Notizen aus der Provinz - Eiche wehrt sich gegen ein Rechenzentrum 1. Teil
Mit dem Umweltschutz ist es bei diesem Projekt ohnehin nicht weit her. Dass von den Behörden bemängelt wird, dass die Notwendigkeit der Umwandlung von landwirtschaftlich genutzter Fläche in Bauland nicht einmal begründet und von den Gemeindevertretern so hingenommen wird, ist mehr als eine Schlamperei. Andere Mängel: In den Planungsunterlagen ist die nicht ausreichende Vorhaltung von Löschwasser, die geringe Nutzung und Versickerung von Niederschlagswasser und das Zuschütten der Teiche, so dass geschützte Amphibien gefährdet werden. Zwar hat die Verwaltung wohl geprüft, wofür sie gesetzlich verpflichtet ist, ob schutzrechtliche Verbote bestünden, aber wohl kaum, ob die Begehungen, was Brutvögel, Zauneidechsen und Amphibien betrifft, den rechtlichen Vorgaben entsprechend in der Anzahl, der Jahres- und Tagzeiten durchgeführt wurden. Mit solchen Kleinigkeiten befassen sich die Befürworter des umstrittenen Projekts nicht.
Bei Vollastbetrieb werden 80 % der Abwärme (rund 100 MW) ungenutzt in die Luft abgegeben. Das führt zu einer gesundheits- und naturschutzrelevanten Erhöhung der Umgebungstemperatur und Beeinträchtigung der Kaltluftschneisen. Das Märchen, ganz Ahrensfelde mit Abwärme zu heizen, fand wohl nur bei den unbedarften Ortsbeiräten ein offenes Ohr. Ernstzunehmende Techniker bezweifeln die technische Machbarkeit zu ökonomisch vertretbaren Preisen. Zwar könnten mit der Abwärme eigene Treibhäuser des Rechenzentrums betrieben werden, aber die müssen ja gerade oder Karpfenteiche wie einst recht erfolgreich beim Kraftwerk Vockerode an der Elbe.
Der Nutzen für die Kommune ist also gleich null, darüber habe ich schon mehrfach geschrieben. Und all das ist Gegenstand der Petition, die der Initiator, Herr Knoblauch nun eingereicht hat. Kenntnisreich, detailliert und besorgt um die Verringerung der Lebensqualität vieler Eichener und Ahrensfelder Bürger. Ich habe da ein De-ja-vu-Erlebnis zu unserer Petition über den Lärm der Sportanlagen von Grün-Weiß- Ahrensfelde was den unnehmbaren verlust der Lebensqualität der Anwohner betrifft.
Mir gefällt, dass immer mehr Bürger den Mut haben, gegen Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg aktiv zu werden. Es ist eine demokratisch legitimierte und geschützte Form der Kritik und der Mitsprache. Entweder ließen sich auch die Gemeindevertreter von den schönen blumigen Reden der Investoren von TTSP/HWP Consultants für das künftige Rechenzentrum (RZ) in Eiche einlullen oder sie hatten keine Ahnung, was da auf sie und uns alle zukommt.
Der SPD-Ministerpräsident in Potsdam hat nicht nur den fast krankhaften Ehrgeiz, Brandenburg zum dicht besiedelsten Netz von Windkraftanlagen zu machen, es sind schon mehr als Baden-Württemberg und Bayern zusammen, sondern er pfeift auf den Bevölkerungswillen und ist auch bei Rechenzentren der Musterschüler.
Und genau so ein technisches Ungeheuer, es ist noch nicht einmal klar, wer der Betreiber sein wird, soll hier in Eiche entstehen. Jedenfalls, wenn es nach den Gemeindevertretern geht, die sich wie fast immer mit der Problematik nicht gründlich beschäftigt haben, oder wie der Volksmund sagt, von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, haben wollen. Noch ist es nicht zu spät, diesen Unsinn zu stoppen, wie die Petition aus Eiche anregt. Technischer Fortschritt um jeden Preis und zu Lasten unserer Lebensqualität, der Umwelt und des Klimas ist Bockmist. Sollen wir hier wieder mit vollendeten Tatsachen konfrontiert werden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können?
Noch einmal zum Mitschreiben. Ich wünsche, dass Petitionen und Bürgerinitiativen endlich so ernst genommen werden, wie sie gemeint sind. Die von ihnen eingebrachten Bedenken und Vorschläge sollen endlich dazu führen, Projekte auf Herz und Nieren zu prüfen. Cui bono est - wem nützt das? Und wenn es ein Spezialgebiet betrifft, auch Gemeindevertreter sind nicht in allen Sachgebieten zu Hause und nicht allwissend, dann sollten sie über ihren Schatten springen und endlich Bürgerräte zu einzelnen Fragen für die Entscheidungsvorbereitung ins Leben rufen. Das habe ich schon x-mal angeregt und kann es nur immer wieder raten, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, Cartoon Dorthe Landschulz, Karte Archiv Hartmut Moreike
Im 2. Teil werde ich mit Fakten und Argumenten detailliert darlegen, warum die Petition der Eichener Bürger dem Inhalte nach klug, kenntnisreich und ihr zu folgen für die Gemeindevertretung notwendig ist.
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