich aus einem Sockelbeitrag von 1.500 € je Ortsteil und fünf Euro pro Senior. Ja, das ist gut so und damit kommen die AG Senioren ganz gut klar. Das sind also je Senior, wenn ich die Gesamtsumme durch die Zahl der älteren Mitbürger teile, 6,96 Euro. Also nur zum Vergleich: 6,96 Euro für Menschen, die etwas in ihrem Leben geleistet, die Gemeinde mit aufgebaut haben und größtenteils noch heute die ehrenamtliche Vereinsarbeit maßgeblich tragen. Und 125 Euro für Einwohner aller Altersgruppen, die eigentlich nur einer Freizeitbeschäftigung nachgehen. So, und nun überlasse ich Ihnen, werte Leser, eigene Schlüsse. So, wie es meine Art ist, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Foto: Autor, Kopie Archiv, Cartoon Archiv  Cartoonpool

 

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