Petition gegen das Rechenzentrum im Ortsteil Eiche Teil II - macht es unser Leben in Ahrensfelde besser?

Ich muss voran stellen, bei meinen Recherchen bin ich auf die Seite Baum und Klima gestoßen und werde auch, da ich zwar Wirtschaftsjournalist war, aber das waren noch andere Zeiten, auf die oben genannte Quelle mit Fakten und Argumente zurückgreifen. Ich gebe zu, dass ich, wie offensichtlich jeder Gemeindevertreter auch, mit den Unterlagen zum Rechenzentrum Eiche (RZ) glatt überfordert war. Ein paar hundert Seiten umfassen die Vorentwürfe, die fachlichen Untersuchungen samt Umweltbericht. Das hat wohl auch die Verwaltung bewogen, weithin ohne kritische Prüfung und Überarbeitung die Dokumente zur Entscheidung in die Gemeindevertretung zu geben. Und dort wurde getan, wozu die Mitglieder fähig waren. Sie stellten ihre Fragen zur Verständigung und erhielten ihrer Meinung nach, ausreichend erklärende Antworten. Genau wie zuvor im Ortsbeirat Eiche. Kein Wunder, die Antragsteller wollen auf den aktuellen Profitzug aufspringen und bauen und verdienen. 

All das ist den Gemeindevertretern nicht anzukreiden. Sie wurden getäuscht und sind sich der Tragweite ihrer Entscheidungen offensichtlich nicht bewusst. Das bewiesen auch ihre Diskussionsbeiträge in der Oktober-Beratung. Keine Ahnung und davon aber recht viel. Was aber noch bedauerlicher ist, dass sie die Einwände und Bedenken von den Eichener Bürgern, auch ich hatte ja zuvor meine Skepsis vor dem Gremium mit Argumenten begründet, bisher nicht ernst genommen hatten und auf die Offenlage wie nun wieder  in der Oktober-Beratung der Gemeindevertretung verwiesen. Noch ist es nicht zu spät, wenn es vielleicht auch Geld kosten wird, das Projekt einer sachlich-praktischen Prüfung zu unterziehen. Es gibt bis heute kein schlüssiges Argument einer Notwendigkeit, dieses RZ bei uns in Eiche zu bauen.

Da geht es einmal um Klärung, warum das RZ Im Außenbereich entstehen soll, der nach dem BauGB Paragraph 35 freizuhalten ist. Warum soll eine bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche bebaut und das Schutzgut Boden unwiederbringlich beeinträchtigt werden? Warum wird das Objekt nicht in einem Gewerbegebiet, wenn überhaupt errichtet? Dazu gibt es keine nachvollziehbare, ja überhaupt keine Begründung der Investoren. Der Nutzen für die Gemeinde tendiert gegen 0,0. Keine nennenswerten Arbeitsplätze, überhaupt keine Steuereinnahmen. Dafür Belastung des Mikroklimas und der Gesundheit der Anwohner. 

Und noch einmal ein interessanter Fakt. Der drittgrößte Betreiber von 150 RZ in 20 Ländern NTT Global Data Centers gibt zu, dass es durch den Energiebedarf der RZ in Brandenburg auch zu Versorgungsengpässen  bei der Energieversorgung kommen kann. Da gehen die Lichter aus. Keine Straßenbeleuchtung, nichts mit Fernsehkrimi und auch nichts mit einem gekühlten Bier. Das erlebte ich zuletzt 1946. Na prima. 

Ein weiterer Kritikpunkt, ein Gegenargument zum geplanten RZ ist der verheerenden Einfluss auf die Umwelt. Über die Vernichtung der Teiche und Söller und damit der Habitate von geschützten Amphibien habe ich schon geschrieben. Auch über die Verschlechterung des Mikroklimas. Es ist unbestritten, dass durch die in die Luft geblasene Abwärme von etwa 100 MW ein gesundheits- und naturschädlicher Einfluss auf die nahen Anwohner auf Dauer zu erwarten ist. Nach den bestehenden Gesetzen müssten aber 20 Prozent der Abwärme einer Nutzung zugeführt werden. Der vage Hinweis, dass damit in Zukunft ganz Ahrensfelde beheizt werden könnte, ist reines Marketing. Die Investoren sind geschickte Verkäufer. Denn technisch wie ökonomisch ist das ein Verlustgeschäft. Die anfallenden Wärmemengen werden also zu einer bemerkbaren Erhöhung der Außenlufttemperatur, zu sogenannten Wärmeinseln führen.

Es gibt wissenschaftliche Modelle der University of Cambrigde, die von einem Anstieg von 2-3° C ausgehen, im Extremfall im Sommer ohne Wind bis zu 9,1° C. Wenn also Sommertemperaturen von 38° C gemessen werden, und das ist jetzt keine Ausnahme mehr, steigt die Temperatur mindestens auf 41° C. Und noch etwas. Noch einmal, der Bedarf bestimmt den Preis und je mehr Energie nachgefragt wird, das ist so, um so höher steigen auch für jeden von uns die Preise für Strom. 

Aufnahme einer Wärmebildkamera aus einem Rechenzentrum. Diese Temperatur wird zu 80% in die Umluft abgegeben und bilden Wärmeinseln, die auf das Mikroklima vereheerende Auswirkungen haben können 

Wie wir in diesem Sommer erlebt haben, führen solche Temperaturen zu erheblichen gesundheitlichen Risiken und einer Beeinträchtigung der Lebensqualität in der Umgebung. Von Schäden für Fauna und Flora nicht zu sprechen. Es ist also generell zu entscheiden, und darum kommt die Gemeindevertretung nicht herum, abzuwägen zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Investors und dem gesetzlich verbrieften Anspruch der Anwohner auf den Schutz der Gesundheit und der Erhaltung ihrer Lebensqualität in einer weitgehend noch intakten Landschaft. Weltweit gibt es Proteste gegen Rechenzentren, wie in Irland, Österreich, den Niederlanden und den USA.

Und ein letzter Einwand. Obwohl die gesetzlich geforderten Monitorings nach Jahreszeit, Monat und Tageszeit und ihrer Anzahl noch nicht durchgeführt sind und damit keine relevante Aussage zu dem Einfluss beim Bau und Betrieb des RZ auf Brutvögel, Zauneidechsen und auch Rotbauchunken und Molche zu treffen ist, sollen schon Entscheidungen gefällt werden. Söller und Teiche werden allein schon wegen der Abluftwärme trocken fallen und ganze Habitate werden so vernichtet. Hypothetische Betrachtungen reichen da nicht aus. 

Lange Rede kurzer Sinn, das waren nur einige Aspekte, warum ernsthaft ergebnisoffen zu prüfen ist, ob das Rechenzentrum an diesem Standort für Ahrensfelde und vor allem die Eichener Bürger eine Verbesserung oder Verschlechterung ihrer Lebensqualität bringt, ihre Gesundheit beeinträchtigt, der Natur nicht mehr als  unbedingt vermeidbar schadet, das Mikroklima belastet und das alles auf bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche, also eine Umwidmung des Flächennutzungsplanes rechtfertigt? Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Aber diese Fragen müssen beantwortet werden und zwar mit Fakten meine ich als umweltbewusster und um unser aller Gesundheit und Zukunft besorgter Bürger. Wenn es um die Gesundheit und die Lebensqualität auch nur eines Eichener geht, dann sind wir Ahrensfelder alle Eichener, finde ich, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.

Fotos: Autor, Archiv Hartmut Moreike, Zeitgeschehen, global pict news

Beliebte Posts aus diesem Blog

Neues aus der Provinz -was sonst noch passiert - diesmal in Lindenberg

Ahrensfelde, die Gemeinde der Pendler

Nur Ungereimtheiten um den geplanten Anbau für den SV 1908 "Grün-Weiß Ahrensfelde?