Neues aus der Provinz - was sonst noch passiert - diesmal in Ahrensfelde
Ich bin kein Mediziner, sondern habe mein Studium der Militärmedizin noch vor der ersten Vorlesung abgebrochen. Aber ich weiß, dass Alkohol eines unserer größten Suchtprobleme ist. Hochprozentiger löst keine Probleme, keine privaten und schon gar nicht die in unserer Gemeinde. Und dafür sollen wir Steuerzahler noch Geld ausgeben? Weicht Alkohol bekanntlich nicht das Gehirn auf? Aber ja!
Das ist nur eine Art von Kulturbanausentum und der großen Unsitten der AG Kultur, die, zugegeben, eine Menge anderer nützlicher Events für kleine und großer Ahrensfelder organisiert. Und das ausschließlich mit Leuten im Ehrenamt. Dafür ein Bravo. Eine andere Idiotie, auch wenn es den Kindern noch so gut gefällt, ist das von der AG Kultur veranstaltete Feuerwerk auf dem Weihnachtsmarkt. Mehr Feinstaub und giftige Schwermetalle werden nicht einmal von eintausend LKW bei der Durchfahrt durch die Dorfstraße freigesetzt, was hier in fünfzehn Minuten in die Luft geballert wird und sich in den Lungen auch der Kinder festsetzt und in den umliegenden Gärten. Das hat mit Kultur ebenso wenig zu tun, wie der Platz hinter dem Rathaus mit einer beschaulichen und einladenden Verweilidylle. Und auch dafür sollen wir alle noch zahlen? Denkt denn niemand an Lasershows oder später sogar an Drohnenspektakel am abendlichen Himmel?
Ein anderes Thema: Im Januar-Amtsblatt ist unser verehrter Bürgermeister sieben Mal abgelichtet. Nun, solche Selbstverliebtheit kenne ich nur von Erich Honecker, der in einem "Neuen Deutschland" von der Eröffnung der Leipziger Messe ganze zwölf Mal auf der ersten Seite erscheinen wollte. Aber Schwamm drüber. Ein Foto hat in Blumberg für Ärgernis gesorgt, das mit der neuen Ampelanlage an der B 158 zu REWE. "Weil sich Bürgermeister Gehrke hier mit fremden Federn schmückt", so entrüstet sich eine Einwohnerin im Namen vieler.

"Wir Senioren und vor allem Bernhard Ziemer haben dafür seit Eröffnung des REWE-Marktes gekämpft. Unsere Demonstration hat den unhaltbaren Zustand öffentlich gemacht." Kein Wort darüber in dem Rathausartikelchen. Gewollt oder unfreiwillig peinlich? Fragen Sie das unseren Presse-Gemeindebedientesten. (Schönes Beamtenunwort - vergeht auf den Lippen.)
Aber es gibt auch Erfreuliches. Mit Beginn des Jahres wird ein neues Format angeboten: "Nachgefragt - Sie fragen, der Bürgermeister antwortet". Das ist ein Angebot zum Dialog, das seine Vorteile hat. Erstens brauchen Sie sich nicht zur Sprechstunde unseres Bürgermeisters anmelden. Zweitens entbindet es Sie, weder die Beratungen der Gemeindevertretung noch ihrer Ausschüsse besuchen, um ihre Fragen loszuwerden. Das hat zugleich den Vorteil, dass Sie die Gemeindevertreter nicht langweilen und sich die langatmigen Antworten des Bürgermeisters, der ihre Fragen oft nicht beantwortet, sondern sich und die Verwaltung geschickt ob ihrer Initiativen zum Wohle der Gemeinde zu würdigen weiß, nicht anhören müssen. Drittens bekommen Sie eine schriftliche, also eine wohlüberlegte und juristisch sicher geprüfte Antwort. Ob aber, wie werbemäßig versprochen, die so manches Mal nicht nachvollziehbaren Entscheidungsprozesse ausreichend erläutert werden, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ist dieses Angebot auch nur schnöder Wahlkampf in eigener Sache, wie befürchtet wird. Wir werden sehen.
Fragen Sie also doch einmal, warum der Bürgermeister das Amtsblatt missbraucht und seinen Zugriff darauf genutzt hat, um die Abstimmung über die EKBO-Siedlung und das Gymnasium zu beeinflussen? Neutralität, aber nicht doch! Fragen Sie ihn, warum er Ahrensfelder, die für Transparenz und demokratische Hygiene eintreten, also ein grundgesetzlich verbrieftes Recht ausüben, verunglimpfte und ihnen böswillig unterstellte, dass sie "einschüchtern, abschrecken und ein Klima der Angst erzeugen" und "demokratische Strukturen bekämpfen" würden? Ist nicht der ein fragwürdiger Demokrat, der Bürgern, die verfassungsgarantierte Freiheit der Meinungsäußerung ausüben, antidemokratisches Verhalten vorwirft? Fragen Sie ihn, ob er Mitglied oder Ehrenmitglied des SV 1098 Grün-Weiß Ahrensfelde ist, weil er sich so vehement für eine außergewöhnlich großzügigen Finanzierung dieses Vereins aus Gemeindemitteln einsetzt? Fragen Sie ihn, warum er Siedlungsbau auf Ackerland seines Parteifreundes Winter gegen den Willen der Anwohner unterstützt? Da wäre ich auf die Antworten gespannt! Aber jeder kann ja fragen was er will.
Wenn die Fragen und Antworten im Amtsblatt veröffentlicht werden, geht einer meiner langgehegten Wünsche und Vorschläge in Erfüllung. Dann würden die Informationen des Bürgermeisters an Qualität gewinnen. Vielleicht, aber das wäre ein böses und undemokratisches Unterfangen, dass dieses Format dazu dienen soll, die Einwohnerfragestunde von lästigen Fragen zu entlasten. Könnte auch eine Rolle spielen, scheint mir, ist aber eher unwahrscheinlich. Auf jeden Fall ist es ein gutes Vorhaben und ein winziger Mosaikstein zur Entwicklung der direkten Demokratie in unserer Gemeinde, für die noch viel zu tun ist. Und dafür werde ich weiter streiten, sachlich, kritisch und optimistisch wie immer.
Fotos: Autor, B. Ziemer, Faksimilie: Amtsblatt Ahrensfelde, MOZ, Cartoon: Grab The Glass



