Bezahlt künftig jeder Ahrensfelder 166, 44 Euro für ein Grün-Weiß-Jugend- und Seniorenhaus? (II)

Die Frage ist zwar noch nicht aktuell, aber sie kann es werden, wenn die Träume vom größten Barnimer Sportverein wahr werden. Herr Sakawitsch, Abteilungsleiter Fußball beim SV 1908 Grün-Weiß Ahrensfelde (GWA), stellte am vergangenen Montag die Pläne für einen Anbau an das Sportlerheim, das sogenannte Jugend- und Seniorenhaus, in der Gemeindevertretung vor. Gut vorbereitet und organisiert, machte er mächtigen Eindruck bei den Gemeindevertretern. Gut organisiert waren auch die etwa drei Dutzend Claqueure meist in Grün-Weiß-Farben gekommen, die selbstredend brav nach dem Vortrag ihres Vertreters ihre Pflicht erfüllten. (Fast frenetischer Beifall.) Gut, wir waren zwar nicht auf dem Sportplatz, aber geschenkt. Ansonsten kam nichts, absolut nichts von ihnen. Was sonst?!
Dass der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Herr Kusch, großzügig über den Beifall ohne kleine Ermahnung hinweg sah, mag auch daran liegen, dass er nicht annahm, dass die Grün-Weiß-Besucher jemals wieder so stark im Gemeindeparlament zu Gast sein werden. Ich glaube es auch nicht, es sei denn, es geht ums Geld für ihren Verein. Denn ich habe nach all den Jahren als engagierter Anwohner und aufmerksamer Beobachter und auch Mitgestalter der Kommunalpolitik bei uns den Eindruck, das Geschehen in Ahrensfelde interessiert sie nur, wenn es um den Verein und seine Alimentierung durch unsere Steuergelder geht. Ist also unsere Gemeinde für GWA eine zu melkende Kuh? Das will ich nicht sagen, weil ich weiß, dass unser Bürgermeister eine kleine Hobbyherde hält und ich seine Rindviecher nicht beleidigen will.

Ich bat also freundlich den Sportsfreund Sakawitsch, sportlicher Chef über immerhin 600 organisierten Fußballer von 1.068 Vereinsmitgliedern, seine eindrucksvollen Darlegungen und Argumente öffentlich zu machen, um die Akzeptanz in unserer Bevölkerung für ihre finanzielle Belastung zu erhöhen. Das wurde mit der Begründung abgelehnt, dass es noch nicht die endgültige Fassung wäre, die in der Gemeindevertretung präsentiert wurde. Aber warum wurde dieses 5,5 Mio.-Projekt schon so, zugegeben gekonnt, überhaupt vorgestellt, wenn es noch nicht in trockenen Tüchern war? Ganz einfach, sonst  weil keine Zusage zu Fördermitteln erteilt werden konnte, weil ja die Prämissen für ihre Bestätigung und Verteilung noch nicht einmal vorliegen. Und dennoch sprachen sich auch Frau Hübner (CDU) für den Antrag auf Fördermittel aus, so, als wären damit nicht auch beträchtliche Eigenmittel der Gemeinde fällig. Auch ihre Einlassung, dass jeder Verein Fördermittel beantragen könne, zeugte von Unwissen. Diese eben nicht, denn den Antrag für Fördermittel aus dem Bundesplan "Sanierung kommunaler Sportstätten 2025-2026" können eben nur Gemeinden und Städte stellen. Deshalb spannte der GWA die Gemeindevertretung vor ihren Karren. 

Nun aber zu den Finanzen und meinen Aufzeichnungen aus den Darlegungen des SV 1908 Grün-Weiß Ahrensfelde! Für den Anbau an das Sportlerheim auf einer Fläche von 575 m² werden Investitionen von 5,5 Mio. Euro geplant. Zwei Fördermitteltöpfe mit einer Laufzeit von 2027 bis 2029 sollen den Eigenanteil des Vereins und der Gemeinde tragbar oder erträglich machen. Da wird also schon mit einer Zusage von 900.000 Euro gerechnet. Die abgezogen von 5,5 Mio. Euro ergibt nur noch 4,6 Mio. Euro. Bei dem "Goldenen Plan"  werden mit 45 Prozent Fördermittel spekuliert, macht nach Adam Riese 4,6 Mio. € minus 2.07 Mio. € . Das ergibt 2,53 Mio. Euro. Nun will der Verein sage und schreibe auch sein Scherflein dazu beitragen und das wären stolze 100.000 Euro, so dass die Gemeinde Ahrensfelde "lediglich" noch 2.43 Mio. Euro Eigenmittel aufbringen muss. Warum aber schreibe ich muss und nicht müsste. Ganz einfach, dann nämlich, wenn eine Bedingung für die Fördermittel ist, dass die Finanzierung mit dem Eigenanteil beim Einreichen des Antrags gesichert und beschlossen ist. Haben das unsere Gemeindevertreter am Montag schon unwissend beschlossen? Und ist das so? Eine weitere Frage, wem gehört der Anbau, dem, der Millionen oder dem, der nur ein Funfundzwanzigstel zahlt?

Und darauf mag sich jeder seinen eigenen Vers machen, besonders wenn unser geschätzter Bürgermeister, der überall im Land mit GWA Reklame macht, in diesem Zusammenhang davon sprach, dann woanders wohl Leistungen der Gemeinde zurückgefahren werden müssen. Das letzte Wort aber haben die Gemeindevertreter, die ihr Verhaltenskodex verpflichtet: "Im Rahmen unserer Kontrollfunktion gehen wir Gemeindevertreter verantwortungsbewusst mit den Ressourcen und dem Vermögen der Gemeinde um." Na, das hoffen wir Einwohner doch! So, Leute, das sind also sauber recherchierte Fakten, die mache mutlos machen angesichts der Frechheit, wie hier unser aller Geld dem Verein GWA weiter in den Rachen geworfen werden soll und wütend, wie sich unsere Bürgervertreter verschaukeln lassen. Es ist wieder einmal traurig und belustigend zugleich, wie dilettantisch  Gemeindevertreter oft zu Werke gehen.

Soweit Fakten, Gedanken und Informationen aus der recht seltsamen Januar-Beratung der Gemeindevertretung, sachlich, kritisch und informativ wie immer.

Fotos, Fotografik: Autor


P.S. Der nächste Beitrag am Dienstag: Neues aus der Provinz -was sonst noch passiert - diesmal in Lindenberg

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