Göttin Demeters Besuch in Ahrensfelde - fast ein modernes Märchen

Es begab sich einmal, dass die Göttin Demeter, der Zeus den Feldbau und die Tierzucht übertragen hatte, sich vom Olymp hernieder ließ, um einmal zu schauen, nachdem so viel Jahre vergangen waren, seit Prometheus mit seiner Gutthat die Menschen und Tiere erschaffen hatte, was aus ihnen so geworden sei. Und es geschah, dass sie ausgerechnet in Ahrensfelde niederkam, unweit des landwirtschaftlichen Totalverderbnis Bärlin/Cölln, denn Hunde und Katzen gehören nun einmal nicht zu den Tieren, die sich zwar vermehren, aber nicht  der Menschen Nahrung sein sollten. Jedenfalls nicht in Teutonicum. 

In einem Flecken namens Lindenberg traf sie auf den Gelegenheitsbauern Wilfried, und wunderte sich, was der für niedertächtig Kühe neben dem Federvieh hatte. Er fütterte sie mit Gehauenen, was er Heu nannte. Und Wilfried entschuldigte sich, dass er ja des Amtes Bürgermeister war und seine Milch von seinem Salär locker im Supermarkt kaufen konnte. Was ist ein Supermarkt, wollte sie fragen, aber da furzte eine Kuh und der Nachbar schrie über den Zaun, dass sie mit dem Methan die Welt vergiftet, die Kuh. Wilfried, der seine Kühe liebte, murmelte, dass es ja nur ein Färzchen wäre.

Demeter gab sich mit der Antwort des Kuhstreichlers, was die Milch betrifft, denn im Olymp fließen Milch und Honig aus einer paradiesischen Quelle, nicht  zufrieden. Sie schaute sich verwundert um. Als sie vor hundert und viel mehr Jahren in dem gleichen Gefilde war, sah alles feldschön und gut bestellt aus, die Äcker und blühende Gärten, die auch Chloris, die Göttin der blühenden Natur entzückt hatten. Und nun überall Herbergen eng gedrängt. Und die Leute jagten mit stinkenden Karren ohne Ochsen zu dieser großen steinernen Comunia in der Ferne. Vorbei an Riesen, die mit drei Armen fuchtelten, und obwohl sie schlank waren, von den Winden, die Aeolus, der Herr der Winde, der ihnen tüchtig zu schaffen machte, nicht umfielen. 

Wozu, fragte sie den Freizeitrinderfreund, denn das Wort Hobby war noch nicht bis in den Olymp gedrungen, habe ich dich auserwählt und berufen, den Feldbau zu studieren, damit die Menschen nicht Hunger leiden? Da wurde Wilfried verlegen und druckste herum. Was sollte er auch sagen? Dass seine Parteifreunde in Berlin die Sache mit den Beherbergungen verkorkst hatten und ihn nun gebeten haben, wenigsten hier Herbergen zu schaffen. Es war ja noch genügend Land da. Aber Demeter rügte den Wilfried, obwohl er schon Bürgermeister war und dennoch abtrünnig, weil der Acker das Volk ernährt und nichts ehrenvoller ist, als ein Landmann zu sein, der das Feld bestellt mit Brotarbeit, das Getreide sät, das Korn erntet im Schweiße seines Angesichts und zur Mühle bringt und der Bäcker aus dem Mehl Brot bäckt, um die Menschen zu verköstigen, so wie es immer war.

Aber Demeter verstand einfach nichts von Politik und CDU-Parteitreue, nicht von Investoren, die Geld brachten und noch mehr verdienten, von dem heimlichen Wunsch von Wilfried, ein Bezirk von der großen Stadt zu werden, der dann seinen Namen Wilfriedshagen bekommen sollte. Demeter aber wollte sich damit nicht zufrieden geben und setzte sich eines montags ganz hinten in die Rathschlagung der Gemeindevertretung und hoffte, dass sie hier etwas erfahren würde, was sie voller Stolz Zeus berichten könnte. 
Wilfried war natürlich auch da.  Aber als sie hörte, dass dieser kluge Rat der Gewählten wieder beschloss, wertvollen Acker zu zernichten, den Windungeheuern anzudienen, Beherbergungen und Rechenzentren auferbauen, was immer das für ein Ungeheuer war, das machte sie traurig und verunruhigt über das Mißthun. Zeus erwartete sie voller Ungeduld auf dem Olymp. Aber Demerter schluchzte nur und sprach voller Unbelieben zu Zeus: "Gegen die Dummheit der Menschen kämpfen selbst wir Götter vergebens."

Fotos: Autor, Archiv 


Beliebte Posts aus diesem Blog

Wer fragt, der lernt, oder es ist Hopfen und Malz verloren (Achtung Satire)

Nur Ungereimtheiten um den geplanten Anbau für den SV 1908 "Grün-Weiß Ahrensfelde?

Vom Schmarotzer zum Helfer in der Not - Wende in der Berufswahl